Wirtschaft

Rettungsschirm weist den Weg: Eurobonds nehmen die Hintertür

von Jan Gänger

In rekordverdächtigem Tempo sammelt der Euro-Rettungsfonds Milliarden für Irland ein. Die Bundesregierung reibt sich angesichts dieses Vertrauensbeweises in die Eurozone die Hände – und verdrängt dabei, dass der Erfolg unerwünschte Nebenwirkungen haben kann.

(Foto: dpa)

Das ist wahrlich eine neue Erfahrung für das hochverschuldete Irland: Investoren aus aller Welt drängen dem Land ihr Geld regelrecht auf. Der Wermutstropfen: Ohne die Garantie der Eurozone für die Rückzahlung hätte das nicht funktioniert - das Geld musste vom Rettungsfonds eingesammelt werden.

Doch der Schritt war ein voller Erfolg. Nach nur 15 Minuten wurde das Orderbuch geschlossen. Der Rettungsfonds wollte fünf Mrd. Euro aufnehmen, angeboten wurden ihm aber mehr als 44 Mrd. Euro. Die Zinsen für das Papier mit einer Laufzeit von fünfeinhalb Jahren liegen bei 2,89 Prozent pro Jahr und damit etwas höher als bei deutschen oder französischen Anleihen. Und das macht die Anleihen für Investoren so begehrenswert: Sie bekommen für Papiere mit vergleichbarer Bonität eine höhere Rendite. "Die Anleihe war super attraktiv", sagte ein Händler. "Übernationale Papiere mit einer Rating-Bestnote sind rar gesät. So etwas will jeder in seinem Portfolio haben."

Was für Investoren vergleichsweise hohe Zinsen sind, sind für Irland niedrige Zinsen. Ohne die Garantien der anderen Mitglieder der Eurozone kann sich das schuldengeplagte Land nur zu sehr viel schlechteren Konditionen Geld leihen – und einer Pleite wohl kaum entkommen.

Die Bundesregierung zeigt sich zufrieden und wertet den gelungenen Probelauf als Signal dafür, dass Investoren Vertrauen in die Handlungsfähigkeit Europas fassen. Doch dieser Erfolg hat womöglich einen unerwünschten Nebeneffekt: "Bei einer solchen Erfolgsstory wird der Ruf nach einem gemeinsamen Eurobond noch zunehmen", sagt ein Börsianer.

Rückenwind für Juncker

Die Idee von einer gemeinsamen europäischen Anleihe hatte Luxemburgs Premier Jean-Claude Juncker Ende des vergangenen Jahres aus der Wiedervorlage gefischt. Die Grundidee: Hinter diesen Bonds würden alle Länder der Eurozone stehen. Der Zinssatz wäre damit in etwa der durchschnittliche Zinssatz der von den Ländern ausgegeben Anleihen. Staaten mit geringer Kreditwürdigkeit bekämen damit die Möglichkeit, sich zu niedrigeren Zinsen Geld zu leihen – da Länder mit Top-Bonität wie Deutschland die Rückzahlung garantieren. Für angeschlagene Staaten könnte das den Weg aus dem Schuldensumpf ermöglichen. Doch das bedeutet allerdings auch, dass Länder mit soliden Haushalten für die Schulden anderer Staaten geradestehen.

Deutschland lehnt diese Bonds deshalb vehement ab und sieht zwei weitere Probleme: Erstens müsste die Bundesrepublik durch die Euro-Anleihen selber höhere Zinsen zahlen, wenn sie sich Geld leiht. Bislang zahlt sie angesichts ihrer Top-Bonität die niedrigsten Zinsen der Eurozone. Doch das könnte sich ändern, wenn Deutschland auch Schulden anderer Euro-Staaten garantiert. Zweitens befürchtet die Bundesregierung, dass Schuldenstaaten durch Eurobonds den Anreiz verlieren, ihre Haushaltspolitik zu straffen.

Doch mit der Anleihe der "Europäischen Finanzstabilisierungsfazilität" – hinter diesem Wortungetüm verbirgt sich der Rettungsschirm – ist die Euro-Zone erstmals als Einheit am Kapitalmarkt aufgetreten "Das ist vielleicht schon ein Schritt in Richtung Euro-Bond", sagt Helaba-Analyst Ralf Umlauf. Der erste Test sei jedenfalls gelungen.

Somit dürfte die Fraktion der Eurobond-Befürworter um Luxemburgs streitbaren Ministerpräsidenten Juncker ein neues Argument für ihre Position haben. Ob sich allerdings die Gegner um Bundeskanzlerin Angela Merkel davon überzeugen lassen, bleibt offen. Auch die Europäische Zentralbank kann bislang der Idee eines E-Bonds - wie eine gemeinsame Anleihe aller Euro-Länder am Rentenmarkt inzwischen getauft wurde - wenig abgewinnen.

Sollten auch die weiteren Anleihen des EFSF gut ankommen, könnten sich diese im Nachhinein aber als Wegbereiter für den E-Bond entpuppen. Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Denn nicht nur in Berlin ist man skeptisch, da man den Gläubigern mehr Zins als bislang zahlen müsste. In Athen oder Dublin fürchten die Regierungen hingegen um die Souveränität in der Haushaltspolitik. Denn Deutschland oder Frankreich würden als Gegenleistung zu Eurobonds eine gemeinsame Kontrolle der nationalen Haushalte fordern. "Die Politik ist noch nicht so weit, aber die neuen Anleihen sind ein gutes Omen", erklärt ein Börsianer. Die Anleger haben jedenfalls die erste Hürde für einen E-Bond aus dem Weg geräumt.

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Quelle: n-tv.de

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