Wirtschaft
Zigarrenraucher bei der Moskauer "Millionärsmesse": Weltweit gibt es fast 35 Millionen Millionäre.
Zigarrenraucher bei der Moskauer "Millionärsmesse": Weltweit gibt es fast 35 Millionen Millionäre.(Foto: REUTERS)

Weltweite Ungleichheit nimmt zu: Ein Prozent besitzt die Hälfte aller Vermögen

Die Bank Credit Suisse veröffentlicht seit Jahren Studien zur weltweiten Vermögensentwicklung. Nie war die Welt reicher als heute - trotz Finanzkrise. Und die Verteilung ist noch ein Stück ungleicher geworden.

Gut die Hälfte des weltweiten Vermögens liegt in den Händen von gerade einmal einem Prozent der Weltbevölkerung. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Schweizer Bank Credit Suisse. Im mittlerweile fünften Global Wealth Report untersucht die Bank nach eigenen Angaben die Vermögensverhältnisse von 4,7 Milliarden erwachsenen Menschen aus über 200 Ländern.

Demnach ist der globale Vermögensstand im vergangenen Jahr um 8,3 Prozent gestiegen und beträgt nunmehr 263 Billionen US-Dollar (rund 208 Billionen Euro). Im Jahr 2000 waren es 117 Billionen Dollar (92,4 Billionen Euro).

Damit liegt das weltweite Vermögen mittlerweile 20 Prozent über dem Spitzenwert vor 2008  - dem Beginn der Finanzkrise - und mehr als ein Drittel über dem Tiefpunkt der Krise. Mit rechnerisch 56.000 Dollar (44.250 Euro) Reinvermögen pro Erwachsenem sind die Menschen im Durchschnitt so reich wie noch nie – allerdings ist der Wert mit Vorsicht zu genießen, da auch die finanzielle Ungleichheit zugelegt hat.  

2885 Euro sind die Schwelle zur reicheren Hälfte

Wanderarbeiter schlafen in einem Straßentunnel in Hefei, China: In dem Milliardenstaat hat die Ungleichheit besonders stark zugenommen.
Wanderarbeiter schlafen in einem Straßentunnel in Hefei, China: In dem Milliardenstaat hat die Ungleichheit besonders stark zugenommen.(Foto: REUTERS)

Der Studie zufolge besitzt die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung weniger als ein Prozent des Gesamtvermögens. Im Gegensatz dazu verfügt das reichste Zehntel über 87 Prozent und das reichste Prozent der Bevölkerung immerhin noch über 48,2 Prozent und damit gut die Hälfte aller Vermögenswerte. Um zur reicheren Hälfte der Erdbevölkerung zu zählen, benötigt eine Person 3650 Dollar (2885 Euro) Vermögen – inklusive etwaigen Immobilienbesitzes. Die Studie nennt auch eine "globale Mittelklasse" von einer Milliarde Menschen, die über ein Vermögen zwischen 10.000 und 100.000 Dollar (7900 bis 79.000 Euro) verfügen. Am Ende der Vermögens-Pyramide stehen demnach mehr als zwei Drittel der untersuchten Erwachsenen, die pro Kopf weniger als 10.000 Dollar und in Summe weniger als drei Prozent des Gesamtvermögens besitzen.

"Dieses Jahr lag unser Hauptaugenmerk auf Vermögensungleichheit", sagte Markus Stierli von der Forschungsabteilung der Bank. "Unsere Ergebnisse zeigen dabei, dass sich die Ungleichheit seit 2008 tendenziell vergrößert hat, besonders in Schwellenländern. Die Finanzkrise wirkte dabei als Trendwende, nachdem die Entwicklung bis 2007 abnehmend verlief oder stagnierte", sagte Stierli. Besonders in China und Indien, aber auch in Lateinamerika und Afrika haben sich die Vermögensunterschiede demnach verstärkt. In Europa und Nordamerika seien sie leicht gesunken.

"Wirtschaftliche Erholung zugunsten der Wohlhabenden"

Mit 114 Billionen Dollar (91 Billionen Euro) befindet sich der Großteil des Weltvermögens in den USA, wo mit 63.000 auch rund 49 Prozent der weltweit 128.000 sogenannten "Ultra High Net Worth"-Individuen leben, also Personen, der Privatvermögen 50 Millionen Dollar (39,5 Millionen Euro) übersteigt. In Deutschland beträgt ihre Zahl rund 5550. Von dieser Spitzengruppe setzen sich weltweit noch einmal 4300 Personen ab, die über ein Vermögen von mehr als 500 Millionen Dollar (395 Millionen Euro) verfügen. Die Zahl der weltweiten Millionäre ist laut der Studie seit 2000 um 164 Prozent auf nun 34,8 Millionen Menschen gestiegen. Bis 2019 könnte ihre Zahl auf bis zu 53 Millionen ansteigen.

Die Nichtregierungsorganisation Oxfam hat in einer Reaktion auf die Studie die weltweit wachsende Ungleichheit beklagt. "Diese Zahlen zeigen, dass die Ungleichheit extrem ist und weiter zunimmt", sagte Emma Seery, Abteilungsleiterin die Oxfam. "Die wirtschaftliche Erholung seit der Finanzkrise verlief großteils zugunsten der Wohlhabenden. Die, die sich am wenigsten leisten können, haben den Preis für die Krise zahlen müssen, während die Taschen der Reichen immer praller wurden."

Bilderserie

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen