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Deutschland profitiert von seiner Exportstärke.
Deutschland profitiert von seiner Exportstärke.(Foto: picture alliance / dpa)

Maues Wachstum: Eurozone zieht sich an Deutschland hoch

Die wirtschaftliche Erholung im gemeinsamen Währungsraum kommt nicht in Fahrt. Bei den Schwergewichten brummt die Konjunktur einzig in Deutschland. In etlichen Krisenländer kriselt es weiter. Andere erleben sogar einen Einbruch.

Deutschland bleibt die Konjunkturlokomotive in der Eurozone. Allerdings hat die Kraft im ersten Quartal nicht ausgereicht, um das Wachstum im gesamten Währungsraum zu erhöhen. Wie im Vorquartal betrug das Wachstum des Bruttoinlandsprodukt (BIP) nur 0,2 Prozent im Vergleich zum Vorquartal, wie die Statistikbehörde Eurostat in einer ersten Schätzung berichtete. Ökonomen hatten auf eine Verdoppelung der Wachstumsrate gehofft. Bremsklötze waren allem in Italien, Frankreich, die Niederlanden, Portugal und Finnland. Daraufhin geriet der Euro unter Druck.

Die größte Volkswirtschaft der Eurozone legte dank des milden Winters und der robusten Binnennachfrage auf Quartalssicht um 0,8 Prozent zu. Damit lag es etwas höher als von Volkswirten erwartet.

Das zweite Schwergewicht Frankreich hingegen enttäuschte, da die Wirtschaft nur stagnierte. Hier knauserten Verbraucher und Firmen mit ihren Ausgaben. In Italien - der Nummer drei - schrumpfte die Wirtschaft sogar überraschend um 0,1 Prozent. "Zurück in die Rezession?" fragt sich Annalisa Piazza angesichts der schrumpfenden Wirtschaftsleistung. Die Binnennachfrage sei schwach, und eine Arbeitslosigkeit auf Rekordniveau spreche gegen eine rasche Besserung.

Krisenländer schwenken bestenfalls auf Erholungskurs ein

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Auch in den Krisenländern setzte sich die Erholung nicht überall fort. Während die spanische Wirtschaft um 0,4 Prozent zulegte, schrumpfte das Bruttoinlandsprodukt in Portugal und Zypern jeweils überraschend um 0,7 Prozent zum Vorquartal. Einen Einbruch erlebten die Niederlande: Das BIP brach um 1,4 Prozent regelrecht ein.

Etwas Hoffnung kommt aus Griechenland. Die dortige Wirtschaft ist Anfang 2014 so wenig geschrumpft wie seit vier Jahren nicht mehr. Das Bruttoinlandsprodukt sank zwischen Januar und März nur um 1,1 Prozent zum Vorjahresquartal, wie das nationale Statistikamt Elstat mitteilte. Diese Daten sind nicht um jahreszeitliche Schwankungen bereinigt. Ökonomen hatten einen Rückgang um 1,5 Prozent erwartet. Ein Quartalsvergleich lag zunächst nicht vor.

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Anfang 2013 war die Konjunktur noch um sechs Prozent eingebrochen. Seitdem verlangsamt sich die Talfahrt stetig. Griechenland und seine internationalen Geldgeber aus EU und IWF sagen der Wirtschaft nach sechs Jahren Rezession für 2014 erstmals wieder ein Wachstum von 0,6 Prozent voraus.

Unklare Prognosen

Indessen stehen die Zeichen gut für ein höheres Wachstum im zweiten Quartal. Die Einkaufsmanagerindizes signalisieren, dass der Euroraum mit der stärksten Wachstumsdynamik seit drei Jahren in das zweite Quartal gestartet ist. Ökonomen tippen bislang auf eine Wachstumsrate von 0,5 Prozent. Allerdings hängt die Krise in der Ukraine und der Konflikt mit Russland wie ein Damoklesschwert über der Eurozone. Sollte es zu einer Eskalation kommen, würden die Wachstumsprognosen schnell Makulatur.

Für die Commerzbank bleiben die Aussichten verhalten. "Auch im Frühjahr dürfte die Euro-Wirtschaft nicht stärker wachsen", schreiben Analysten. Denn die Firmen hätten einen Teil ihrer Aufträge dank der günstigen Witterung bereits in den ersten Monaten des Jahres abgearbeitet. Der Rückenwind von der Weltwirtschaft nehme zudem ab.

EU-Kommissar Siim Kallas hatte jüngst davor gewarnt, dass die Ukraine-Krise derzeit das größte Risiko für den Aufschwung darstelle. Zudem belaste der starke Euro, der Waren aus Europa in aller Welt verteuert, den Export.

Im Jahresvergleich stieg die Wirtschaftsleistung im Euroraum um 0,9 Prozent, während Ökonomen einen Zuwachs um 1,1 Prozent erwartet hatten. Das Wachstum in der Euro-Zone hinkt derzeit der Konjunktur in Japan deutlich hinterher. Dort wuchs die Wirtschaft im ersten Quartal um 1,5 Prozent. Allerdings sorgte die Mehrwertsteuererhöhung im April dafür, dass die Japaner zuvor ihre Konsumausgaben ungewöhnlich deutlich erhöhten. Die US-Wirtschaft hingegen stagnierte wegen des harten Winters fast.

Quelle: n-tv.de

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