Wirtschaft
EZB-Präsident Draghi schließt trotz rekordniedriger Zinsen weitere Zinssenkungen nicht aus.
EZB-Präsident Draghi schließt trotz rekordniedriger Zinsen weitere Zinssenkungen nicht aus.(Foto: REUTERS)

Rundum-Sorglos-Paket für Banken: Draghi denkt an nächsten Zinsschritt

Die Wirtschaft der Eurozone steckt in der Krise. Die EZB versucht gegenzusteuern - und senkt die Zinsen auf ein Rekordtief. Das muss aber noch nicht das Ende sein: EZB-Präsident Draghi ist zum weiteren "Handeln bereit". Die Marktstrategen streiten bereits. Freuen dürfen sich erst einmal die Banken.

Die Leitzinsen wurden gerade von 0,75 auf das Rekordtief von 0,5 Prozent gesenkt, da legt EZB-Präsident Mario Draghi nach: Er schließt weitere Zinsschritte angesichts der schweren Wirtschaftskrise in der Eurozone nicht aus. "Wir sind zum Handeln bereit", sagte der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB). "Wir werden uns sicher alle neuen Daten anschauen." Neben dem Leitzins wurde der Einlagesatz, zu dem Banken Geld bei der EZB parken können, unangetastet bei 0,0 Prozent belassen. Der Satz für die kurzfristige Ausleihe von Liquidität wurde von 1,5 auf 1,0 Prozent gesenkt.

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Draghi begründete dies mit der Wirtschaftskrise und der geringen Inflationsgefahr. "Die Lage am Arbeitsmarkt ist schlecht." Die pessimistischere Stimmung in der Wirtschaft habe sich zudem ausgedehnt. "Die Zinssenkung soll die Erholung im weiteren Jahresverlauf unterstützen", sagte Draghi.

Er geht davon aus, dass es in der zweiten Jahreshälfte wieder bergauf geht. "Das Exportwachstum in der Eurozone sollte von der Erholung der weltweiten Nachfrage profitieren." Auch habe sich die Lage an den Finanzmärkten seit vergangenem Sommer entspannt, was nach und nach auch die Realwirtschaft stützen dürfte. Die Konjunkturrisiken seien aber immer noch groß.

Hilfe für Banken

Die Banken in der Eurozone können sich indes noch mindestens ein Jahr lang unbegrenzt Geld bei der EZB leihen. Diese Regelung werde mindestens bis zum 9. Juli 2014 verlängert, kündigte Draghi an. Ursprünglich wäre die Rundumversorgung im Juli 2013 ausgelaufen.

Vor Ausbruch der Krise hatte die EZB lediglich so viel Liquidität ins Finanzsystem gepumpt, wie sie für richtig hielt. Dabei hatten die Banken in einem Auktionsverfahren um die Milliarden aus Frankfurt bieten müssen, wobei nicht alle Wünsche auch erfüllt wurden.

Experten streiten über Zinssenkung

"Die Zinssenkung wird nicht wirklich in Spanien oder Italien ankommen. Dort schauen die Banken vielmehr auf ihre eigenen Bilanzen und werden nun kaum mehr Kredite vergeben", sagte Chefvolkswirt Cyrus de la Rubia vo der HSH Nordbank. "Die EZB wirkt zunehmend machtlos und mit ihrem Latein am Ende. Viele irren sich, wenn sie glauben, dass die Notenbanken noch signifikant etwas zum Wirtschaftswachstum beitragen können." Er führte weiter aus: "Es liegt in der Verantwortung der Staaten, nicht der EZB, Reformen umzusetzen und Wachstum zu fördern."

Dagegen sagte der Metzler-Bank-Analyst Eugen Keller: "Die nachhaltige Bereitstellung von Liquidität durch die EZB macht dem Markt Mut, daher steigt der Dax. Die Notenbank signalisiert den Anlegern Beistand für die Peripherie und macht klar, dass sie diesen Weg auch weitergehen wird."

"Der Markt reagiert darauf, dass weitere Maßnahmen über eine Zinssenkung hinaus diskutiert wurden", so Thomas Amend, Marktstratege bei der HSBC Trinkaus: "Die Zentralbank will den Kreditzugang von kleineren und mittleren Unternehmen verbessern. Investoren hoffen, dass diese Impulse greifen und die Eurozone sich wirtschaftlich verbessert, das hilft dem Aktienmarkt und auch dem Euro."

Quelle: n-tv.de

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