Wirtschaft

"Gemeinsam regieren": Draghi sieht Euro-Staaten gefordert

EZB-Chef Draghi findet zum Jahreswechsel klare Worte. Die Staaten der Eurozone müssen seiner Ansicht nach Strukturreformen durchführen. Die Notenbank sei mit einer Reaktion auf Schocks in den einzelnen Ländern überfordert.

Mario Draghi fordert die Vollendung der Währungsunion.
Mario Draghi fordert die Vollendung der Währungsunion.(Foto: AP)

Der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, fordert von den Staaten der Eurozone Strukturreformen. Fehlende Reformen "erhöhen das Risiko eines Ausscheidens (aus dem Euro)", schrieb Draghi in einem Gastbeitrag für die italienische Zeitung "Il Sole 24 Ore". Die Konsequenzen eines Euro-Austritts würden letztendlich alle Euro-Staaten treffen.

Die EZB könne mit ihrer Geldpolitik, die auf Preisstabilität abziele, nicht auf Schocks in einzelnen Staaten reagieren. Die Euro-Länder müssten die Währungsunion vollenden, indem sie ihre Wirtschaftspolitik enger abstimmten und auf eine Kapitalmarktunion hinarbeiteten, forderte Draghi.

Durch eine Wirtschaftsunion steige das Vertrauen der Märkte in künftiges Wachstum und sinke die Wahrscheinlichkeit von negativen Reaktionen bei vorübergehenden Rückschlägen wie höheren Haushaltsdefiziten. "Das heißt gemeinsam regieren", schrieb Draghi. Statt Koordinierung sei ein gemeinsamer Entscheidungsprozess notwendig, statt Regeln seien Institutionen gefragt. Ein einheitlicher Kapitalmarkt mache die Eurozone auch weniger krisenanfällig. "Wie Risiken verteilt werden hängt von der Tiefe der Kapitalmärkte, insbesondere der Aktienmärkte, ab. Deshalb müssen wir schnell auf dem Weg zu einer Kapitalmarktunion vorangehen", so der EZB-Präsident.

Lagarde pocht auf Umsetzung der G20-Beschlüsse

Ins gleiche Horn blies die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde. Der Weltwirtschaft drohe eine langwierige Phase von niedrigem Wachstum, schrieb die Französin in ihrem Gastbeitrag für "Il Sole 24 Ore". Die beim G20-Treffen im australischen Brisbane beschlossenen Maßnahmen zur Ankurbelung des Wachstums müssten umgesetzt werden, forderte Lagarde.

Die 20 führenden Industrie- und Schwellenländer wollen die globale Konjunktur in den nächsten fünf Jahren um zusätzliche 2,1 Prozentpunkte anschieben, auch um Millionen neue Jobs zu schaffen, wie die Staats- und Regierungschefs bei ihrem Treffen Mitte November erklärten. Dazu sollen Anreize für Investitionen, etwa zum Ausbau der Infrastruktur, sowie der Abbau von Handelshemmnissen beitragen. "Die Geldpolitik muss weiterhin locker bleiben, während das Wachstum schwach bleibt. Wir müssen aber das Risiko möglicher Nebenwirkungen genau beobachten", schrieb Lagarde.

Quelle: n-tv.de

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