Wirtschaft
Alles wir erwartet: Und trotzdem wirkt der Fed-Entscheid wie ein Krisensignal.
Alles wir erwartet: Und trotzdem wirkt der Fed-Entscheid wie ein Krisensignal.(Foto: dpa)

US-Notenbank im Krisenmodus: Fed hält am Niedrigzins fest

Nach dem Japan-Schock an den Aktienmärkten halten die Währungshüter in Washington beide Füße auf dem geldpolitischen Gaspedal: Wie an den Märkten erwartet, bleibt der Leitzins unverändert auf historisch niedrigem Niveau.

Das Hauptgebäude der Federal Reserve in Washington: Hier tagt der Offenmarktausschuss.
Das Hauptgebäude der Federal Reserve in Washington: Hier tagt der Offenmarktausschuss.(Foto: picture alliance / dpa)

Der US-Leitzins verharrt erwartungsgemäß auf seinem historischen Tiefstand: Die Notenbank Federal Reserve (Fed) hält den für den Dollarraum maßgeblichen Zins weiterhin in der extrem niedrigen Spanne zwischen 0,0 und 0,25 Prozent. Das teilt die Fed nach einer regulären Sitzung des zuständigen Offenmarktausschusses FOMC mit.

Die konjunkturelle Entwicklung der US-Wirtschaft halten die Notenbanker für stabil. "Die ökonomische Erholung steht auf festeren Füßen und die Bedingungen auf dem Arbeitsmarkt scheinen sich insgesamt schrittweise zu verbessern", schrieben die Fed-Banker im Begleittext zum Zinsentscheid. Etwas sorgenvoll blickt die Zentralbank jedoch auf die steigenden Energiepreise angesichts der Unruhen im Mittleren Osten und Nordafrika.

Die höheren Rohstoffkosten sorgten für Inflationsdruck, hieß es aus Washington. Allerdings sei zu erwarten, dass es sich um vorübergehende Effekte handele und die Inflation auf lange Sicht weiterhin stabil auf einem niedrigen Niveau bleibe. Den infolge des höheren Ölpreises gestiegenen Inflationsdruck wollen die Notenbanker genau im Auge behalten. Einstweilen geht man in der Fed davon aus, dass die Auswirkungen auf die Preise nur vorübergehend sind. Commerzbank-Experte Bernd Weidensteiner rechnet damit, dass die Fed erst Anfang 2012 an der Zinsschraube drehen werden: "Das Tempo der wirtschaftlichen Erholung ist weiterhin relativ moderat, es gibt noch genügend freie Kapazitäten. Die Fed steht daher kaum unter Druck, die Zinsen rasch anzuheben."

Anders sieht man das bei Europäischen Zentralbank: Diese hat wegen des vom teuren Öl getriebenen Inflationsdrucks eine baldige Erhöhung ins Auge fasst. Derzeit liegt der Leitzins im Euroraum noch bei 1,0 Prozent. Bei einer Anhebung würde sich der Zinsabstand zwischen den großen Währungsräumen ausweiten und der Euro für Anleger an Attraktivität gewinnen.

Milliarden für US-Staatsanleihen

Die US-Zentralbanker um Fed-Gouverneur Ben Bernanke machten nun zudem deutlich, ihre im November angekündigte geldpolitische Lockerung fortsetzen zu wollen. Sie will weiter bis zum Ende des zweiten Quartals dieses Jahres 600 Mrd. Dollar Staatsanleihen kaufen, um die langfristigen Zinsen zu drücken und damit die Nachfrage zu erhöhen. Die Entscheidung dafür war erneut einstimmig.

Falls die Japan-Krise oder die Unruhen in den arabischen Ölländern ihr keinen Strich durch die Rechnung machen, könnte die Notenbank ihr Stützungsprogramm wie geplant Mitte 2011 beenden: "Die Fed denkt wahrscheinlich derzeit eher nicht über eine dritte Runde an Staatsanleihekäufen nach", meint Analyst Dimitri Delis von BMO Capital Markets.

Wenn das 600 Mrd. Dollar schwere Bond-Ankaufprogramm ausläuft, wird die Fed seit Beginn der Krise insgesamt die gewaltige Summe von 2,3 Billionen Dollar in die Wirtschaft gepumpt haben. Ökonom Harm Bandholz von der Großbank Unicredit hält es aber nicht für ausgeschlossen, dass Bernanke im Sog der Entwicklungen in Japan nachlegt: "Die Fed könnte sich letztlich doch dafür entscheiden, wie die Bank of Japan noch mehr Liquidität bereitzustellen, um die Aktien- und Anleihenmärkte zu stützen."

Quälende Japan-Sorgen

An den Aktienmärkten gären unter Anlegern die Sorge, dass die Krise in Japan der Weltkonjunktur einen schweren Schlag versetzen könnte. Die Furcht vor einer Atomkatastrophe in dem Fernost-Land hatte die US-Börsen zu Handelsbeginn auf Talfahrt geschickt. Die Kurse blieben auch nach dem Zinsentscheid im Minus, verringerten aber ihre Verluste. Händler führten dies auch auf die optimistischere Konjunktureinschätzung der Fed zurück.

Im Rahmen ihrer aktuellen Sitzung bestätigte die Federal Reserve zudem die Zinsspanne, die sie im Dezember 2008 als Reaktion auf die schwere Wirtschaftskrise festgelegt hatte. Mit einer Anhebung rechnen Experten wegen des langsamen Konjunkturaufschwungs der größten Volkswirtschaft der Welt frühestens 2012. Vor Beginn der Krise im Sommer 2007 hatte der Zinssatz noch bei 5,25 Prozent gelegen. Die Notenbanker signalisierten den Märkten, dass sie den Leitzins noch geraume Zeit niedrig halten werden.

Der Dollar bewegte sich nach dem Fed-Entscheid kaum. Die US-Aktienmärkte blieben unverändert moderat im Minus. Die Furcht vor einer Atomkatastrophe in Japan hatte die US-Börsen zu Handelsbeginn auf Talfahrt geschickt. Auch der deutsche Leitindex Dax hatte zeitweise kräftige Kursverluste hinnehmen müssen und schließlich 3,2 Prozent im Minus geschlossen.

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Quelle: n-tv.de

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