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Nach dem gescheiterten Deal mit BAE Systems gibt es Gespräche über eine Fusion mit dem Rüstungsriesen Finmeccanica.
Nach dem gescheiterten Deal mit BAE Systems gibt es Gespräche über eine Fusion mit dem Rüstungsriesen Finmeccanica.(Foto: picture alliance / dpa)

Wieso blockierte Deutschland Deal?: EADS wollte Forderungen erfüllen

Es ist ihnen ernst. EADS und BAE System wollen fusionieren. Doch der Mega-Deal misslingt. Die Bedenken der Politik sind zu groß. Jetzt kommt raus: Die Konzerne erfüllten fast alle Forderungen der Bundesregierung - und trotzdem scheiterte das Geschäft

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Die Fusion zwischen dem europäischen Luft- und Raumfahrtkonzern EADS und dem britischen Rüstungsunternehmen BAE Systems ist nach Informationen der "Welt am Sonntag" gescheitert, obwohl EADS Forderungen der Bundesregierung in Berlin weitgehend erfüllen wollte. Der EADS-Konzern habe auf nahezu alle Forderungen eingehen wollen, die das Bundeskanzleramt in einer Liste vom 28. September zusammengestellt hatte, berichtet die Zeitung in ihrer jüngsten Ausgabe. Dies habe jedoch nicht für den Punkt "Operational Group Headquarters" im bayerischen Ottobrunn gegolten.

Signalisierte Zustimmung zu fast allen Forderungen aus der Politik: EADS-Chef Enders.
Signalisierte Zustimmung zu fast allen Forderungen aus der Politik: EADS-Chef Enders.(Foto: picture alliance / dpa)

Der Forderungskatalog trug dem Zeitungsbericht zufolge den Titel "Requirements for Federal Goverment approval". Er sei zweieinhalb Monate nach dem Datum erstellt worden, zu dem die Bundesregierung über das Fusionsvorhaben informiert wurde. Die Fusion dürfe keine negativen Auswirkungen auf Standorte und Beschäftigung haben, fordert die Bundesregierung demnach. Bestimmte sicherheitskritische Technologien sollten unter deutscher Aufsicht bleiben. Im Aufsichtsrat sowie dem Vorstand des Unternehmens sollte Deutschland ausgewogen vertreten sein.

Die Forderungsliste sei EADS nicht direkt von der Bundesregierung zugestellt worden, heißt es in der "WamS" weiter. Sie habe sich an die französische Regierung gerichtet. EADS-Chef Tom Enders habe aber am 2. Oktober dazu Stellung genommen und Zustimmung in fast allen Punkten signalisiert. Statt des Headquarters mit einem Büro des Vorstandschefs und Stabsabteilungen für Finanzen, Strategie und Personal in Ottobrunn habe EADS jedoch geplant, dass der fusionierte Konzern seinen Sitz in Toulouse haben sollte. Die Rüstungssparte wäre vom Sitz von BAE Systems in London aus gesteuert worden.

"Politik soll sich heraushalten"

Am 10. Oktober beendeten EADS und BAE Systems die Verhandlungen über eine Fusion. Die Fusionsverhandlungen wurden von Streit zwischen Deutschland, Frankreich und Großbritannien unter anderem über staatliche Beteiligungen blockiert. Die deutsche Seite hatte Einfluss über den Daimler-Konzern als Miteigner von EADS und über EADS-Anteile, die zum Beispiel von der staatlichen Förderbank KfW und mehreren Landesbanken gehalten werden.

Kritik an der geplatzten Fusion gibt es auch aus der Politik. "Ich halte das für sehr problematisch. Die Ursachen für das Scheitern liegen in Berlin und gewiss nicht in München", sagte Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel". "Ich bin der Meinung, dass sich die Politik aus dem strategischen und operativen Geschäft von Unternehmen herauszuhalten hat", sagte Seehofer. Er habe darauf vertraut, dass EADS-Chef Enders im Falle einer Fusion auf die deutschen Standorte achte. Deren Zukunft sei aber dann am größten, wenn EADS eine gute Zukunft habe. "Mich hat Enders' Argument überzeugt, dass der Konzern eine gewisse Größe braucht, um auf dem Weltmarkt zu bestehen", sagte Seehofer.

Verteidigungsminister Thomas de Maizière hatte nach dem Scheitern der Fusion vor einseitigen Schuldzuweisungen gewarnt. Neben der Politik hätten sich auch die meisten der nicht-öffentlichen Anteilseigner kritisch zur Verschmelzung der beiden Luftfahrt- und Rüstungskonzerne geäußert, hatte der Minister gesagt.

Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler sagte dem "Spiegel": "Unter den von den Unternehmen vorgeschlagenen Konditionen hätte eine Fusion weder den Technologiestandort Deutschland noch das Unternehmen insgesamt nach vorn gebracht."

Quelle: n-tv.de

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