Wirtschaft
F-15 aus dem Hause Boeing: Als SE-Version (Silent Eagle) war sie bisher im Rennen um einen milliardenschweren Rüstungsauftrag aus Südkorea.
F-15 aus dem Hause Boeing: Als SE-Version (Silent Eagle) war sie bisher im Rennen um einen milliardenschweren Rüstungsauftrag aus Südkorea.(Foto: picture alliance / dpa)

EADS/BAE gegen Lockheed Martin: Boeing stürzt bei Kampfjet-Großauftrag ab

Der F-35A ist der derzeit einzige fertigentwickelte Kampfjet der fünften Generation am Markt. Lockheed Martin hat ihn im Programm. Er ist der große Eurofighter-Konkurrent im Kampf um einen Milliardenauftrag aus Südkorea. Dagegen ist Boeing aus dem Rennen, für Experten keine Überraschung.

Der europäische Rüstungs- und Luftfahrtkonzern EADS ist wieder im Rennen um den größten Kampfjet-Großauftrag seit Jahren: Südkorea will das bislang 7,7 Milliarden Dollar schwere Projekt überraschend neu ausschreiben. Das Land erteilte damit dem als Favoriten gehandelten Bewerber Boeing und dessen F-15SE eine Absage. Das Verteidigungsministerium begründete die Entscheidung damit, dass der Kampfjet mit Blick auf die Herausforderungen aus Nordkorea nicht den technischen Anforderungen entspreche.

 Als Favorit gilt Experten zufolge nun der US-Rüstungskonzern Lockheed Martin. Dessen hochmoderne F-35A ist der derzeit einzige fertigentwickelte Kampfjet der fünften Generation am Markt, die über ausgeklügelte Radartarnausrüstung und komplexe Computertechnik verfügt. Das Eurofighter-Konsortium um EADS erklärte, es wolle ebenfalls bieten.

Kampf der Kürzel

Lockheed Martin und das Eurofighter-Konsortium hatten auch bisher schon an der Ausschreibung teilgenommen, allerdings waren ihre Angebote zu teuer. Offerten, die die südkoreanische Budgetgrenze überschreiten, dürfen per Gesetz nicht berücksichtigt werden. Die südkoreanische Regierung will nun rasch ein neues Ausschreibungsverfahren auf den Weg bringen und auch Anpassungen des Budgets prüfen. Es könnte den Angaben nach ein Jahr dauern, bis die neue Bieterrunde abgeschlossen ist. Ein Sprecher der EADS-Rüstungssparte Cassidian sagte, er freue sich, dass die südkoreanischen Behörden nun nicht mehr ausschließlich den Preis in den Vordergrund stellten.

Video

Das Eurofighter-Konsortium wirbt weltweit um neue Kunden für den Kampfflieger und gewann sie zuletzt vor allem in der Golfregion. Indien und die Schweiz entschieden sich hingegen für Konkurrenzmodelle. Der Eurofighter Typhoon, der seine Feuertaufe im Libyen-Konflikt erlebte, wird seit 2003 gemeinsam von einem Herstellerkonsortium um EADS und die britische BAE gebaut. Ein Markterfolg in Südkorea wäre eine Überraschung, da das Land im Konflikt mit seinem nördlichen Nachbarn seit Jahrzehnten eng mit den verbündeten USA zusammenarbeitet.

Juristisches Nachspiel denkbar

Boeing nahm die Entscheidung mit großem Bedauern auf. Man sei sehr enttäuscht, erklärte der EADS-Rivale. Das Unternehmen betonte, es habe alle Anweisungen der zuständigen südkoreanischen Behörde DAPA während des gesamten Prozesses befolgt. "Wir warten auf weitere Angaben von der Behörde und prüfen unsere Optionen", erklärte Boeing. Ein Sprecher der Dapa stellte fest, Südkorea habe sich an die Regeln gehalten. Zu möglichen rechtlichen Schritten von Boeing wollte er sich nicht äußern.

Zuletzt waren in der südkoreanischen Regierung erhebliche Zweifel an den Fähigkeiten des F-15 Silent Eagle (SE) aufgekommen, etwa dass der Boeing-Kampfjet nicht über Tarnkappenfähigkeiten verfügt. Die Chancen für Lockheed Martin, nun doch noch zum Zug zu kommen, stehen Experten zufolge gut. Das Unternehmen hat erst jüngst neue Aufträge für seinen F-35 an Land gezogen, etwa aus den Niederlanden. Auch Großbritannien, Australien, Italien, Norwegen, Israel und Japan haben das Modell bestellt. Eine höhere Produktion könnte dem Unternehmen Luft verschaffen, den Preis in der Offerte für Südkorea zu senken.

Bilderserie

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen