Wirtschaft
Probleme über Probleme mit dem Dreamliner.
Probleme über Probleme mit dem Dreamliner.(Foto: REUTERS)

Brandgefahr im Boeing-Flieger: Dreamliner bekommen Startverbot

Erst streichen zwei japanische Airlines nach einer Notlandung alle Flüge mit Boeings Dreamliner. Dann ziehen die USA, Europa, Japan und Indien den Pannen-Flieger aus dem Verkehr: Wegen durchgeschmorter Batterien können die Dreamliner offenbar Feuer fangen und müssen vorerst am Boden bleiben.

Nach der jüngsten Pannenserie beim Dreamliner von Boeing müssen die meisten bisher ausgelieferten 787-Maschinen am Boden bleiben. Europa, Japan und Indien schlossen sich einer entsprechenden Anordnung der US-Luftfahrtbehörde FAA an. Die US-Luftfahrtbehörde FAA hatte angeordnet, alle Dreamliner am Boden zu halten. Als Grund nannte sie das Risiko eines Feuers durch die eingebauten Batterien. Die FAA wolle der Gefahr eines Brandes vorbeugen, hieß es.

Die Fluggesellschaften müssten nachweisen, dass die Batterien sicher seien, bevor weitere Flüge erlaubt würden, teilte die FAA mit. Laut Analysten ist es das erste Mal seit 1979, dass Sicherheitsbehörden weltweit so gegen einen US-Flugzeugbauer vorgehen. Boeing-Chef Jim McNerney gab sich trotzdem zuversichtlich, dass der Dreamliner sicher ist. Man wolle so schnell wie möglich Antworten auf die Probleme finden. Die Boeing-Aktie verlor nachbörslich weitere 2 Prozent, nachdem sie im Handel bereits deutlich gefallen war.

Japans Vize-Transportminister Hiroshi Kajiyama teilte mit, es sei noch unklar, wie lange der Dreamliner am Boden gehalten werde. Der Luftfahrtsprecher der indischen Regierung nannte ebenfalls kein Datum, wann der Dreamliner wieder abheben darf. Die europäische Flugsicherheitsbehörde Easa sagte, man schließe sich den Amerikanern an.

"Höchst ernsthafter" Vorfall

Moody's teilte bereits mit, die Vorfälle seien negativ für die Kreditwürdigkeit des US-Unternehmens, würden aber noch keine Herabstufung auslösen. Die Probleme bei Boeing könnten den Wettbewerb mit Airbus beeinflussen. Die EADS-Tochter hatte vor rund einem Jahr mit ähnlichen Problemen zu kämpfen. Damals ließen ein Triebwerksbrand sowie Haarrisse in den Tragflächen das Vertrauen in den Riesen-Flieger A380 schwinden.

Das Startverbot folgte unmittelbar auf eine Notlandung eines "Dreamliners" in Japan am Mittwoch. Eine 787-Maschine musste wegen Rauchentwicklung in der Kabine in Takamatsu notlanden, nachdem eine Batterie geschmort war. Die beiden führenden japanischen Fluglinien All Nippon Airways und Japan Airlines hatten daraufhin für Mittwoch und Donnerstag alle Flüge mit dem Langstreckenjet gestrichen.

Das japanische Transportministerium beschrieb den Vorfall als "höchst ernsthaft". Damit bezeichnen Sicherheitsbehörden eine Situation, die zu einem Unfall hätte führen können. Zuvor war es bereits zu einer Reihe von Zwischenfällen mit Dreamlinern gekommen. In den vergangenen Tagen war der Airbus-Rivale mit zwei Treibstofflecks, einem Batteriefeuer, einem Kabelproblem, einer Bremsstörung sowie einem zersprungenen Cockpit-Fenster in den Schlagzeilen geraten. Wegen der Vorfälle leiteten die FAA und die japanische Zivilschutzbehörde Untersuchungen ein, die nun noch einmal ausgeweitet wurden.

Lithium-Ionen-Akkus können durchschmoren

Die FAA will nun mit Boeing und den Fluggesellschaften zusammenarbeiten, um schnellstmöglich eine Lösung für das Batterieproblem zu finden. Das könnte aber nicht ganz einfach werden: Das hochmoderne Flugzeug ist mehr noch als ältere Modelle auf Strom angewiesen. Viele hydraulische Systeme wurden durch Computersteuerungen ersetzt.

Bei den Batterien handelt es sich nach FAA-Angaben um Lithium-Ionen-Akkus. Dieser Typ wird auch in Handys, Digitalkameras oder Notebooks eingesetzt, weil er auf kleinen Raum viel Strom speichern und lange halten kann. Jedoch gab es auch bei diesen Elektronikgeräten immer wieder Fälle brennender oder schmorender Batterien.

Beim "Dreamliner" würde den Gründen für die Brandgefahr bei den Batterien gerade nachgegangen, erklärte die FAA. Sie hatte erst in der vergangenen Woche eine weitreichende Untersuchung vor allem der elektrischen und mechanischen Systeme gestartet, nachdem sich die Pannen gehäuft hatten. Die leichten Verbundwerkstoffe, aus denen der "Dreamliner" besteht, machen dagegen bislang keine Probleme.

Bislang hat Boeing 50 "Dreamliner" ausgeliefert, die Hälfte davon ging nach Japan. In Deutschland betreibt bislang keine einzige Fluggesellschaft den "Dreamliner". Air Berlin hat aber 15 Stück bestellt. Tui Travel will 13 Maschinen abnehmen. Insgesamt liegen Boeing rund 800 Bestellungen für die jeweils etwa 200 Mio. Dollar teuren Flieger vor. In Europa operiert bisher nur Polens LOT Airlines mit einem Dreamliner. Die Entwicklung des aus Leichtmaterial gebauten Vorzeigeflugzeugs war als Meilenstein der Luftfahrt gefeiert worden.

Quelle: n-tv.de

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