Wirtschaft
Um die Fed ranken sich viele Gerüchte. Richtig ist: Sie ist keine Behörde, sondern eine Privatveranstaltung. 100 Prozent der Fed-Anteile liegen in den Händen privater Banken. Kein einziger Anteil wird von der Regierung gehalten.
Um die Fed ranken sich viele Gerüchte. Richtig ist: Sie ist keine Behörde, sondern eine Privatveranstaltung. 100 Prozent der Fed-Anteile liegen in den Händen privater Banken. Kein einziger Anteil wird von der Regierung gehalten.(Foto: picture alliance / dpa)

Bald höhere Zinsen in den USA?: Fed heizt Spekulationen an

Zinserhöhungen sind in den USA mittlerweile kein Unwort mehr. Möglicherweise kommen sie sogar schneller als gedacht. Ganz sicher sind sich aber selbst die Experten nicht. Wer beim Zinsthema mitreden will, sollte ein paar Dinge wissen.

Nach der historischen Zinssenkung der Europäischen Zentralbank schielen Volkswirte und Finanzmanager jetzt in aller Welt auf die US-Notenbank Federal Reserve (Fed). Auch jenseits des Atlantiks deuten sich bahnbrechende Entscheidungen an - die Frage ist nur, wann. Möglicherweise dauert es ein bisschen länger.

Was macht diese Zinssitzung der Fed so spannend?

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Es sind nicht die konkreten Entscheidungen der Sitzung des Offenmarktausschusses, die interessieren, denn historische Beschlüsse wie zuletzt bei der EZB werden noch nicht erwartet. Heute sind es vielmehr die Aussagen zwischen den Zeilen, die weltweit für Schlagzeilen sorgen dürften. Diese vagen Andeutungen haben die globalen Finanzmärkte schon häufig in helle Aufregung versetzt.

Was erhoffen sich die Marktbeobachter?

Die Zentralbanker geben ihre Bewertung der wirtschaftlichen Zukunft zu Protokoll. Änderungen zu früheren Einschätzungen lassen erkennen, ob sie zwischenzeitlich optimistischer oder pessimistischer geworden sind. Das kann letztlich auch Auswirkungen auf ihre Geldpolitik haben. Zudem erneuern sie ihren Tipp, wie sich der Leitzins auf lange Sicht entwickelt. Ferner hat die Fed-Vorsitzende Janet Yellen bei ihrer Pressekonferenz die Chance, der Öffentlichkeit Hinweise zu geben. Für die Märkte sind das oft schon genügend Anhaltspunkte, um auszuschlagen.

Steigen die Zinsen jetzt bald oder nicht?

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Dass die US-Notenbank den Leitzins nicht ewig bei fast null Prozent halten will, wo er seit Ende 2008 liegt, hat sie bereits klargemacht. Es gibt aber keine Anhaltspunkte für eine rasche Anhebung. Bislang herrscht an den Finanzmärkten und bei den meisten Analysten die Überzeugung, dass die Fed noch mindestens bis Mitte 2015 an ihrem historischen Niedrigzins zwischen null und 0,25 Prozent festhalten dürfte.

Was hält die Fed von Zinserhöhungen ab?

Die amerikanische Zentralbank hat zwei Ziele: Für Vollbeschäftigung sorgen und die Inflation im Zaum halten. Solange sie die Arbeitslosigkeit in der größten Volkswirtschaft der Welt für zu hoch und die Teuerungsrate für unproblematisch hält, sieht sie keinen Anlass für Zinserhöhungen. Schließlich soll der niedrige Zins helfen, die Konjunktur zu stärken. Die jetzige Erwerbslosenquote von 6,3 Prozent ist im historischen Vergleich sehr hoch, zudem besteht ein Problem mit der Langzeitarbeitslosigkeit. Das Minus beim Bruttoinlandsprodukt im ersten Quartal war ebenfalls kein gutes Signal.

Warum rechnen einige Experten dennoch mit einer früheren Zinswende?

Ein Grund ist der deutliche Anstieg der Inflation. Im Mai ist die jährliche Teuerungsrate auf 2,1 Prozent geklettert - und damit erstmals seit Oktober 2012 über den Zielwert der Fed. Das erhöht den Druck auf ihre Mitglieder, über Zinserhöhungen nachzudenken. Zudem ist die Arbeitslosenquote schneller gesunken, als es die Zentralbank bisher prognostizierte: Bei 5,5 Prozent gilt ihr Ziel quasi als erreicht.

Und was könnte bei einer Anhebung passieren?

Die hauptsächliche Sorge ist, dass höhere Zinsen das Wachstum abwürgen könnten. Teurere Kredite für Firmen und Hauskäufer könnten Investitionen verhindern, ein stärkerer Dollar könnte Exporte schwächen. Auch an den Aktienmärkten dürfte das nicht spurlos vorbeigehen. Denn bislang wurde die Rally an den Börsen hauptsächlich vom billigen Geld der Notenbanken angetrieben. Auch könnten Investoren Kapital aus Schwellenländern abziehen, um es wieder einträglicher zu Hause anzulegen - gefährlich für Staaten, deren Wachstum von Liquidität aus dem Ausland abhängt. Der Internationale Währungsfonds riet der Fed daher jüngst, bei Zinserhöhungen lieber ganz vorsichtig zu sein.

Quelle: n-tv.de

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