Wirtschaft
Der griechische Premier Tsipras mit EU-Kommissionspräsident Juncker  und dem franszöischen Premier Hollande (v.l.).
Der griechische Premier Tsipras mit EU-Kommissionspräsident Juncker und dem franszöischen Premier Hollande (v.l.).(Foto: REUTERS)

Konstrukteur des Griechen-Fonds: Ex-Lehman-Banker verhandelte für Tsipras

Die Themen beim Euro-Krisentreffen im Juli waren hochkompliziert. Der griechische Premier Tsipras machte keinen Hehl draus. Er überließ die Verhandlungsführung zwischenzeitlich seinem engen Berater. Der US-Banker kennt sich mit Pleiten aus.

Bei dem dramatischen Euro-Krisengipfel am 12. und 13. Juli in Brüssel hat offenbar ein amerikanischer Investmentbanker ein tragende Rolle in der griechischen Verhandlungsführung übernommen. Premier Alexis Tsipras soll ihm bei dem Treffen, das den Weg zu einem dritten Hilfspaket für Griechenland eröffnen sollte, sogar kurzzeitig das Wort überlassen haben. Das berichtet die "Welt am Sonntag" unter Berufung auf Teilnehmerkreise.

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Bei dem Banker handelt es sich um Glenn Kim, einen langjährigen Managing Director der 2008 pleite gegangenen Investmentbank Lehman Brothers. Kim sei bei dem Krisengipfel daran beteiligt gewesen, einen Kompromiss zu dem geplanten griechischen Privatisierungsfonds zu formulieren. Dieser Fonds war am 11. Juli vom deutschen Finanzminister Wolfgang Schäuble vorgeschlagen worden. Auf dem Gipfel-Treffen der Euro-Regierungschefs, das einen Tag später begann, war der Privatisierungsfonds das mit Abstand umstrittenste Thema. Ein Gegenvorschlag, den die griechische Seite in der Gipfelnacht vorlegte, stammt dem Vernehmen nach offenbar von Kim.

Keine falschen Eitelkeiten

Vor allem Bundeskanzlerin Angela Merkel soll bemängelt haben, dass der Gegenvorschlag kompliziert sei und unverständlich formuliert. Alexis Tsipras und sein Finanzminister Euklid Tsakalotos haben daraufhin darum gebeten, Kim herbeirufen zu dürfen. An der Ausformulierung des Kompromisses war dann auf griechischer Seite Kim beteiligt und auf Gläubigerseite unter anderem Merkel und Donald Tusk, der Präsident des Europäischen Rates.

Kim sowie Sprecher von Tsipras und Tsakalotos wollten sich auf Anfrage der Zeitung nicht zu den Vorgängen äußern. Ein deutscher Regierungssprecher teilte mit, man gebe über vertrauliche Beratungen mit den Euro-Partnern "grundsätzlich keine Auskunft"; ein Glenn Kim sei "der Bundeskanzlerin namentlich nicht bekannt". Kim selbst hat sich in den vergangenen Monaten öffentlich nicht zu seiner Beratertätigkeit für die griechische Regierung geäußert. Der "Welt am Sonntag" bestätigte er aber, dass er weiterhin für die Regierung tätig ist.

Quelle: n-tv.de

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