Wirtschaft
Der neue Sitz der Europäischen Zentralbank in Frankfurt/Main.
Der neue Sitz der Europäischen Zentralbank in Frankfurt/Main.(Foto: dpa)

Kauf von Staatsanleihen möglich: EZB spielt auf Zeit

Mario Draghi will Anfang 2015 neue Geschütze im Kampf gegen die drohende Deflation auffahren. Die EZB könnte dann auch Staatsanleihen aufkaufen. Denn Draghi hat ein ehrgeiziges Ziel: Er will die derzeitige Inflation mehr als versechsfachen.

EZB-Präsident Mario Draghi hat für Anfang kommenden Jahres eine Entscheidung über neue geldpolitische Maßnahmen im Kampf gegen die drohende Deflation angekündigt. Dann solle bewertet werden, wie die bisher eingesetzten Instrumente gewirkt hätten, sagte der Italiener.

Deflation

Unter Deflation versteht man den Rückgang der Preise für Waren und Dienstleistungen. Üblicherweise entsteht Deflation, wenn die Nachfrage in einer Volkswirtschaft kleiner ist als das Angebot.

Eigentlich wirken sich Preissenkungen positiv auf das Befinden einer Gesellschaft aus. Beruhen sie jedoch auf fehlender Nachfrage, führen sie langfristig zu Wirtschaftskrisen und wachsender Arbeitslosigkeit. Wenn niemand mehr die Produkte einer Firma kauft, wird diese weniger investieren und versuchen, Kosten zu sparen - zum Beispiel mit Entlassungen. Mit wachsender Arbeitslosigkeit wird jedoch noch weniger konsumiert und die Unternehmen müssen noch mehr sparen.

Das gängigste geldpolitische Mittel zur Bekämpfung von Deflation sind niedrige Zinsen seitens der Zentralbanken.

Der EZB-Rat sei zu zusätzlichen unkonventionellen Maßnahmen bereit, sollten sie notwendig sein. "Dies würde bedeuten, Anfang nächsten Jahres Größe, Tempo und Zusammensetzung unserer Maßnahmen zu verändern", so Draghi. Es wird damit gerechnet, dass die Europäische Zentralbank (EZB) künftig auch Staatsanleihen kaufen wird.

Die Inflation in den 18 Ländern der Währungsunion war im November nur noch um 0,3 Prozent gestiegen. Die EZB peilt knapp unter zwei Prozent an, auf diesem Niveau sieht sie Preisstabilität gewährleistet.

Sinken die Preise auf breiter Front, kann das im schlimmsten Fall dazu führen, dass Verbraucher Kaufentscheidungen verschieben und Unternehmen nicht in neue Anlagen und Maschinen investieren. Dadurch entsteht ein für eine Volkswirtschaft giftiger Cocktail.

Unruhe an der Börse

Unterdessen senkte die EZB ihre Inflations- und Wachstumsprognosen erneut. Die Teuerungsrate in der Euro-Zone werde 2015 mit 0,7 Prozent und 2016 mit 1,3 Prozent geringer als noch im September erwartet ausfallen, hieß es in den aktuellen Projektionen der EZB-Ökonomen. Bislang waren 1,1 und 1,4 Prozent erwartet worden. Als Begründung nannte Draghi vor allem den gesunkenen Ölpreis. Für das zu Ende gehende Jahr wird eine Inflationsrate von 0,5 (bisher 0,6) Prozent erwartet.

Auch für das Wirtschaftswachstum sind die Experten pessimistischer. Die Prognose für 2015 wurde von 1,6 auf 1,0 Prozent gesenkt, für 2016 von 1,9 auf 1,5 Prozent. Im zu Ende gehenden Jahr sollen es 0,8 (bisher 0,9) Prozent sein. "Die schwache Wachstumsdynamik haben gemeinsam mit den hohen geopolitischen Risiken das Potenzial, das Vertrauen und vor allem die privaten Investitionen zu drücken", sagte Draghi.

An der Börse sorgten die Aussagen Draghis für Unruhe: Nachdem der Dax zunächst auf ein neues Allzeithoch bei 10.083,68 Punkten gestiegen war, fiel er wieder zurück. Am frühen Nachmittag verlor der Leitindex  0,7 Prozent auf 9900 Punkte. Dazu passte auch der Anstieg des Euro, der auf knapp 1,24 Dollar zulegte.

Börsainer sagen, dass die Erwartungen hochgespannt waren. Bei der ersten Erwähnung des Wortes "Staatsanleihen" dürften Computerhändler den Markt gekauft und auf ein neues Allzeit-Hoch getrieben haben. Die Ernüchterung sei dann auf dem Fuße gefolgt, als man EZB-Chef Draghi tatsächlich zugehört habe.

Bilderserie

Quelle: n-tv.de

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