Wirtschaft
Großbank des österreichischen Sparkassenverbunds: Der Hauptsitz der "Ersten" liegt in der Wiener Innenstadt, unweit des Stephansdoms.
Großbank des österreichischen Sparkassenverbunds: Der Hauptsitz der "Ersten" liegt in der Wiener Innenstadt, unweit des Stephansdoms.(Foto: REUTERS)

Bankenbeben in Wien: Erste Group entdeckt Milliardenloch

Alarmsignale aus Österreich: Eines der größten Geldhäuser des Eurolandes schockt die Fachwelt mit einer tiefroten Warnung. Kurz nach Börsenschluss deckt die Erste Group Aussichten auf milliardenschwere Verluste auf.

Schwierigkeiten in Ungarn und Rumänien: Erste-Chef Andreas Treichl.
Schwierigkeiten in Ungarn und Rumänien: Erste-Chef Andreas Treichl.(Foto: REUTERS)

Die Erste Group erwartet wegen anhaltender Probleme in Ungarn und Rumänien im laufenden Jahr einen Rekordverlust: Unter dem Strich werde voraussichtlich ein Minus von 1,4 bis 1,6 Milliarden Euro stehen, teilte das Spitzeninstitut der österreichischen Sparkassen am Abend kurz nach Börsenschluss mit. Grund für die außergewöhnlich hohen Verluste sind hohe Einbußen durch die Pläne der ungarischen Regierung, die Banken bei Fremdwährungskrediten erneut zur Kasse zu bitten.

In Rumänien machen der Erste Group außerdem auch höhere Vorsorgen für faule Kredite zu schaffen. Konzernweit erwartet das Institut hier nun einen Anstieg der Vorsorgen auf 2,4 Milliarden statt der bislang in Aussicht gestellten 1,7 Milliarden Euro. Abgesehen davon droht der Erste Group bei der rumänischen Tochter im schlimmsten Fall eine Abschreibung von 1 Milliarde Euro, sollte die Bank ihre dortigen Firmenwerte und latente Steuern komplett im Wert berichtigen müssen.

An der Börse in Wien sorgte die Ankündigung kurz nach Handelsschluss für helles Aufsehen: Die Aktien der Erste Group hatten zuvor bereits im Handelsverlauf rund 2 Prozent an Wert verloren. Mit weiteren Kursbewegungen ist zu rechnen. Im Gegensatz zu den Börsen in New York wird in Wien am Freitag regulär gehandelt.

Erste-Chef Andreas Treichl sprach von einem "schmerzhaften Schnitt". In den kommenden Jahren bis 2017 seien dafür "keine negativen Überraschungen mehr" zu erwarten. Es ist die dritte Gewinnwarnung eines österreichischen Unternehmens innerhalb weniger Tage wegen Problemen in Osteuropa: Auch die Telekom Austria und der Versorger EVN mussten ihre Prognose kippen und erwarten nun Verluste.

Das Kapitalpolster schmilzt

Das Geschäft in Ungarn und Rumänien bereitet der Bank bereits seit Jahren Kopfzerbrechen. 2011 verbuchte die Erste wegen hoher Abschreibungen in beiden Märkten einen Jahresverlust von 719 Millionen Euro. Durch die nun erwarteten neuen Einbußen werde die harte Kernkapitalquote auf etwa 10 Prozent zum Jahresende schrumpfen - nach 11,1 Prozent per Ende März. Immerhin kann die Bank damit die Anforderungen der Regulierer immer noch erfüllen - und das auch ohne zusätzliche Kapitalspritzen. Für das laufende Jahr werde die Bank aber keine Dividende ausschütten, sagte ein Sprecher.

In Ungarn hatte die Regierung von Viktor Orban Banken bereits vor einigen Jahren gezwungen, Dollar- oder Eurokredite in die Landeswährung Forint zu wechseln. Das hatte den Instituten milliardenschwere Verluste eingebrockt. Doch trotz der Maßnahme ist das Problem nicht gelöst: Vor der Finanzkrise haben viele Ungarn solche Fremdwährungskredite aufgenommen, die sie nun wegen des Verfalls des Forint nicht mehr zurückzahlen können. Die Regierung will die Banken nun unter anderem dazu verdonnern, rückwirkend Zins- und Gebührenerhöhungen für diese Kredite zurückzunehmen.

Probleme in Rumänien

Die Maßnahme zielt auf populäre Wirkung, könnte die Finanzbranche aber erheblich in Mitleidenschaft ziehen. Schlimmstenfalls, so steht zu befürchten, müsste mittelfristig wieder der europäische Steuerzahler einspringen, um die Folgen finanzielle Fehlentscheidungen einzelner Kreditnehmer abzufedern.

In Rumänien muss sich die Erste auf Druck der dortigen Notenbank von faulen Krediten trennen. Hintergrund ist die bevorstehende vertiefte Bilanzprüfung der EZB, bei der auch das Sparkassenspitzeninstitut unter die Lupe genommen wird. Die Erste Group, so heißt es, könne beim Verkauf solcher notleidender Kredite aber nicht so hohe Preise erzielen wie gedacht.

Angesichts dieser trüben Aussichten muss das Institut schlimmstenfalls den kompletten Firmenwert in Rumänien von 800 Millionen Euro abschreiben. Hinzukommen könnte auch noch eine Abschreibung latenter Steuern über 200 Millionen Euro. 2015 rechnet die Erste Group mit einem "stark verbesserten Nettoergebnis" - trotz weiterhin hoher Bankensteuern, wie die Bank erklärte.

Quelle: n-tv.de

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