Wirtschaft
Viele moderne Dieselmotoren können die neue EU-Abgasnorm nicht erfüllen.
Viele moderne Dieselmotoren können die neue EU-Abgasnorm nicht erfüllen.(Foto: dpa)

Deutsche Städte besonders belastet: Diesel-Pkw überschreiten EU-Norm massiv

Nicht nur in den USA stoßen Diesel-Motoren weit mehr Schadstoffe aus als erlaubt. Laut einem Papier der Bundesregierung überschreiten neue Modelle die aktuellen Grenzwerte teils um das Sechsfache. Brüssel verlangt drastische Gegenmaßnahmen.

Die Bundesregierung hat laut einem Zeitungsbericht bei der EU-Kommission intern den "viel zu hohen" Ausstoß von schädlichem Stickoxid bei neuen Diesel-Autos beklagt. Die realen durchschnittlichen Stickoxid-Emissionen von neuen Euro-6-Diesel-Pkw, die derzeit auf den Markt kämen, seien erheblich höher als der einzuhaltende Grenzwert von 80 Milligramm pro Kilometer, zitieren die Zeitungen der Funke-Mediengruppe aus einer Stellungnahme der Bundesregierung an die EU-Kommission.

Messungen an neuen Fahrzeugen hätten ergeben, dass die Emissionen vielmehr im Bereich von 500 Milligramm Stickoxid pro Kilometer lägen, heißt es demnach in dem Papier. Das wären mehr als sechs Mal so viel, wie die neue Schadstoffnorm für Diesel-Pkw ab September vorschreibt. Diese Abweichungen bei Diesel-Pkw seien nach Darstellung der Regierung der Hauptgrund, warum Deutschland die EU-Vorgaben für die Luftbelastung mit Stickstoffdioxid in einer Reihe von Städten und Ballungsräumen auch in den nächsten Jahren nicht einhalten werde.

Mit der Kritik wehrt sich die Bundesregierung gegen Vorwürfe der EU-Kommission, nicht genügend zur Einhaltung der Grenzwerte zu tun. In einem Mahnschreiben hatte die Kommission im Juni gewarnt, in 29 Städten und Regionen - darunter Berlin, Hamburg, München, Stuttgart und Teile des Ruhrgebiets - würden die EU-Vorgaben für Stickstoffdioxid keinesfalls vor 2020 eingehalten. Als Konsequenz plädierte die Kommission für ein Fahrverbot für Dieselfahrzeuge in einigen Stadt-Regionen und empfahl auch eine höhere Besteuerung der Selbstzünder.

Das Mahnschreiben ist den Angaben zufolge Teil eines Vertragsverletzungsverfahrens, das zu einer Klage der Kommission gegen Deutschland führen könne. Die Bundesregierung weise den Vorwurf unzureichender Maßnahmen in ihrer Antwort nun zurück, schrieben die Funke-Medien. Sie mache klar, dass die Hoffnungen bislang auf einer "schnellen und breiten Marktdurchdringung" von Euro-6-Diesel-Pkw gelegen habe. Dass deren Emissionen nun erheblich höher seien als der einzuhaltende Grenzwert, wiege deshalb schwer.

Der Stickoxid-Ausstoß von Diesel-Autos steht derzeit wegen manipulierter Abgaswerte bei Volkswagen-Modellen in den USA im Fokus. Laut US-Umweltschutzbehörde EPA entwickelte Volkswagen eine Software, mit der Vorgaben zur Luftreinhaltung zwar bei Tests, nicht aber beim normalen Betrieb der Autos erfüllt wurden. Die Dieselfahrzeuge stießen folglich im regulären Straßenverkehr mehr gesundheitsschädliche Stickoxide aus als erlaubt. Stickoxide können zu Atemwegserkrankungen führen. Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt sagte der "Bild"-Zeitung, VW-Chef Martin Winterkorn habe ihm versichert, dass es in Deutschland keine Manipulationen an VW-Diesel-Fahrzeugen gebe.

Quelle: n-tv.de

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