Wirtschaft
Fed-Chefin Yellen hat noch eine Menge Arbeit vor sich.
Fed-Chefin Yellen hat noch eine Menge Arbeit vor sich.(Foto: picture alliance / dpa)

Sorge um globales Wachstum: Fed sieht mehr und mehr Risiken

Die Weltwirtschaft zeichnet kein schönes Bild. China schwächelt, die Eurozone auch. Aber nicht nur das stößt den US-Notenbankern sauer auf. Die geopolitische Gemengelage befeuert ebenso Ängste wie ein erstarkender Dollar. Optimismus gibt es kaum.

Bei den US-Notenbankern steigt die Sorge um die heimische Wirtschaft. Es geht ihnen vor allem um das schwache Wachstum in Übersee und den festeren Dollar, wie aus dem Protokoll der Ratssitzung am 16. und 17. September hervorgeht. Das enttäuschende Wachstum in Europa, Japan und China könnte die US-Exporte belasten, so die Befürchtung. Gleichzeitig könnte die erstarkende Währung, die für eine Verbilligung importierter Güter und Dienstleistungen sorgt, die Inflation unterhalb des Fed-Zielwerts von 2 Prozent halten. Die kollektive Sorge ist ein weiterer Grund für die Fed, die Zinsen auf einem Niveau nahe Null zu halten, auch wenn sich die heimische Wirtschaft erholt.

"Einige Teilnehmer gaben ihrer Sorge Ausdruck, dass die anhaltende Schwäche bei Wachstum und Inflation in der Eurozone zu einer weiteren Stärkung des Dollars führen könnte", so das Protokoll. Das könne sich dann negativ auf die US-Wirtschaft auswirken. "Mehrere Teilnehmer fügten hinzu, dass das langsamere Wirtschaftswachstum in China oder Japan oder unerwartete Ereignisse im Nahen Osten oder der Ukraine ein ähnliches Risiko darstellen könnten."

"Geraume Zeit"

Die erhöhte Sorge um das globale Wachstum und die wirtschaftlichen Auswirkungen eines starken Dollars bringen einen neuen Dreh in die laufende Debatte innerhalb der US-Notenbank darüber, wann die Zinsen erhöht werden sollen.

Seit März verspricht Fed-Chefin Janet Yellen, dass der Leitzins noch "geraume Zeit" nach dem Ende des Kaufprogramms konstant bleiben wird. Trotz vielfältiger Äußerungen von Fed-Vertretern rätseln Anleger aber immer noch, wann die Fed zu ihrer ersten Zinserhöhung nach der großen Finanzkrise schreiten wird.

Viele Experten rechnen damit, dass die Zinswende erst Mitte 2015 kommen wird. Der sich erholende US-Arbeitsmarkt hat aber einige Fed-Vertreter dazu bewogen, sich für eine frühere Zinserhöhung stark zu machen.

Bei der Sitzung im September gab es auch Anzeichen, dass die Fed die Zinszügel im nächsten Jahr etwas stärker anziehen könnte als bis dahin unterstellt. Aus den Prognosen der Währungshüter ging hervor, dass die große Mehrheit bis Ende 2015 mit einem Zinsniveau von 1,375 Prozent rechnet. Im Juni waren es nur 1,125 Prozent gewesen.

Inflationsentwicklung im Blick

Das Protokoll zeigte nun deutlicher als zuvor, dass die Sorgen der Fed-Vertreter um das globale Wachstum und die Auswirkungen einer starken Währung auf die Inflation den Notenbankern in Bezug auf eine rasche Zinserhöhung zu denken geben.

Der Euro hat dieses Jahr gegenüber dem Dollar bislang fast 8 Prozent nachgegeben, vor allem seit Juni ging es mit der Gemeinschaftswährung abwärts. Es gibt zwar auch Vorteile einer starken Währung. Sie sorgt für Kapitalzuflüsse, die die heimische Investitionstätigkeit anregen. Sie hält die Inflation niedrig und nimmt den Druck von der Zentralbank, die Zinsen zu erhöhen. Die Notenbanker versuchen allerdings, die Inflation zu steigern und nicht zu drücken. Sie liegt bereits seit mehr als zwei Jahren unterhalb des Fed-Zielwertes von 2 Prozent.

Angesichts der zunehmend festeren US-Konjunktur haben die Währungshüter in diesem Jahr bei jeder Sitzung die Käufe von Staats- und Hypothekentitel um jeweils 10 Milliarden Dollar gedrosselt. Sollte sich der Arbeitsmarkt wie erwartet entwickeln, will die Fed die Käufe im Oktober gänzlich einstellen.

Quelle: n-tv.de

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