Wirtschaft
Der Einzelhandel ist bereit: Andenken tragen zum Jahreswechsel zwei Preisschilder.
Der Einzelhandel ist bereit: Andenken tragen zum Jahreswechsel zwei Preisschilder.

Jüngstes Mitglied der Eurozone: Estland auf einen Blick

Neunzehn Jahre nach der Rückkehr in die Unabhängigkeit rückt Estland in den Kreis der Euro-Staaten auf. Nicht nur für viele Esten ist der Beitritt zur Währungsgemeinschaft ein Schritt ins Ungewisse. Ein Überblick.

Die Umrisse Estlands: Ab Mitternacht sind die neuen Euro-Münzen im Umlauf.
Die Umrisse Estlands: Ab Mitternacht sind die neuen Euro-Münzen im Umlauf.

Estland, das nördlichste Land der drei baltischen Staaten, tritt zum Jahreswechsel der europäischen Währungsgemeinschaft bei. In der Eurozone leben damit künftig zusammen mit den etwa 1,3 Millionen Estinnen und Esten rund 330 Millionen Menschen.

Im europäischen Vergleich gilt das neue Euro-Mitglied als Musterknabe in Sachen Haushaltsdisziplin. Ein Blick auf ausgewählte Kennziffern zeigt, wo das Land in seiner wirtschaftlichen, politischen und demografischen Entwicklung steht.

Staatsverschuldung

Das Finanzministerium in Tallinn rechnet 2011 mit einem Haushaltsdefizit in Höhe von etwa 1,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Zum Vergleich: Die deutsche Bundesregierung hofft darauf, das Defizit im Bundeshaushalt im kommenden Jahr dank des starken Aufschwungs unter die Marke von 3 Prozent zu drücken. Diese Marke ist in den sogenannten Maastrichtkriterien als Obergrenze für eine stabile Haushaltsführung innerhalb der Eurozone festgelegt.

Preisentwicklung

Unter umfangreichen Sicherheitsvorkehrungen bestücken Bankangestellte im ganzen Land die Geldautomaten.
Unter umfangreichen Sicherheitsvorkehrungen bestücken Bankangestellte im ganzen Land die Geldautomaten.(Foto: AP)

In Estland lag die Inflationsrate im November auf Jahressicht bei 5,3 Prozent. Die Zentralbank in Tallin rechnet 2011 mit einer durchschnittlichen Teuerung von 3,5 Prozent.

Außenwirtschaft

Die Exporte Estlands beliefen sich Ende 2009 auf 8,9 Mrd. Dollar - wichtigste Ausfuhrländer waren Finnland, Schweden und Lettland. Die Importe summierten sich Ende 2009 auf 10 Mrd. Dollar. Der wichtigste Handelspartner nach Finnland war Deutschland.

Währungswechsel

Mit dem Beitritt zur Eurozone trennt sich Estland von der bisherigen Landeswährung, der estnischen Krone. Knapp neunzehn Jahre nach der Rückkehr in die Unabhängigkeit bekommt der Wechsel große psychologische Bedeutung. Einerseits empfinden viele Esten den Abschied von der Krone als Aufgabe der geldpolitischen Eigenständigkeit. Andererseits rückt das kleine Land damit wirtschaftlich und politisch näher an Europa heran.

Demografie

Die geografische Nähe und der historische Einfluss Russlands spielt im estnischen Alltag nach wie vor eine große Rolle. 64 Prozent der Bevölkerung betrachten sich als Esten. Die starke russische Minderheit umfasst 29 Prozent der Einwohner des Landes. Amtssprache ist Estnisch. Russische Kenntnisse sind weit verbreitet. In einigen Regionen im Nordosten des Landes gilt russisch als inoffizielle Verkehrssprache.

Staatsgebiet und Politik

Die parlamentarische Republik Estland umfasst eine Staatsfläche von 45.000 Quadratkilometern, was ungefähr der Fläche Niedersachsens entspricht. Zum Land gehören rund 800 Inseln. Enge Verbindungen unterhält Estland mit Finnland. Zahlreiche historische und kulturelle Bezüge führen in die deutsche Vergangenheit.

In der Hauptstadt Tallinn, dem einstigen Reval, führt derzeit Ministerpräsident Andrus Ansip von der Reformpartei die Regierungsgeschäfte. Das 101 Sitze umfassende Parlament trägt den Namen "Riigikogu" und tagt ebenfalls in Tallinn. Eine zweite Kammer, wie etwa vergleichbar mit dem deutschen Bundesrat, existiert nicht. Die nächste Parlamentswahl steht am 6. März 2011 an.

Als Staatsoberhaupt fungiert der Präsident der Republik Toomas Hendrik Ilves. Außenminister ist Urmas Paet, ebenfalls von der Reformpartei. Estland ist unter anderem Mitglied der Europäischen Union, der NATO, der Vereinten Nationen, des Ostseerats und der OECD.

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Quelle: n-tv.de

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