Wirtschaft
Eine Erhöhung des Leitzinses kommt frühestens im Juni.
Eine Erhöhung des Leitzinses kommt frühestens im Juni.(Foto: picture alliance / dpa)

Wert bleibt auf historischem Tief: Fed erhöht Leizinsen frühestens im Juni

Die Federal Reserve Bank belässt die Leitzinsen auf dem historischen Tiefstand von 0,0 bis 0,25 Prozent. Frühestens im Juni will die Notenbank die Zinsen wieder erhöhen.

Die US-Zentralbank steuert ohne Eile auf die Zinswende zu. Im Begleittext zum Zinsbeschluss erneuerten die Währungshüter unter dem Vorsitz von Fed-Chefin Janet Yellen die Aussage, dass sie bei der Straffung der Geldpolitik "geduldig" sein können. Diese erst im Dezember gefundene Formulierung lässt darauf schliessen, dass die erste Zinserhöhung nach der globalen Finanzkrise frühestens im Juni ansteht, womöglich auch später.

"Die Inflation hat weiter nachgegeben und ist noch tiefer unter den Zielwert gesunken, was hauptsächlich den fallenden Ölpreisen geschuldet ist", hieß es im Text. "Auf kurze Sicht dürfte die Inflation weiter sinken." Der Beschluss, an dem gegenwärtigen Zinsniveau festzuhalten, fiel einstimmig. Im Dezember hatten noch drei Ratsmitglieder ein abweichendes Votum abgegeben.

Nach Ansicht von Josh Shapiro, Chefökonom bei MFR Inc., "bleibt eine Zinserhöhung im Juni zwar auf dem Tisch, doch es bleibt genug Zeit für die Fed-Offiziellen, den Kurs zu ändern, wenn sie es wollen."

Erste Schritte für Zinserhöhung

"Obwohl sich am Text wenig geändert hat, kann die Erklärung als ein leichter Schwenk zu einer mehr taubenhaften Haltung gewertet werden", meinte Michael Arone, Chefstratege für den Vermögensverwalter State Street Global Advisors. "Selbst wenn die Inflation steigt und näher an das Ziel heranrückt, dürfte die Fed danach für eine Weile eine lockere Geldpolitik fahren."

Seit Ende 2008 liegt der Leitzins auf dem Rekordtief von null bis 0,25 Prozent. Die ersten Schritte für eine straffere Geldpolitik hat die Fed bereits getan. Im Oktober vergangenen Jahres ließ sie ihr massives Kaufprogramm für Staats- und Hypothekentitel auslaufen. Im Dezember stimmte sie die Märkte mit einer neuen Sprachpolitik auf eine Zinserhöhung ein.

Bislang hatten die meisten Börsianer und Experten damit gerechnet, dass die Fed im Sommer 2015 die Zinsschraube anziehen wird. Doch mit den zuletzt schwächeren Wirtschaftsdaten und insbesondere der sinkenden Inflationsrate wird ein späterer Zeitpunkt zunehmend für möglich gehalten.

Vollbeschäftigung rückt näher

Das Urteil der Währungshüter zur Wirtschaft viel etwas besser aus, sie wachse mit einem "soliden Tempo". Bislang hatte die Fed immer von einem "moderaten Aufschwung" gesprochen. Zudem wurden "starke Stellenzuwächse" am Arbeitsmarkt vermerkt, zuvor war die Rede von einem "Rückgang der Unterauslastung".

Angesichts des anhaltenden Aufschwungs in den USA kommt die Fed ihrem Ziel der Vollbeschäftigung immer näher. Wie alle anderen großen Zentralbanken steht die Fed allerdings vor dem Problem, dass die Inflation niedriger als erwünscht ist. Der starke Dollar und die fallenden Ölpreise dämpfen die Inflation spürbar. Damit steht die Fed vor einem Dilemma: Der robuste Zustand der Wirtschaft ruft nach einer Zinserhöhung, doch die sinkende Inflation spricht für Zurückhaltung.

Wegen der niedrigen Inflation fahren die Europäische Zentralbank (EZB), die Bank of Japan und die Bank of England derzeit einen gegenläufigen Kurs. Die EZB hat die Geldschleusen weit geöffnet, die japanische Notenbank steuert auf eine weitere Lockerung im April zu, in Großbritannien dürfte der rekordtiefe Leitzins noch bis zur Jahresmitte 2016 bleiben.

An den Aktien- und Devisenmärkten fielen die Reaktionen auf die Fed-Beschlüsse insgesamt moderat aus. Der Dow-Jones-Index gab seine Gewinne ab und zeigte sich unverändert bei 17.389 Punkten, nach 17.424 Punkten vor der Fed-Entscheidung. Der Euro notierte bei 1,1315 Dollar und damit leicht unter dem Niveau vor den Aussagen der US-Notenbank. Der Preis für die Feinunze Gold gab um 2 Dollar auf 1.284 Dollar nach, die Rendite für die zehnjährigen US-Anleihen verlor mit den Fed-Aussagen vier Basispunkte und liegt nun bei 1,74 Prozent.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen