Wirtschaft
Bernanke zeigt, wo es lang geht.
Bernanke zeigt, wo es lang geht.(Foto: REUTERS)

Niedriger Zins bis Mitte 2015: Fed flutet weiter

Die US-Konjunktur darbt, der Arbeitsmarkt auch: Die Fed hält deshalb an ihrer freizügigen Geldpolitik fest und will die Wirtschaft so zurück auf Kurs bringen. Das versucht sie auch, indem sie einen dauerhaften Niedrigzins bis weit ins Jahr 2015 hinein verspricht - sollte sich nichts Gravierendes ändern.

Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) lässt ihre Geldschleusen offen. Einen Monat, nachdem der Offenmarktausschuss FOMC nach langer Überlegung sein drittes Wertpapierkaufprogramm ("Quantitative Easing" - QE3) in Gang gesetzt hat, gab das Gremium keine Änderungen an dem Programm bekannt, das monatliche Käufe von mit Hypotheken besicherten Wertpapieren (MBS) für 40 Mrd. Dollar vorsieht. Wie erwartet ließ der FOMC auch den Leitzins unverändert bei 0,00 bis 0,25 Prozent und erneuerte seine bis Mitte 2015 reichende Niedrigzinszusage. Jeffrey Lacker, der Präsident der Richmond Fed, stimmte wie gewöhnlich dagegen.

Niedriger Zins bis 2015

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In seinem geldpolitischen Statement erklärte der FOMC, sollte sich der Ausblick für den Arbeitsmarkt nicht deutlich verbessern, werde das Gremium seine MBS-Käufe fortführen, andere Wertpapiere kaufen und alle verfügbaren Instrumente einsetzen, um die angestrebte Besserung bei Bewahrung der Preisstabilität zu erreichen.

Die Verlängerung der Restlaufzeiten der in der Fed-Bilanz befindlichen Papiere ("Operation Twist") soll bis Jahresende fortgeführt werden. Außerdem sollen Einnahmen aus fällig werdenden Wertpapieren in den Kauf neuer Papiere investiert werden.

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Die Währungshüter sagten zudem zu, dass sie ihre wachstumsfördernde Geldpolitik auch dann noch für beträchtliche Zeit aufrecht halten wollen, wenn sich die Konjunkturerholung bereits verstärkt hat. Man gehe davon aus, dass der Leitzins mindestens bis Mitte 2015 außerordentlich niedrig bleiben könne.

Verbesserungen am Arbeitsmarkt

Laut FOMC ist das Wirtschaftswachstum in den USA in den vergangenen Monaten schwach gewesen. Allerdings rechnen Beobachter damit, dass das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im dritten Quartal etwas stärker als im zweiten gewachsen ist. Das Beschäftigungswachstum bezeichnete der FOMC ungeachtet der zuletzt etwas höheren Zahlen als niedrig und die jüngst überraschend gefallene Arbeitslosenquote als erhöht.

"Das Komitee bleibt besorgt, dass das Wirtschaftswachstum ohne ausreichende geldpolitische Unterstützung nicht stark genug ist, um für eine nachhaltige Verbesserung der Situation am Arbeitsmarkt zu sorgen", erklärte Fed-Chef Ben Bernanke. Etwas besser sieht es nach Einschätzung der Zentralbank allerdings inzwischen beim privaten Konsum aus, traditionell die Stütze der Konjunktur in den Vereinigten Staaten. Der Konsum sei zuletzt "etwas schneller gewachsen", hieß es.

Die Arbeitslosenquote war im September unerwartet gesunken und der Beschäftigungszwachs in den vergangenen Monaten stärker als bisher angenommen. Auch die Lage am Wohnungsmarkt hat sich gebessert. Beobachter gehen inzwischen davon aus, dass die Wende auf diesem Markt geschafft ist. Dafür sprechen Hausverkäufe und Hauspreise. QE3 dürfte dazu allerdings noch gar nicht beigetragen haben, obwohl die langfristigen Hypothekenzinsen seit August um ca 20 Basispunkte gesunken sind.

Wo die US-Wirtschaft derzeit steht, dürfte der erste BIP-Ausweis für das dritte Quartal zeigen, der am Freitag veröffentlicht wird. Volkswirte erwarten, dass das Bruttoinlandsprodukt (BIP) gegenüber dem Vorquartal um annualisiert 1,8 Prozent gestiegen ist. Das wäre mehr als im zweiten Quartal, als die Wirtschaft aufs Jahr hochgerechnet um 1,3 Prozent gewachsen war.

Interessant wird dabei auch mit Blick auf die Krisenbewältigung sein, welchen Beitrag die Bauwirtschaft zum Wachstum geleistet hat und wie stark die US-Ausfuhren unter dem sich abschwächen Wachstum der Weltwirtschaft gelitten hat.

An den Finanzmärkten löste die Veröffentlichung des gegenüber dem Vormonat nahezu unveränderten FOMC-Statements keine größeren Reaktionen aus. Der Dow Jones Industrial notierte nahezu unverändert.

Bernanke auf dem Sprung?

Zu einem Berichten über seinen möglichen Rücktritt äußerte sich Bernanke nicht. Laut nicht dementiertem Bericht der "New York Times" vom Dienstag, hat er engen Freunden anvertraut, dass er unabhängig vom Ausgang der Präsidentenwahl wahrscheinlich mit dem Ende seiner zweiten Amtszeit im Januar 2014 abtreten wird. Der republikanische Präsidentschaftsbewerber Mitt Romney hat bereits angekündigt, im Falle seines Wahlsieges am 6. November seinen Parteifreund Bernanke nicht erneut zu nominieren. Viele Republikaner kritisieren Bernanke wegen seiner expansiven Geldpolitik scharf, weil sie mittelfristig massive Inflation fürchten.

Laut der Zeitung könnte Ex-Finanzminister Lawrence Summers Bernankes Nachfolger werden, falls Präsident Barack Obama die Wahl gewinnt. Auch Bernankes aktuelle Stellvertreterin, Janet Yellen, käme demnach für den Spitzenposten in Betracht. Sollte Romney das Rennen machen, könnte Glenn Hubbard, der frühere Top-Wirtschaftsberater von George W. Bush, Bernanke beerben. Der bekannte Wall Street-Investor Warren Buffett erklärte unterdessen am Mittwoch in einem Interview, er hoffe, Bernanke bleibe noch eine dritte Amtszeit. Es gebe derzeit keinen Besseren für die Position des Notenbankchefs.

Quelle: n-tv.de

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