Wirtschaft

Wird Diesel teurer als Benzin?: EU plant neue Besteuerung

Die Autofahrer müssen sich auf einen höheren Dieselpreis einstellen. Die EU-Kommission will Diesel künftig im Verhältnis zum Benzin deutlich verteuern und dazu den europäischen Mindeststeuersatz für Diesel entsprechend anheben. Kommt der Vorschlag durch, würde sich der Liter Diesel um fast 30 Cent verteuern. Jedoch müssen alle EU-Staaten zustimmen.

Der Liter Diesel könnte um fast 30 Cent teurer werden.
Der Liter Diesel könnte um fast 30 Cent teurer werden.(Foto: picture alliance / dpa)

Auf die Autofahrer könnten nach dem Willen der EU-Kommission erhebliche Mehrkosten zu kommen. Die Kommission will Diesel künftig im Verhältnis zum Benzin deutlich verteuern und dazu den europäischen Mindeststeuersatz für Dieselkraftstoff entsprechend anheben, berichtet die "Frankfurter Allgemeine Zeitung". Nach dem Vorschlag des verantwortlichen Kommissars Algirdas Semeta sollen alle in der EU verwendeten Kraft- und Heizstoffe fortan nicht mehr nach der Menge besteuert werden, sondern nach dem Energiegehalt. Biokraftstoffe etwa hätten bisher oft einen geringeren Energiegehalt als klassische Treibstoffe. Eine Besteuerung nach der Menge würde sie im Vergleich zu Diesel und Benzin diskriminieren.

Hinzu soll ein Aufschlag für die beim Verbrauch erzeugten Kohlendioxidemissionen kommen. Nach Berechnungen der EU-Kommission und der Automobilbranche müsste der Mindeststeuersatz für Diesel etwa 17 Prozent über dem von Benzin liegen. Momentan liegt er hierzulande stark darunter.

Inwieweit der Vorschlag der Kommission Aussicht hat, umgesetzt zu werden, ist offen. Die EU-Staaten müssen Steuervorschläge einstimmig annehmen. Zwar haben die skandinavischen Mitgliedstaaten Zustimmung signalisiert, in anderen Staaten gibt es aber Vorbehalte. Auch Deutschland hat bisher eine Kohlendioxidsteuer bisher stets abgelehnt.

Würde der Vorschlag angenommen, ergäben sich daraus zwei Möglichkeiten für die Verbraucher: Entweder der Benzinpreis müsste sich drastisch nach unten bewegen, oder aber Diesel würde nach der bisherigen Kostenentwicklung um nahezu 30 Cent pro Liter verteuern.

Automobilverband: EU ignoriert Klimaschutzziele

Mit der Neuregelung wäre der Kostenvorteil beim Betanken von Dieselfahrzeugen aufgehoben.
Mit der Neuregelung wäre der Kostenvorteil beim Betanken von Dieselfahrzeugen aufgehoben.(Foto: picture alliance / dpa)

Der Verband der Automobilindustrie (VDA) wirft der Kommission vor, historische Entwicklungen in Deutschland zu ignorieren und ihre Klimaschutzpolitik mit dem Vorschlag zu konterkarieren. Gerade in der Dieseltechnik habe die deutsche Automobilbranche gravierende Fortschritte gemacht, um den Treibhausgasausstoß zu senken. Das gefährde die Kommission.

Nach Angaben des VDA waren im ersten Quartal 45,6 Prozent aller Neuzulassungen Diesel-Fahrzeuge. Bei den deutschen Herstellern lag der Anteil mit 51,1 Prozent noch höher. Diesel-Fahrzeuge sind in der Anschaffung teurer als Benziner, aber wegen ihrer höheren Effizienz und dem geringeren Preis, insgesamt betrachtet, oft günstiger.

Schon jetzt enorme Kosten

Öl ist derzeit so teuer wie seit zweieinhalb Jahren nicht mehr. Ein Barrel der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Mai kostete am Freitag zeitweilig schon mehr als 124 Dollar je Barrel (159 Liter). Das ist der höchste Stand seit August 2008. Auch der Preis für US-Öl steigt weiter und liegt bereits deutlich über 111 Dollar je Fass. Innerhalb eines Jahres sind die Ölpreise damit für Brent um mehr als 40 Prozent, für US-Rohöl um gut ein Viertel gestiegen.

Die Verbraucher müssen beim Benzin und Heizöl somit immer tiefer in die Tasche greifen. Benzin kostet inzwischen an Tankstellen hierzulande im Schnitt 1,57 Euro je Liter, Diesel 1,47 Euro. Das ist noch knapp unter den Höchstständen vom Sommer 2008. Für die vom Öl abhängigen Wirtschaftszweige werden die höheren Preise zunehmend zur Belastung.

Die meisten Wirtschaftsforschungsinstitute, Banken und Branchenkenner waren zum Jahreswechsel noch davon ausgegangen, dass der Ölpreis 2011 aufs Jahr bezogen zwischen 70 bis 90 Dollar je Barrel liegen wird.

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Quelle: n-tv.de

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