Wirtschaft
Die EU legt Gespräche über die Gaspipeline South Stream auf Eis. Sie soll eigentlich ab 2015 Gas von Anapa, Russland, durchs Schwarze Meer nach Griechenland, Italien und Österreich transportieren.
Die EU legt Gespräche über die Gaspipeline South Stream auf Eis. Sie soll eigentlich ab 2015 Gas von Anapa, Russland, durchs Schwarze Meer nach Griechenland, Italien und Österreich transportieren.(Foto: picture alliance / dpa)

Gas aus Amerika statt Russland: EU ordnet Energieversorgung neu

Mit der Krise in der Ukraine wächst die Sorge, ob die Energieversorgung in Europa noch gesichert ist. In Zukunft will die EU weniger auf russisches Öl und Gas angewiesen sein. Es gibt konkrete Ideen, wie man sich abnabeln kann.

Angesichts der anhaltenden Spannungen in der Ukraine drohen europäische Politiker Russland mit Folgen im Energiemarkt. Europäische und amerikanische Politiker werden Verhandlungen über höhere US-Exporte nach Europa aufnehmen, sagte Großbritanniens Außenminister William Hague an. EU-Energiekommissar Günther Oettinger kündigte zudem an, dass die Gespräche über Gaspipelines mit Russland verzögert werden würden.

Westliche Politiker senden damit ein klares Signal nach Moskau, dass der Krim-Konflikt langfristige wirtschaftliche Konsequenzen für Russland nach sich ziehen könnte. Erste leichte Sanktionen gegen Moskau hat Europa bereits beschlossen. Einige Politiker geben allerdings auch Folgen der Maßnahmen zu bedenken. Sie könnten wie ein Bumerang zurückkommen, weil die beiden Länder wirtschaftlich eng miteinander verflochten sind.  

Neben Gasexporten aus den USA nach Europa gibt es nach den Worten Hagues auch Argumente für Investitionen in den Bau von Gas-Pipelines, mit denen Russland umgangen werden könne. Als Beispiel führte er in einem Interview mit dem Sender BBC das Energie-Projekt in Baku an, mit dem Gas aus Aserbaidschan via Pipelines direkt nach Europa transportiert wird. Mit Projekten wie diesen reduziert der Kontinent seine Abhängigkeit von russischem Gas.

Sollte es keine diplomatische Lösung im Krim-Konflikt geben, so Hague, würden europäische Staaten ihre Verbindungen zu Russland bei ökonomischen und energiepolitischen Themen im Laufe der Zeit überdenken und umgestalten. Großbritannien kauft etwa 1 Prozent des Erdgasbedarfs von Russland, diese geringe Menge könne leicht ersetzt werden. Andere Staaten kauften allerdings mehr als ein Drittel ihres Verbrauchs, für diese Länder werde es schwieriger. Deutschland führt rund 35 Prozent des Erdgas-Verbrauchs aus Russland ein.

Gespräche über Pipelines auf Eis

Als weitere Maßnahme kündigte EU-Energiekommissar Günther Oettinger an, er werde die Verhandlungen über eine geplante weitere Gaspipeline von Russland in die EU in die Länge ziehen. "Unsere Gespräche über Pipelines wie South Stream beschleunige ich derzeit nicht. Sie werden sich verzögern", sagte Oettinger der Zeitung "Die Welt". Gleichzeitig sieht der EU-Energiekommissar keine Gefahr, dass Russland wegen des aktuellen Konfliktes die Gaslieferungen in die EU drosseln oder gar einstellen wird: "Ich gehe nicht davon aus, dass die Russen ein Interesse daran haben."

Oettinger warnte aber vor Folgen der Russland-Sanktionen auf die europäische Konjunktur. "Angesichts der engen wirtschaftlichen Verflechtungen zwischen EU und Russland besteht die Gefahr, dass die zarte Erholung der europäischen Wirtschaft beeinträchtigt wird."

Die EU-Staats- und Regierungschefs haben sich zunächst geeinigt, die Gespräche über Visa-Erleichterungen und ein neues EU-Russlandabkommen auf Eis zu legen. Sie haben aber auch mit Reisebeschränkungen und dem Einfrieren von Konten gedroht. Als weitere Maßnahme gegen Russland könnten Großbritannien und andere Mitglieder der G8 auch das nächste Treffen in Sotschi im Juni absagen. London und andere Länder haben bereits ihre Vorbereitungen zu dem Treffen unterbrochen. Zu den Ländern der Gruppe der Acht zählen die USA, Großbritannien, Japan, Deutschland, Kanada, Frankreich, Italien und Russland.

Lesen Sie zur aktuellen Lage in der Ukraine den Liveticker.

Quelle: n-tv.de

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