Wirtschaft
Rote Ampel vor der Deutschen Bank. Im Kirch-Streit geht es zur Zeit weder vor noch zurück. Es steht Aussage gegen Aussage.
Rote Ampel vor der Deutschen Bank. Im Kirch-Streit geht es zur Zeit weder vor noch zurück. Es steht Aussage gegen Aussage.(Foto: picture alliance / dpa)

Geheimprojekt "Barolo" zur Kirch-Zerschlagung: E-Mail belastet Deutsche Bank schwer

Der Dauerclinch zwischen Deutscher Bank und Kirch-Erben gerät immer mehr zu einem Krimi. Eine Zeitung zitiert jetzt elf Jahre alte Bank-Dokumente, die belegen sollen, dass sie den Medienkonzern Kirch doch aufspalten wollte. Das Institut hat das immer bestritten.

Seit Tagen geht es Schlag auf Schlag: Einem Zeitungsbericht zufolge gibt es jetzt neue interne Dokumente der Deutschen Bank, die das Finanzinstitut und ihren Ex-Chef Rolf Breuer im Kirch-Streit durchaus schwer belasten könnten. Erst am Vortag hatte sich der Fall in einem völlig anderen Licht dargestellt. Die Deutsche Bank bekam unerwartet Oberwasser, als ein Gericht in einem anderen Verfahren zu dem Schluss kam, dass die Kirch-Gruppe bereits 2001 insolvenzreif war, was der Argumentation der Bank entspricht.

Die neuen Unterlagen werfen jedoch wieder ein neues Schlaglicht auf den Kirch-Fall. Die "Süddeutsche Zeitung" zitiert aus einer E-Mail der Londoner Investmentabteilung der Deutschen Bank von Ende Januar 2002, die laut Verteiler auch an Breuer ging. Demnach gab es damals in der Bank ein Geheimprojekt mit Namen "Barolo", bei dem es konkret darum ging, den Film- und TV-Konzern des Magnaten Leo Kirch aufzuspalten. Große Teile wie die Formel 1 und die Anteile am Springer-Verlag sollten danach unter Mitwirkung der Bank verkauft werden, um ein Überleben der finanziell angeschlagenen Kirch-Gruppe zu ermöglichen - die Deutsche Bank hätte daran gut verdient.

Deutsche Bank: Keine Zerschlagung geplant

In dem Schadensersatzprozess, den der 2011 verstorbene Kirch gegen die Bank begonnen hatte und der von seinen Erben fortgesetzt wird, hatten Breuer und die Bank jedoch immer behauptet, sie hätten nie vorgehabt, Kirchs Mediengruppe zu zerschlagen, um daran zu verdienen.

Schadensersatzansprüche wegen des TV-Interviews, in dem Breuer am 4. Februar 2002 die Kreditwürdigkeit des Deutsche-Bank-Kunden Kirch angezweifelt hatte, seien deshalb nicht gerechtfertigt. Gut zwei Monate später, Anfang April, hatte KirchMedia als erste Gesellschaft des angeschlagenen Medienkonzerns Insolvenz anmelden müssen. Deshalb forderten Kirch - und nach seinem Tod seine Erben - Schadenersatz von der Deutschen Bank.

Die Münchner Staatsanwaltschaft ermittelt derzeit auch wegen versuchten Prozessbetrugs gegen das Geldinstitut und fünf seiner Manager. Neben Breuer wird gegen dessen Nachfolger Josef Ackermann, zwei weitere Ex-Vorstände und gegen Jürgen Fitschen, einen der beiden heutigen Chefs, ermittelt. Nach Angaben der Zeitung bereitet die Staatsanwaltschaft eine Anklage vor, wolle aber den fünf Beschuldigten noch die Möglichkeit geben, dazu persönlich auszusagen und habe ihnen konkrete Vernehmungstermine im Januar 2014 angeboten.

Bank-Chef Fitschen entlastet

Nach Einschätzung von Verfahrensbeteiligten würden einige der Beschuldigten durch die Aktenlage entlastet, darunter Fitschen, heißt es weiter. Sie hätten, anders als Breuer, damals nichts von "Barolo" gewusst, schreibt das Blatt. Die Dokumente waren von der Staatsanwaltschaft bei Durchsuchungen sichergestellt worden. Die Deutsche Bank wollte sich nicht zu dem laufenden Verfahren äußern.

Quelle: n-tv.de

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