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Draghi überrascht alle: EZB senkt Leitzins

Völlig unerwartet dreht die Europäische Zentralbank an der Zinsschraube. Gleichzeitig warten die Anleger nun gespannt auf die Äußerungen von EZB-Präsident Draghi. Schießt er geldpolitische Maßnahmen im Kampf gegen deflationäre Tendenzen noch hinterher?

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat den Leitzins im Euroraum auf 0,05 Prozent gesenkt. Das beschloss der EZB-Rat, wie die Notenbank mitteilte. Damit reagieren die Währungshüter auf die sehr niedrige Inflation. Niedrige Zinsen verbilligen tendenziell Kredite und Investitionen und kurbeln so die Wirtschaft an. Das stärkt den Preisauftrieb. 

Im August drückten sinkende Energiepreise die Inflation im Euroraum auf 0,3 Prozent - den niedrigsten Stand seit Oktober 2009. Der Wert liegt seit Monaten deutlich unterhalb der Zielmarke der EZB von knapp unter zwei Prozent. Zudem stagnierte die Wirtschaftsleistung der Länder in der Eurozone stagnierte im Frühjahr.

Wie schätzt EZB-Präsident Draghi die Situation derzeit ein?
Wie schätzt EZB-Präsident Draghi die Situation derzeit ein?(Foto: picture alliance / dpa)

Der geringe Preisauftrieb schürt Sorgen vor einer Deflation, also einer Abwärtsspirale der Preise quer durch alle Warengruppen. Unternehmen und Verbraucher könnten dann Investitionen und Anschaffungen in der Erwartung weiter sinkender Preise hinauszögern. Das würde die fragile Konjunkturerholung in Europa abwürgen.

Der Schritt kommt überraschend. Die Mehrzahl der Experten hatte statt eines zins- weitere geldpolitische Maßnahmen erwartet.

Was sagt Draghi?

Die EZB hatte im Juni nämlich nicht nur den Leitzins auf das Rekordtief von 0,15 Prozent gesenkt und erstmals einen Strafzins für Banken beschlossen, die Geld lieber bei der EZB parken statt es an Unternehmen und Verbraucher zu verleihen. Die Notenbank will die schleppende Kreditvergabe in vielen der 18 Euro-Länder auch ankurbeln, indem sie Banken mit neuen Geldspritzen versorgt.

Noch in diesem Jahr sollen bis zu 400 Milliarden Euro fließen. Um die Konjunktur zu stimulieren und die aus EZB-Sicht zu niedrige Inflation anzuheizen, ist zudem seit längerem ein Programm zum massenhaften Aufkauf von Kreditverbriefungen - sogenannten ABS (Asset Backed Securities) - im Gespräch. Einige Ökonomen rechnen damit, dass Draghi versuchen dürfte, mit einem solchen Schritt die von ihm selbst geschürten Erwartungen an den Finanzmärkten zu befriedigen. Ob er schon mit Details, etwa zum Volumen oder zur Laufzeit, aufwartet, ist unklar.

Quelle: n-tv.de

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