Wirtschaft

37 Prozent Gewinn mit Gold: EZB deckt Bestände auf

Im Schatten des Stabwechsels an der Spitze der Bundesbank erreicht der Jahresbericht der Europäischen Zentralbank die Fachöffentlichkeit. Ein Ergebnis: Der Wert der Gold-Reserven schwillt mit den Marktpreisen kräftig an.

Hat bald ein paar Sorgen weniger: EZB-Chef Jean-Claude Trichet scheidet im Herbst aus dem Amt.
Hat bald ein paar Sorgen weniger: EZB-Chef Jean-Claude Trichet scheidet im Herbst aus dem Amt.(Foto: REUTERS)

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat 2010 von dem schwächelnden Euro profitiert und den Wert ihrer Devisenreserven gesteigert. Insgesamt hielt die EZB Ende 2010 Reserven im Wert von 60,6 Mrd. Euro, wie aus dem Jahresbericht der Notenbank hervorgeht. 43,2 Mrd. Euro davon entfallen auf die Devisenbestände, also US-Dollar und Yen. Im Jahr zuvor beliefen sich die EZB-Devisenreserven auf 51 Mrd. Euro.

Der Anteil des Dollar gab im vergangenen Jahr etwas nach: Die US-Währung machte 76 Prozent der gesamten Reserven aus, nach 78,5 Prozent 2009. Die Yen-Bestände stiegen zugleich auf 24 Prozent nach 21,5 Prozent im Jahr zuvor.

"Der Wertgewinn des Währungsreserveportfolios war vorwiegend auf die Aufwertung des japanischen Yen (um 22,6 Prozent) und des US-Dollar (um 7,8 Prozent) gegenüber dem Euro im Lauf des Jahres zurückzuführen", schrieben die Notenbanker. Am Devisenmarkt intervenierte die EZB demnach nicht.

Mit dem Gold der Esten

Das Gold und die Sonderziehungsrechte des Internationalen Währungsfonds (IWF) in den Beständen der Notenbank hatten Ende 2010 einen Wert von 17,4 Mrd. Euro, nach 12,7 Mrd. Euro im Vorjahr. Ihre Bestände habe die Notenbank dabei nicht aufgestockt, sondern vom Wertzuwachs bei Gold um 37 Prozent profitiert, erklärte sie. Erst Anfang 2011 wurden die Goldreserven erhöht, als die estnische Zentralbank ihre Bestände bei der EZB einbrachte. Estland gehört seit diesem Jahr zur Euro-Zone.

Die Angaben zu den Reserven an Gold und Devisen interessieren Analysten weit weniger als die im EZB-Bericht ebenfalls enthaltenen Hinweise zur Lage im europäischen Finanzsektor: Wie aus dem Jahresbericht hervorgeht, hinterlegen die Banken in der Eurozone für Notenbankkredite immer mehr Staatsanleihen als Sicherheit. Zugleich blieben sie 2010 weiter stark von der Finanzierung durch die Notenbank abhängig.

Immer mehr Bonds im Depot

Der Wert der bei der EZB hinterlegten Sicherheiten lag mit 2,01 Billionen Euro nur wenig unter dem Rekordwert, der 2009 erreicht wurde. Nicht zuletzt wegen der Schuldenkrise in einigen Euro-Staaten legte der Anteil der Staatsanleihen an den gesamten Sicherheiten zu: 13 Prozent der hinterlegten Wertpapiere entfallen auf Staatstitel.

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Eigentlich können nur Staatsanleihen mit einer bestimmten Bonitätsnote bei der EZB hinterlegt werden. In der Schuldenkrise hat die Zentralbank aber Ausnahmen für Griechenland und in diesem Jahr auch Irland beschlossen und akzeptiert von diesen beiden krisengeplagten Euro-Staaten nun alle Staatsanleihen unabhängig von ihrer Bewertung. Weil die Papiere zum Teil deutlich an Wert verloren haben, können sie am Markt ohne Verluste kaum verkauft werden, sondern fast nur noch als Sicherheit für Zentralbank-Geld eingesetzt werden.

Billionenschwere Altlasten

Deutlich wichtiger als Staatsanleihen sind jedoch nach Einschätzung von Experten die sogenannten Asset Backed Securities (ABS): Fast ein Viertel der gesamten Bank-Sicherheiten bei der EZB entfallen auf diese forderungsbesicherten Wertpapiere, die in der Finanzkrise 2008/2009 für Turbulenzen verantwortlich gemacht wurden.

An zweiter Stelle stehen ungedeckte Bankschuldverschreibungen und nicht marktfähige Finanzinstrumente. Insgesamt beziffert die EZB den Wert der als notenbankfähig eingestuften Sicherheiten auf 14 Billionen Euro, das sind 7 Prozent mehr als im Vorjahr.

Die Nachfrage der Banken ging dagegen zurück. Insgesamt liehen sich die Kreditinstitute im Schnitt 133,8 Mrd. Euro bei der EZB, nach 149,8 Mrd. Euro im Vorjahr.

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Quelle: n-tv.de

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