Wirtschaft
Die Euro-Krise wirft längere Schatten als erwartet.
Die Euro-Krise wirft längere Schatten als erwartet.(Foto: dpa)

Überraschendes Vierjahrestief : Euro-Wirtschaft bricht ein

Die Wirtschaft des Euroraums ist zum Jahresende 2012 so stark eingebrochen wie seit fast vier Jahren nicht mehr. Der Rückgang fällt mit 0,6 Prozent deutlicher aus als erwartet, die Daten verderben den Anlegern deutlich die Stimmung - Dax und Euro rutschen ins Minus. Da helfen auch Beteuerungen aus Deutschland, die Konjunkturdelle sei bereits vorbei, nicht.

Die Rezession im Euroraum hat sich im vergangenen Quartal wieder beschleunigt. Das Bruttoinlandsprodukt schrumpfte im vierten Quartal 2012 um 0,6 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Dies teilte die europäische Statistikbehörde Eurostat in Luxemburg nach einer ersten Schätzung mit. Volkswirte hatten ein Minus von lediglich 0,4 Prozent prognostiziert. Zuletzt war die Wirtschaftsleistung in den Euro-Ländern zu Jahresbeginn 2009 stärker zurückgegangen, damals um 2,8 Prozent. Im Gesamtjahr 2012 fiel das BIP im Euroraum um 0,5 Prozent.

Die 17 Länder mit Gemeinschaftswährung rutschten damit noch tiefer in die Rezession, die im Frühjahr vergangenen Jahres eingesetzt hatte. Zu Jahresbeginn 2012 hatte die Wirtschaft noch stagniert. Im zweiten Vierteljahr war die Wirtschaftsleistung um 0,2 Prozent und im dritten Quartal um 0,1 Prozent gesunken. Ökonomen sprechen von einer Rezession, wenn das Bruttoinlandsprodukt im Vergleich zum Vorquartal zweimal in Folge sinkt. Befeuert von hoher Staatsverschuldung kämpft die Währungsgemeinschaft seit Monaten gegen die Eurokrise.

Nach der Veröffentlichung der Zahlen ging es mit dem Euro und dem Dax kräftig abwärts. Der Euro rutschte unter die Unterstützung bei 1,3380 US-Dollar, der Dax verlor mehr als ein Prozent auf 7622 Punkte. Auch der Blick auf die Bruttoinlandsprodukte der einzelnen Euro-Staaten konnte die Laune nicht heben, ganz im Gegenteil. Denn auch die Volkswirtschaften in Deutschland und Italien waren im vierten Quartal 2012 mit 0,6 Prozent bzw. 0,9 Prozent stärker geschrumpft als Analysten erwartet hatten.

Die kriselnde französische Wirtschaft verzeichnete im Schlussquartal einen BIP-Rückgang von 0,3 Prozent, auf Jahressicht ergibt das ein Nullwachstum. Die Regierung hatte bislang auf ein Wirtschaftswachstum von 0,3 Prozent für das gesamte Jahr 2012 gehofft. Die Niederlande sind im Berichtszeitraum in die Rezession zurückgefallen. Nach einem Rückgang der Wirtschaftsleistung um 1,0 Prozent im dritten Quartal ergab sich für das Schlussquartal ein Minus um 0,2 Prozent.

In Griechenland verlangsamte sich die seit 2009 anhaltende Rezession zum Jahresende 2012 etwas, doch hat sich die Lage am Arbeitsmarkt im November noch weiter verschlechtert. Ein Quartalsvergleich lag nicht vor, das BIP sank im vierten Quartal im Vergleich zum Vorjahreszeitraum jedoch um 6,0 Prozent, wie die Statistikbehörde Elstat mitteilte. Dies war der schwächste Rückgang seit dem dritten Quartal 2011, für das ein Minus von 4,0 Prozent ausgewiesen wurde. Die Arbeitslosenquote zog allerdings im November auf das Rekordniveau von 27,0 Prozent an von 26,6 Prozent im Oktober. Die Quote liegt damit deutlich über dem Durchschnitt von 11,7 Prozent im Euroraum. Besonders junge Menschen haben es schwer, eine Arbeit zu finden. Die Arbeitslosenquote unter den 15 bis 24-Jährigen zog im November auf 61,7 Prozent an.

Quelle: n-tv.de

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