Wirtschaft
Arthur Fischer mit einer seiner populärsten Erfindungen: dem Dübel.
Arthur Fischer mit einer seiner populärsten Erfindungen: dem Dübel.(Foto: dpa)
Mittwoch, 31. Dezember 2014

Artur Fischer wird 95 Jahre alt: "Dübelkönig" hält mehr als 1100 Patente

Wie würde der Heimwerker das Regal an die Wand bringen ohne den berühmten Fischer-Dübel? Arthur Fischer hat noch viele weitere praktische Lösungen erdacht - vor allem für den Alltag. Nun feiert die Erfinder-Legende ihren 95. Geburtstag.

Daniel Düsentrieb nennen ihn manche, Dübelkönig nennen ihn andere - doch beide Vergleiche beschreiben Artur Fischer nur unzureichend. Denn während der umtriebige Erfinder aus den Disney-Comics aus rein altruistischen Motiven für Dagobert und Donald Duck tüftelt, denkt Fischer auch ans Geld. Und wer ihn auf seinen weltbekannten Dübel reduziert, verkennt die Vielfalt im Schaffen des Schwaben, der an Silvester 95 Jahre alt wird.

Die jüngste Patentveröffentlichung auf Artur Fischer ist erst wenige Tage alt. Am 10. Dezember veröffentlichte das Deutsche Patentamt den Spreizdübel mit Schraube. Eines von mehr als 1100 Patenten. Mit dieser Vielzahl an Erfindungen ist Fischer seit Langem eine Legende. Von der heutigen Welt der spezialisierten Ingenieure hebt er sich vor allem dadurch ab, dass er für verschiedene Alltagsprobleme Lösungen gesucht und gefunden hat. Und das, wie er selbst sagte, auch immer mit dem Gedanken ans Geschäft.

Der Heimat treu geblieben

Das Spielzeug "Tip" ist multifunktional: Man kann es schneiden, kleben, knautschen und sogar essen.
Das Spielzeug "Tip" ist multifunktional: Man kann es schneiden, kleben, knautschen und sogar essen.(Foto: picture-alliance / dpa)

So war es von früh an im Leben des am Silvestertag 1919 in Tumlingen im Schwarzwald geborenen Fischer. Der Sohn des Dorfschneiders, der bis heute in seiner Heimatregion lebt, fing mit dem Erfinden schon als Schulbub an. Gegenüber der "Zeit" erinnerte er sich mal daran, wie er als Schüler ein Aquarium baute - für die Heizung besorgte er sich beim Apotheker Röhren. Er habe den Preis um die Hälfte heruntergehandelt. "Das war meine erste kaufmännische Handlung."

Nach dem Zweiten Weltkrieg begann das Geschäft für den gelernten Schlosser so richtig. Weil es kaum Streichhölzer gab, konstruierte er 1948 einen elektrischen Feueranzünder. Gegen Butter, Eier oder Speck tauschte den seine Frau ein.

Der erste Massenerfolg für den Erfinder und Unternehmer war ein Blitzgerät für Fotoapparate, das die feuergefährlichen Pulverblitze ablöste. Agfa gab dem jungen Unternehmer einen Großauftrag zum Bau des von ihm erfundenen Blitzgeräts, das mit dreizehn Millionen verkauften Geräten ein gigantischer Erfolg wurde.

Die Geburtsstunde des Dübels

"Man muss den Mut haben, das umzusetzen, was man für richtig hält", sagte Fischer schon vor Jahren dem "Manager Magazin". Mit dieser Maxime gelang ihm 1958 seine mit Abstand bedeutendste Erfindung, der Fischer-Dübel. Fischer war nicht der erste, der mit Dübeln für den Halt von Schrauben in Wänden und Decken sorgen wollte. Aber er war der Erste, der auf das damals neue Material Nylon setzte. "Das kostete viermal so viel wie billigere Werkstoffe, aber ich wusste sofort: Das ist das Richtige für meine Zwecke."

Pro Tag stellen die Fischer-Werke heute 14 Millionen Dübel her und verkaufen sie in alle Welt. Mit dem Tagesgeschäft hat Artur Fischer schon lange nichts mehr zu tun. An Neujahr 1980 übergab er seine Firma an seinen Sohn Klaus, der das Unternehmen internationalisierte und den Umsatz vervielfachte.

Dennoch ist in der Familie Fischer kein eitler Sonnenschein: Der Übergang von Vater auf Sohn geriet holprig. Und mit dem zweiten Kind, Tochter Margot, liegt der Patriarch seit Jahren im Clinch. Sie fühlt sich beim Erbe hintergangen und rächt sich nach mehreren verlorenen Prozessen auf einer eigenen Internetseite.

Ein dunkles Kapitel für den in diesem Jahr für sein Lebenswerk mit dem Europäischen Erfinderpreis ausgezeichneten Fischer. Und auch eines, das so gar nicht zu dem Kindern zugeneigten Bild des Erfinders passen mag. Denn Artur Fischer tüftelte auch immer wieder mit großer Leidenschaft für die Kleinsten. Seine Bausätze mit Fischertechnik sind legendär. Auch das Fischer-"Tip", essbare Bausteinchen aus Kartoffelstärke, hat viele junge Fans. "Wer erfindet, kann Kind bleiben", sagt Fischer - vielleicht ist das das Geheimnis, wie er sich bis ins Methusalem-Alter die Tatkraft erhalten hat.

Quelle: n-tv.de

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