Wirtschaft
Alle vier Monate wieder? Bitte nicht.
Alle vier Monate wieder? Bitte nicht.

Geschenkestress im Frühjahr?: Ein Weihnachten pro Jahr reicht

Ein Kommentar von Samira Lazarovic

Der Einzelhandel freut sich, denn die Geschenkelisten für Ostern werden immer länger. Und der Stress vor dem Fest im Frühling immer größer. Dabei ist der Advent gerade mal vier Monate her. Muss das sein?

Ostern ist unser "Mini"-Weihnachten, jubelt der Einzelhandel seit einigen Jahren. Ich jubele nicht mit. Ich jubele gleich zweimal nicht mit. Ich brauche schon im Dezember kein Weihnachten inklusive Xmas-Shopping-Wahnsinn und erst recht kein "Mini-Weihnachten" im Frühling.

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Aber auch wenn ich in religiöser Sicht mit Ostern nichts am Hut habe, habe ich eine genaue Vorstellung von den herrlichen freien Tagen im Frühling. Ich denke an Spaziergänge in der aufblühenden Natur und entspannte Treffen mit Familie und Freunden. Und für die Kleinen im Familien- und Bekanntenkreis, die an den Osterhasen glauben, gibt es ein bisschen Schokolade.

Und dann geht es los: Schokolade ist ja nicht gerade gesund, wird mir erklärt. Falls ich aber trotzdem was zu Ostern schenken wolle, gebe es da dieses neue Nintendo-Spiel. Während ich also folgsam durch die Spielzeugabteilung wandere, fällt mir ein, dass ich noch ein paar andere Mitbringsel brauche, falls es Oster-Einladungen gibt. Oder soll ich selbst kochen, wenn ich schon mal Zeit habe? Aber was denn?

Wie eine gebratene Gans im Frühling 

Merken Sie was? Ersetze ich Frühling mit Winter, Narzissen mit Schnee, Schokohasen mit Weihnachtsmännern und Nintendo-Spiel mit der Spielekonsole an sich, klingt das verdächtig nach einer zweiten Adventszeit. Also was rechtfertigt überhaupt noch das Prädikat "Mini"? Sind die Erwartungen an Ostern niedriger? Der Stress geringer? Die Ausgaben kleiner? Oder ist das alles nur eine Idee des Einzelhandels?

Was den Stress angeht: Familie ist an allen Feiertagen gleich stressig. Gekocht werden muss auch immer. Freunde haben ohnehin nie Zeit. Vielleicht sind es also die Ausgaben, bei denen Ostern Weihnachten noch hinterherhängt. Einer Umfrage der Gesellschaft für Konsumforschung zufolge haben die Deutschen für das Weihnachtsfest 2013 im Schnitt 288 Euro ausgegeben. Davon wurden 77 Euro in Spielzeug für den Nachwuchs investiert. Einer Umfrage von Mytoys.de, einem Onlineshop für Spielwaren, zufolge waren es Ostern 2013 durchschnittlich 42 Euro pro Kind.

Rein rechnerisch geht der Punkt also an das "Mini"-Weihnachten. Doch zum einen sind 42 Euro auch schon eine stolze Summe, zum anderen ist laut Einzelhandelsverband die Osterkurve steiler als die Weihnachtskurve. Sprich: In ein paar Jahren werden sich die Ausgaben deutlich angenähert haben. Findige Eltern planen Ostern bei den Weihnachtseinkäufen gleich mit. Da werden die schon im Advent gekauften überzähligen Geschenke sicher in der Abstellkammer verstaut, wo der Osterhase sie dann rausholen darf.

Dem Einzelhandel kann das im Grunde egal sein. Hauptsache, die Kasse stimmt. Geht es am Ende also gar nicht um Jesus, den Osterhasen oder das Winterende? Sind Weihnachten und Ostern Erfindungen des Einzelhandels? Beweise sehe ich überall. Schokohasen, -eier und -küken in allen Farben und Formen. Sonderangebote von Media Markt & Co "kommen direkt ins Haus geflattert". Doch wenn es nach dem Einzelhandel ginge, wäre Ostern wohl kein "Mini-", sondern ein "Maxi"-Weihnachten. Wie gut, dass es nur nach mir geht. Ich mache einfach nicht mit. Weder Mini noch Maxi.

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Quelle: n-tv.de

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