Wirtschaft
Opel gehört für die Auto-Experten zu den Gewinnern derzeit.
Opel gehört für die Auto-Experten zu den Gewinnern derzeit.(Foto: REUTERS)

"Die verbrennen Cash, als gäbe es kein Morgen": Licht und Schatten in der Autobranche

Die Autokonzerne fahren vor und präsentieren ihre nackten Zahlen. Dabei wird eines überdeutlich: Wo es Gewinner gibt, sind die Verlierer nicht weit. So mancher Hersteller erlebt derzeit sein blaues Wunder.

In der europäischen Automobilindustrie scheiden sich nach langer Durststrecke Gewinner und Verlierer. Nun zeigt sich, wer zum Ausgleich für die Probleme auf dem Heimatkontinent rechtzeitig auf wachsende Märkte in den Schwellenländern gesetzt hat. Oder wer einen geeigneten Partner fand, um durch höhere Stückzahlen die Kosten zu senken und in alternative Antriebe zu investieren. Experten sehen vor allem Fiat und Peugeot auf der Verliererstraße, während Opel, Ford und Renault - mit einigen Beulen zwar - die Kurve kriegen dürften.

Zu den Siegern gehören Volkswagen mit seiner Premiumtochter Audi sowie die Oberklasse-Hersteller BMW und Daimler, die die Schwäche in Europa durch gute Geschäfte in Übersee am besten wettmachen.

Fiat und PSA gefährdet

n-tv.de-Autoexperte Helmut Becker vom Münchner Institut für Wirtschaftsanalyse und Kommunikation sieht vor allem die Existenz von Fiat und Peugeot in Gefahr. "Diese beiden werden langfristig als eigenständige Unternehmen ausscheiden." Becker, der einst Chefvolkswirt von BMW war, teilt die Welt in zwei Hälften: "Alle, die nur im Norden präsent sind und keine reiche Mutter wie den Volkswagen-Konzern haben, haben schlechte Karten."

Arndt Ellinghorst vom Londoner Analysehauses International Strategy & Investment gibt Peugeot indes noch eine Chance. Der Autoexperte glaubt, dass der französische Zwei-Markenkonzern trotz seiner Abhängigkeit vom krisengeplagten Europa die Trendwende dank seines rigiden Sparkurses und neuer Modelle schaffen wird. Zum Überleben sei der Konzern, in dem die Familie Peugeot noch eine starke Rolle spielt, nicht auf einen Partner angewiesen. "Ich glaube nicht, dass Peugeot Dongfeng  für eine Restrukturierung braucht", sagt Ellinghorst.

Ein Zusammengehen mit dem chinesischen Staatskonzern könnte den angeschlagenen Franzosen jedoch beim Ausbau ihrer Präsenz in China helfen. Bislang kommt die Löwenmarke auf dem weltgrößten Automarkt in der Volksrepublik nicht so schnell voran wie erhofft, um die Probleme daheim abzufedern. In den USA, wo sich neben den Platzhirschen GM und Ford auch japanische und deutsche Marken tummeln, kommt Peugeot gar nicht erst vor.

Chrysler hilft Fiat momentan

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Fiat hat sich zwar mit der US-Ikone Chrysler zusammengetan und profitiert damit vom wachsenden amerikanischen Markt. Allerdings kann dieser Bund nicht alle Schwächen des italienischen Konzerns wettmachen. Sobald es an anderer Stelle brennt, wie jüngst in Südamerika, schrillen in Turin die Alarmglocken. "Fiat verdient nur noch etwas Geld, weil sie Brasilien haben und dort sieht es extrem schlecht aus", beschreibt Ellinghorst die Lage. Der italienische Konzern musste jüngst seine Jahresziele kappen, weil der Absatz in Südamerika eingebrochen ist.

Ellinghorst sieht Fiat daher auf der Verliererspur. "Die verbrennen Cash als gebe es kein Morgen." Die von Konzernchef Sergio Marchionne erhoffte Fusion mit Chrysler, die Fiat zum Überleben bräuchte, werde am Veto der Banken scheitern. "Der Cash-Merger ist nicht möglich, weil Chrysler wesentliche Kreditverträge hat, die eine Zusammenlegung der Schulden verhindern." Daher werde es für Fiat "extrem eng".

Lichtblick für Opel

Dagegen ist Opel nach einhelliger Meinung der Fachleute die Trendwende gelungen. Die GM-Tochter kommt bei der Sanierung voran und hat den Betriebsverlust im dritten Quartal halbiert. Damit sieht sich Opel-Chef Karl-Thomas Neumann auf Kurs, ab 2016 Gewinne in der Detroiter Konzernzentrale abzuliefern. Eine Erfolgsgeschichte sei Opel dennoch nicht, streut Ellinghorst Zweifel ein. Bei der seit zehn Jahren rote Zahlen schreibenden Marke mit dem Blitz werde nur "das Bluten etwas gestoppt".

Vom Markt verschwinden wird nach Meinung der Experten jedoch keine Automarke. "Da spielen die Regierungen eine Rolle, die nicht zulassen werden, dass so etwas passiert wie in Großbritannien, wo die Automobilindustrie praktisch nicht mehr existiert", ist Bratzel sicher und fügt hinzu: "Aufgeben wird keiner."

Quelle: n-tv.de

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