Wirtschaft

Fünf Jahre Haft: Ex-Media-Markt-Chef verurteilt

Fünf Jahre und drei Monate wegen Bestechlichkeit lautet das Urteil gegen den früheren Media-Markt-Deutschlandchef Michael Rook. Zum Schluss geht es in dem Prozess nur noch um die Frage, wer lügt und wer sagt die Wahrheit. Rook beteuert bis zum Schluss seine Unschuld, doch die Richter glauben ihm nicht.

Michael Rook Anfang Dezember im Schwurgerichtssaal in Augsburg.
Michael Rook Anfang Dezember im Schwurgerichtssaal in Augsburg.(Foto: dpa)

Wegen eines millionenschweren Bestechungsskandals muss der frühere Deutschlandchef von Media Markt, Michael Rook, für fünf Jahre und drei Monate ins Gefängnis. Mit diesem Urteil blieb die Wirtschaftskammer des Augsburger Landgerichts leicht unter der Forderung der Staatsanwaltschaft, die Rook fünf Jahre und neun Monate in Haft sehen wollte.

Die Kammer sah es als erwiesen an, dass der 48-Jährige und ein ebenfalls zu einer Haftstrafe verurteilter Regionalmanager zwischen 2005 und 2011 verschiedenen Firmen Aufträge im Volumen von 65 Mio. Euro zugeschanzt haben und dafür im Gegenzug jeweils 2,5 Mio. Euro Schmiergeld kassierten. Der Vorsitzende Richter Wolfgang Natale sprach von "hoher krimineller Energie".

Der Ex-Regionalmanager muss wegen Bestechlichkeit für vier Jahre und neun Monate hinter Gitter. Rook hat die Vorwürfe bis zum Schluss vehement bestritten. Sein Anwalt kündigte an, Rechtsmittel einzulegen. Das Urteil sei "auf skandalöse Weise" zustande gekommen und beruhe auf einer grob fehlerhaften Beweiswürdigung.

Wer hat gelogen?

Da Aussage gegen Aussage stand, sei es für die Richter eine "Hop- oder Top-Entscheidung" gewesen, sagte Natale bei der Urteilsbegründung. Vor ihm saßen insgesamt sechs Angeklagte, die nach Ansicht der Kammer in der Schmiergeld-Affäre verwickelt gewesen sind. Alle hatten ein Geständnis abgelegt - alle außer Rook. In seinem Schlusswort sagte er: "Ich weise die Vorwürfe zurück, ich kann es nur als Lüge zurückweisen."

Die Richter sind jedoch nach sechs Monaten zäher Verhandlungen von der Schuld des 48-Jährigen überzeugt: Er und der Regionalmanager des Elektronikhändlers hätten sich von einem Unternehmer für Exklusiv-Aufträge schmieren lassen. Sie setzten dessen Mitarbeiter als externes Verkaufspersonal für DSL-Verträge in Media-Markt-Filialen ein.

Dafür wandern sie nun für mehrere Jahre ins Gefängnis - sollte der Bundesgerichtshof die Sache nicht anders sehen. Rooks Strategie des Abstreitens ging am Ende nicht auf. Die Kammer glaubte dem Ex-Regionalmanager, der Rook schwer belastet und ausgesagt hatte, sie hätten rund zwei Mio. Euro Schmiergeld unter sich aufgeteilt - und es mit vollen Händen ausgegeben. "Es gab kein Gefeilsche, es hat immer funktioniert", erzählte er im Prozess. Er selbst habe mit dem Geld "gut gelebt": "Reisen, Hotels, Autos, Zweitwohnung." Auch Rook habe das Geld seines Wissens nach komplett auf den Kopf gehauen, unter anderem für ein Haus auf Mallorca. Der Manager habe ihm gesagt, dass er die Vorgänge nie zugeben würde. "Sie können mich an der Zunge aufhängen", zitierte er Rook.

Wie im Film

Die beschriebenen Vorgänge hatten teilweise filmreife Züge: So war etwa die Rede von Geldübergaben in einer Toilette. Richter Natale sprach vom "humorigen Beigeschmack" einiger Begebenheiten, an deren Wahrheitsgehalt er aber trotzdem glaube. "Es wirkt real erlebt." Als Codewort für Schmiergeldzahlungen hätten die Beteiligten das unverfängliche Wort "Unterlagen" benutzt. Leicht habe sich die Kammer ihre Entscheidung nicht gemacht, dafür spreche auch die sechsmonatige Verfahrensdauer, sagte Natale. Die Verteidigung kritisierte er für "gebetsmühlenartig wiederholte Einwände".

Vor der Schmiergeld-Affäre hatte Topmanager Rook bei Media Markt einen steilen Aufstieg hingelegt. Der Skandal erwischte ihn 2011 auf dem Höhepunkt seiner Karriere. Er wurde im Oktober suspendiert und im November 2011 verhaftet. Rook saß seither in Untersuchungshaft.

Zwischen 1987 und 1998 hatte der gelernte Groß- und Außenhandelskaufmann leitende Positionen inne bei Media-Märkten in Braunschweig, Hamburg, Kiel und Mühlheim, am Ende als Geschäftsführer. Danach stieg er nach Unternehmensangaben zum Regiomanager auf.

Im Jahr 2000 wurde Rook Mitglied der Geschäftsführung der Media Markt Management GmbH, wenige Jahre später deren Sprecher und 2006 Vorsitzender - als Verantwortlicher für die Ressorts Vertrieb und Marketing. Seit 2006 war er auch Geschäftsführer der Media-Saturn Verwaltung Deutschland GmbH. 2011 wurde er Mitglied der Geschäftsführung der Media-Saturn-Holding.

Eine Sprecherin der Media-Saturn-Holding GmbH wollte das Urteil in der Sache nicht kommentieren. Sie teilte mit: "Die Media-Saturn-Unternehmensgruppe wurde durch die Straftaten der Verurteilten geschädigt und wird nun wie angekündigt ihren Schaden mit entsprechenden Schadensersatzforderungen geltend machen."

Quelle: n-tv.de

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