Wirtschaft

Sorge um Zahlungsfähigkeit: Dubai zieht Notbremse

In Dubai zieht Nebel auf.
In Dubai zieht Nebel auf.(Foto: REUTERS)

Das ehemalige Boom-Emirat Dubai hat Zweifel an seiner Zahlungsfähigkeit geweckt. Die Regierung bat die Gläubiger der Palmeninsel-Bauherren um einen Zahlungsaufschub und sorgte damit für Aufruhr an den internationalen Anleihemärkten. Die Anleger hatten sich darauf verlassen, dass das Emirat seine von der Finanzkrise ausgelösten Probleme nicht zuletzt mit Hilfe der Öl-reichen Nachbarn und Partner in den Vereinigten Arabischen Emiraten bewältigt.

Das Emirat Dubai, das Teil der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) ist, begründete seine Bitte mit der Restrukturierung der beiden Unternehmen Dubai World und Nakheel, die gemeinsam die berühmte Palmen-Insel im Meer entwickeln und bauen sollten. Die Dach-Holding Dubai World brauche Zeit für ihre Neuordnung und bemühe sich um einen Aufschub bei der Rückzahlung der Schulden bis mindestens 30. Mai 2010, teilte die Regierung mit. Das spektakuläre Großprojekt galt vor der Krise als Demonstration des ungeheuren finanziellen Potenzials des Landes mit seinen 1,2 Mio. Einwohnern. Die Rückzahlung der dafür aufgenommenen Schulden ist nun in der Kreditklemme aber auch der Lackmus-Test dafür, ob das Emirat seinen Verpflichtungen trotz des Abschwungs nachkommen kann.

Immenser Schuldenberg

Dubai World hat offiziellen Angaben zufolge Schulden im Umfang von 59 Mrd. Dollar angehäuft. Dies sind drei Viertel der gesamten Staatsschulden. Eine Anleihe über 3,5 Mrd. Dollar wird demnach am 14. Dezember fällig, eine Vereinbarung über knapp eine Mrd. Dollar am 13. Mai. Ein weiterer Immobilien-Entwickler unter dem Dach von Dubai World, Limitless, muss zum 31. März 1,2 Mrd. Dollar zurückzahlen.

(Foto: ASSOCIATED PRESS)

"Der Markt hat eine pünktliche Rückzahlung der 3,5 Milliarden Dollar erwartet", sagte Eckhart Woertz vom Golf-Forschungszentrum. Nun sei viel Vertrauen zerstört. Andere Vermögensverwalter bezeichneten das Signal aus Dubai als schockierend. "In den vergangenen Monaten gaben die aktuellen Nachrichten den Anlegern eher das Gefühl, dass Dubai aller Wahrscheinlichkeit nach seinen Verpflichtungen nachkommt", sagte Shakeel Sarwar von der Investmentbank Sico. "Das ist ein Riesending - das größte Kreditereignis auf staatlicher Seite seit dem Beginn der Krise", sagte ein Händler für Kreditversicherungen. "Es war nicht vollständig unerwartet, aber bisher lag das Scheinwerferlicht hier eher auf der Ukraine." Das osteuropäische Land taumelt seit Monaten am Rand der Zahlungsunfähigkeit, wird aber vom Internationalen Währungsfonds gestützt.

Sorge um die Nachbarn

An den Anleihemärkten schnellten die Versicherungssummen gegen einen Ausfall der Dubaier Schulden in die Höhe. So schossen die Kosten für entsprechende fünfjährige CDS-Derivate um 100 Basispunkte auf 420,6 Basispunkte. Zudem kamen Sorgen auf, dass auch benachbarte Emirate wie Abu Dhabi und Katar sowie Saudi-Arabien in ernste Zahlungsschwierigkeiten geraten könnten: Auch hier legten die Kosten für die Ausfall-Versicherungen deutlich zu. Die Turbulenzen zogen Kreise bis an die Aktienmärkte und bestätigten dort Anleger, die mit Skepsis auf die weitreichenden und langwierigen Ausläufer der Krise blicken.

Bilderserie

Dubai stiftete zudem Verwirrung mit seiner Entscheidung, sich aus einem Finanzierungsprogramm nur die Hälfte der Summe zu besorgen, die es vor wenigen Wochen angekündigt hatte. Die Regierung leihe sich bei zwei Banken in Abu Dhabi fünf Milliarden Dollar mit einer Laufzeit von fünf Jahren und zu einen Zinssatz von vier Prozent, hieß es. Erwartet worden war, dass Dubai zehn Mrd. Dollar aufnimmt und damit die zweite Hälfte des Programms gänzlich ausschöpft. Experten zeigten sich irritiert. Es sei weder klar, was Dubai mit den ersten zehn Mrd. Dollar angefangen habe, noch warum es nun auf fünf Mrd. Dollar verzichte, hieß es. "Wir haben nichts mehr gehört seit Mai, als es hieß, dass ein Teil des Geldes für eine Refinanzierung der Nakheel-Schulden genutzt worden sei", sagte Caroline Grady von der Deutschen Bank.

Quelle: n-tv.de

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