Wirtschaft
Die EZB strebt eine Inflationsrate von knapp unter zwei Prozent an.
Die EZB strebt eine Inflationsrate von knapp unter zwei Prozent an.(Foto: REUTERS)

Die Milliarden fließen: EZB startet neue Geldschwemme

Von Jan Gänger

Um die Inflation anzuheizen, kaufen die Notenbanken im Euroraum nun Monat für Monat Staatsanleihen im Milliardenvolumen. Ob die Maßnahmen die gewünschte Wirkung zeigen, ist umstritten. Doch EZB-Chef Draghi gibt sich zuversichtlich.

In Kürze beginnt die Europäische Zentralbank (EZB) mit ihrem großangelegten Kauf von Staatsanleihen. 60 Milliarden Euro will die Notenbank ab März auf diesem Weg in die Märkte pumpen - pro Monat. Das Programm soll mindestens bis September 2016 laufen, kann aber bei Bedarf verlängert werden. Mit dem Schritt will die EZB die Wirtschaft im Euroraum ankurbeln und die niedrige Inflation erhöhen.

So sieht der Plan aus: Die Zentralbanken kaufen den Geschäftsbanken Staatsanleihen ab. Die reichen das Geld dann in Form von Krediten an Unternehmen und Verbraucher weiter. Das soll Investitionen und Konsum anschieben und so die Konjunktur in Schwung bringen.

Kritiker bemängeln, dass das nicht funktionieren wird. Sie sagen voraus, dass von dem Geld nur wenig in der Realwirtschaft ankommen wird. Ihr Argument: Die Banken horten das billige Geld lieber oder stecken es in die Aktienmärkte. Schließlich hat die EZB den Banken schon mehr als eine Billion Euro geliehen – mit dem geschilderten Resultat.

Andere halten den Umfang der Geldspritze dagegen für viel zu gering. Sie verweisen auf die US-Notenbank Fed, die in sechs Jahren US-Bonds Anleihen im Volumen von knapp 3,5 Billionen Dollar gekauft hat.

Vor allem von deutscher Seite kommt Kritik. Sie zielt in eine weitere Richtung: Hierzulande wird bemängelt, dass bei der Zahlungsunfähigkeit eines Eurolandes die Steuerzahler anderer Länder für einen Teil der Schulden haften. Die nationalen Zentralbanken kaufen auf eigenes Risiko Anleihen im Volumen von 80 Prozent, die EZB haftet für die anderen 20 Prozent.

Preise sinken

EZB-Chef Mario Draghi sieht dennoch keine Alternative zu dem Programm. "Es gab aus unserer Sicht wenig Zweifel, dass wir handeln sollten", sagte er im Januar, als er den Beschluss der Zentralbanker verkündete. "Wir sind überzeugt und haben gute Argumente zu glauben, dass diese Maßnahme dazu beitragen wird, die Inflationserwartungen anzuheben", so Draghi.

Die Inflation im Euroraum ist seit Monaten weit entfernt vom EZB-Ziel einer mittelfristigen Teuerungsrate von knapp unter zwei Prozent, bei der die Notenbank die Preisstabilität gewährleistet sieht. Im Januar waren die Verbraucherpreise in der Eurozone um 0,6 Prozent gesunken, nach minus 0,2 Prozent im Dezember.

Während die deutsche Wirtschaft sich robust präsentiert, sind die Wachstumsaussichten für den Euroraum nach wie vor bescheiden. So ist die Wirtschaftsleistung der Länder mit der Euro-Währung in den letzten drei Monaten des vergangenen Jahres im Vergleich zum Vorquartal um 0,3 Prozent gewachsen. Im Gesamtjahr legte die Wirtschaftskraft um 0,9 Prozent zu. Das Wachstum verteilt sich allerdings ungleichmäßig: Estland wuchs im vierten Quartal mit 1,1 Prozent am stärksten, gefolgt von Deutschland und Spanien mit je 0,7 Prozent. Dagegen erhöhte sich die Wirtschaftsleistung in der zweitgrößten Euro-Volkswirtschaft Frankreich um lediglich 0,1 Prozent. Die Nummer drei im Euroraum, Italien, stagnierte. Rückläufig war die Wirtschaftsleistung in Griechenland, Zypern und Finnland.

Draghi betonte vergangene Woche, das angekündigte Anleihenkaufprogramm beginne bereits zu wirken. "Tatsächlich haben wir bereits einige positive Auswirkungen unserer Maßnahmen gesehen", sagte er im Europaparlament. Das sei etwa auf den Geld- und Anleihenmärkten zu sehen, auch seien Kreditzinsen für Haushalte und Firmen gesunken.

Die italienische Zentralbank rechnet wegen des Programms indes mit einem stärkeren Wirtschaftswachstum. Die Notenbank schraubte ihre Prognose nach oben: In diesem Jahr werde ein Plus des Bruttoinlandsprodukts von über 0,5 Prozent und 2016 von mehr als 1,5 Prozent erwartet, sagte Zentralbankchef Ignazio Visco. Unlängst hatte die Notenbank ihre Vorhersage für 2015 noch auf 0,4 Prozent gesenkt und stellte bisher für 2016 ein Plus von nur 1,2 Prozent in Aussicht.

Quelle: n-tv.de

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