Wirtschaft
Gegen Facebook wurden bereits etliche Anzeigen eingebracht.
Gegen Facebook wurden bereits etliche Anzeigen eingebracht.(Foto: picture alliance / dpa)

Studenten gegen Daten-Schlamperei: Facebook soll vor Gericht

Datenschutz bleibt die Achillesferse von Facebook: Studenten bemängeln "extreme Schlampereien" und wollen vor Gericht. Um ein langes Verfahren durchstehen zu können, rufen sie zu Spenden auf. Facebook schaltet wenigstens die kritisierte Gesichtserkennung ab.

Facebook droht möglicherweise ein langwieriges Gerichtsverfahren in Europa: Die österreichische Studentengruppe "Europe-v-Facebook" will gegen die Internet-Kontaktplattform wegen des Vorwurfs von mangelndem Datenschutz vor Gericht ziehen, wie die Gruppe mitteilte. "Das Verfahren könnte zu einem der größten Musterverfahren im Bereich Datenschutz werden und hätte gute Chancen bis zum Europäischen Gerichtshof zu laufen", hieß es in der Mitteilung.

Die Studentengruppe dringt seit längerem auf einen besseren Datenschutz für Facebook-Nutzer. Etliche Anzeigen wurden bereits gegen die Internetplattform eingebracht. Seither kümmert sich die zuständige Datenschutzbehörde in Irland um den Fall - dort hat die Europa-Tochter von Facebook ihren Sitz.

Zwar habe Facebook nun auf einige der Kritikpunkte reagiert und beispielsweise die Gesichtserkennung abgeschaltet, Daten gelöscht und die Datenschutzrichtlinie geändert, erklärten die Studenten. Dies sei jedoch nicht ausreichend. "Bei genauerer Untersuchung traten teilweise extreme Schlampereien hervor", teilten sie mit. Weil eine "rechtskonforme Lösung vor der irischen Datenschutzbehörde" derzeit nicht absehbar sei, bereite sich "Europe-v-Facebook" auf ein Gerichtsverfahren vor.

Spendenaufruf für die Klage

Offen ist aber noch, wie die Studenten die Klage finanzieren. Nach Einschätzung des Leiters der Initiative, Max Schrems, dürften die Studenten rund 100.000 Euro benötigen - die sie unter anderem über eine Spendenplattform im Internet einsammeln wollen.

Facebook ist immer wieder mit dem Vorwurf mangelnden Datenschutzes konfrontiert. Zuletzt hatte auch der deutsche Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich europaweit einheitliche und schärfere Regeln für Suchmaschinen und soziale Netzwerke wie Google oder Facebook gefordert. Damit will er erreichen, dass die Konzerne nicht unbegrenzt Daten über ihre Nutzer speichern.

User sollen über Regeln abstimmen

Facebook hat derweil die wohl letzte Nutzer-Abstimmung über wichtige Regeländerungen gestartet. Die mehr als eine Milliarde Nutzer haben nun eine Woche Zeit, unter anderem darüber zu entscheiden, ob solche Abstimmungen abgeschafft werden. Das Online-Netzwerk will auf das Mitspracherecht verzichten, nachdem bei der vergangenen Meinungsäußerung nur 0,04 Prozent der Mitglieder teilgenommen hatten.

Die Hürde für einen Erfolg einer Facebook-Abstimmung ist hoch: Es müssen 30 Prozent aller Mitglieder teilgenommen haben. Das wären aktuell über 300 Millionen Menschen. Facebook will die Abstimmungen unter anderem durch neue Gelegenheiten ersetzen, direkt Fragen an die Verantwortlichen für Datenschutz zu stellen. In den ersten Stunden seit Beginn der Abstimmung am späten Montag stimmten rund 19.000 Nutzer gegen die neuen Regeln und nur gut 2200 dafür. Dass es überhaupt zu einer Abstimmung kommt, bedeutet, dass mindestens 7000 Mitglieder einen Kommentar dazu abgegeben haben.

Facebook will mit der Regeländerung auch einige Datenschutz-Einstellungen erneuern. So behält sich das Online-Netzwerk das Recht vor, Daten mit anderen Firmen im Konzernverbund zu teilen - was angesichts von Übernahmen wie etwa dem Kauf des Fotodienstes Instagram notwendig wurde. Auch wird jetzt klarer darauf hingewiesen, dass andere unter Umständen weiterhin Informationen sehen können, die man aus dem eigenen Profil entfernt hat. Dies hatte die zuständige irische Datenschutzbehörde gefordert.

Interesse an WhatsApp

Unterdessen machen spektakuläre Übernahmegerüchte die Runde. Wie das US-Technikmagazin "Techcrunch" am Vortag verbreitete, möchte Facebook WhatsApp kaufen. In welchem Stadium sich die Verhandlungen befinden sowie der mögliche Preis sind nicht bekannt. Facebook-Chef Mark Zuckerberg hatte kürzlich betont, das kommende "große Ding" seien mobile Dienste.

Quelle: n-tv.de

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