Wirtschaft
Können rasch tätig werden: EZB-Chef Mario Draghi gibt sich entschlossen.
Können rasch tätig werden: EZB-Chef Mario Draghi gibt sich entschlossen.(Foto: REUTERS)

Werden ohne Zögern handeln: Draghi hält die Flinte im Anschlag

Die Europäische Zentralbank liegt weiter in Lauerstellung. Im März wollen die Geldhüter die bestehenden Risiken bewerten. Sollte die Preisstabilität in Gefahr sein, wird sofort eingegriffen.

Die Europäische Zentralbank (EZB) stellt eine weitere Lockerung der Geldpolitik in Aussicht. Bei seiner vierteljährlichen Anhörung vor dem Wirtschafts- und Währungsausschuss des Europaparlaments sagte EZB-Präsident Mario Draghi, sollten die niedrige importierte Inflation oder die jüngsten Finanzturbulenzen zu Abwärtsrisiken für die Preisstabilität führen, werde der EZB-Rat ohne zu zögern tätig werden.

Äußerungen des EZB-Präsidenten deuten darauf hin, dass die Zentralbanken erwägt, künftig auch verbriefte notleidende Kredite als Sicherheit in Refinanzierungsgeschäften zu akzeptieren. Auf die Frage nach einem möglichen Ankauf notleidender Kredite italienischer Banken sagte Draghi: "Wir kaufen gar nichts an. ... Die Frage ist, ob die notleidenden Kredite in einem bestimmten ABS-Format als Sicherheit akzeptiert werden können."

Draghi wiederholte die im Januar getroffenen Aussage, dass der EZB-Rat im März die Angemessenheit seiner geldpolitischen Ausrichtung prüfen werden. "Wir werden erstens prüfen, wie stark sich die niedrige importierte Inflation auf die heimische Lohn- und Preisentwicklung sowie die Inflationserwartungen auswirkt." Zweitens werde der Rat der Frage nachgehen, wie sich die jüngsten Marktturbulenzen auf die Fähigkeit des Finanzsektors auswirkten, die geldpolitischen Signale zu übertragen. "Sollte einer dieser Faktoren ein Abwärtsrisiko für die Preisstabilität beinhalten, werden wir ohne zu zögern tätig werden", sagte Draghi.

Inflationserwartungen zusammengestrichen?

Die EZB wird im März neue Prognosen für die Inflationsentwicklung in den Jahren 2016 bis 2018 veröffentlichen. Volkswirte erwarten wegen des anhaltenden Ölpreisrückgangs, dass diese Prognosen deutlich niedriger als noch im Dezember ausfallen werden. Die deutsche Bundesbank hat ihre Inflationsprognose für Deutschland 2016 bereits auf 0,25 Prozent von zuvor 1,1 Prozent reduziert und die für 2017 auf 1,75 von 2,0 Prozent. Zugleich hat der Ölpreisrückgang zumindest die marktbasierten Inflationserwartungen deutlich sinken lassen.

Einmal mehr nahm Draghi zudem die Politik in die Pflicht. Die ersten Wochen des Jahres hätten gezeigt, dass die Eurozone und die Europäische Union mit erheblichen Herausforderungen konfrontiert seien, sagte EZB-Präsident. "Die Investitionen bleiben schwach, da gestiegene Unsicherheiten hinsichtlich der Weltwirtschaft und weitergefasste geopolitische Risiken die Stimmung der Investoren belasten." Um die Eurozone widerstandsfähiger zu machen, seien Beiträge aller Politikbereiche erforderlich. "Die EZB steht bereit, ihren Teil zu tun."

Bankenaktien besonders anfällig

Draghi sieht den Grund für den jüngsten Absturz der europäischen Bankaktien nach eigener Aussage vor allem in der besonderen Anfälligkeit dieser Papiere für Wachstumssorgen. Er betonte aber, dass sich die Stabilität der Institute des Euroraums wegen der Reformmaßnahmen, nicht zuletzt höherer Eigenkapitalquoten, verbessert habe. Gleichwohl äußern Volkswirte die Sorge, dass die Kursverluste und niedrigere Ratings die Fähigkeit und Bereitschaft der Banken zur Kreditvergabe beeinträchtigen könnten. Das würde auch die Inflation belasten.

Die Inflation im Euroraum hatte im Januar bei 0,4 Prozent gelegen. Angesichts des anhaltenden Ölpreisrückgangs erwarten viele Ökonomen aber für die nächsten Monate negative Inflationsraten. Die EZB strebt mittelfristig knapp 2 Prozent Inflation an, wird aber ihre eigenen Inflationsprognosen im März voraussichtlich deutlich senken müssen. Damit gerät das Inflationsziel erneut weiter aus dem Blick.

Quelle: n-tv.de

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