Wirtschaft
Teldafax ist wieder in den Schlagzeilen.
Teldafax ist wieder in den Schlagzeilen.(Foto: picture alliance / dpa)

Rund 700.000 Gläubiger: Ex-Teldafax-Manager angeklagt

Top-Manager des zusammengebrochenen Billigstromanbieters Teldafax müssen sich nun auch strafrechtlich verantworten: Wegen Betrugs und Insolvenzverschleppung erhebt die Staatsanwaltschaft Bonn Anklage. Mit rund 700 000 Gläubigern ist die Pleite der Firmenzusammenbruch in Deutschland mit den meisten Betroffenen.

Die Pleite des ehemaligen Energiediscounters Teldafax hat jetzt auch strafrechtliche Folgen: Gegen drei frühere Top-Manager des Unternehmens hat die Staatsanwaltschaft Bonn Anklage erhoben. Den beiden Ex-Vorstandschefs Klaus Bath und Gernot Koch sowie Firmengründer Michael Josten werfen die Ermittler Insolvenzverschleppung und gewerbsmäßigen Betrug in 241 Fällen vor. Das teilte die Behörde mit. Von den Betroffenen war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten.

Die Teldafax Holding war nach den Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft spätestens Mitte 2009 zahlungsunfähig und überschuldet. Teldafax hatte aber erst zwei Jahre später, im Juni 2011, Zahlungsunfähigkeit angemeldet. Im September des gleichen Jahres wurde vom Amtsgericht Bonn das Insolvenzverfahren eröffnet. Außerdem hätten es die Angeschuldigten versäumt, Bilanzen des Vermögens für die Jahre 2008 bis 2010 aufzustellen. Die Buchhaltung habe in "keinster Weise den Grundsätzen ordnungsgemäßer Buchführung" entsprochen, monierten die Ermittler. In besonders schweren Fällen kann nach dem Strafgesetzbuch ein Bankrott mit Freiheitsstrafen von bis zu zehn Jahren bestraft werden.

Kundenwachstum über alles

Mit rund 700 000 Gläubigern ist die Pleite des Unternehmens aus Troisdorf bei Bonn der Firmenzusammenbruch in Deutschland mit den meisten Betroffenen. Der Stromversorger war durch seine Strategie, mit günstigen Vorkassetarifen und Niedrigpreisen Konkurrenten auszustechen, in Bedrängnis geraten. Es sei nur darum gegangen, viele neue Kunden zu gewinnen, erklärte Insolvenzverwalter Biner Bähr im Herbst 2011 auf der Gläubigerversammlung.

Energie wurde billiger verkauft als eingekauft - eine Strategie, die am Ende nicht aufgehen konnte. Von Beginn an hätten die Vorstände eine verschlechterte Finanzierungsstruktur in Kauf genommen, hieß es in der Mitteilung der Staatsanwaltschaft weiter. Nach Einschätzung des Insolvenzverwalters vom November 2011 könnten sich die Schulden von Teldafax am Ende des Verfahrens auf eine halbe Milliarde Euro belaufen. Ein Ende des Verfahrens ist derzeit nicht absehbar.

Im November vergangenen Jahres war Vorstands-Chef Gernot Koch von einem Amtsgericht in Niedersachsen zu einer Schadensersatzzahlung von 549,17 Euro verurteilt worden. Das war der erste Fall, in dem ein ehemaliger Vorstandschef von Teldafax persönlich für den Schaden eines geprellten Kunden haftbar gemacht wurde.

Quelle: n-tv.de

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