Wirtschaft
Und so erfahren es die Händler an der New Yorker Wall Street: "UNCH" steht für "unchanged" (deutsch: unverändert).
Und so erfahren es die Händler an der New Yorker Wall Street: "UNCH" steht für "unchanged" (deutsch: unverändert).(Foto: REUTERS)

Zinswende im Dezember?: Fed versetzt die Märkte in Aufruhr

Wie geht es mit dem US-Leitzins weiter? Im Oktober bewegt sich die wichtigste Stellschraube der US-Geldpolitik keinen Millimeter vom Fleck. Ein paar Worte aus der Fed jedoch genügen, um die Kurse von Dow, Euro und Gold in Bewegung zu versetzen.

Aufregung an der New Yorker Wall Street: Der Leitzins im Dollar-Raum bleibt vorerst noch auf historisch niedrigem Niveau. Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) beließ den für alle Kreditgeschäfte in den USA maßgeblichen Leitzins unverändert in der Spanne von 0,0 bis 0,25 Prozent.

Die Entscheidung gaben die Währungshüter um Fed-Chefin Janet Yellen nach ihrer regulären Oktober-Sitzung des zuständigen Offenmarktausschusses in Washington bekannt. Der US-Leitzins liegt seit Ende 2008 auf dem Rekordtief. An den Märkten war dieser Beschluss zwar erwartet worden.

Doch ein Detail aus dem Begleittext zur aktuellen Zinsentscheidung löste heftige Kursbewegungen aus: Mit wenigen Worten habe die Fed die Tür für eine Zinserhöhung bei ihrer nächsten Ratssitzung im Dezember geöffnet, heißt es aus dem Handel.

Der Euro rutschte zunächst massiv ab und fiel um rund 1,5 Cent von 1,1070 auf 1,0900 Dollar. Die US-Indizes an der Wall Street drehten ins Minus, der Dow-Jones-Index notierte kurz nach der Bekanntgabe des Fed-Kommentars 0,1 Prozent im Minus. Kurz zuvor hatte sich der US-Leitindex noch 0,7 Prozent im Plus gehalten. Am Abend (Ortszeit US-Ostküste) beendete der US-Leitindex den Mittwochshandel schließlich auf Tageshoch bei 17.779 Punkten - rund 1,1 Prozent im Plus. Die Notierungen der US-Staatsanleihen gaben zeitweise deutlich nach, die Rendite der zehnjährigen Treasurys stieg zunächst auf 2,10 Prozent von zuvor 2,04 Prozent. Der Preis für eine Feinunze Gold fiel in den ersten Reaktionen um rund 15 Dollar auf 1162 Dollar. All diese Kursbewegungen zeigen: Die Masse der Investoren stellt sich auf eine baldige Zinsanhebung im Dollar-Raum ein.

"Überraschend falkenhaft"

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Den Hinweis auf die Dezember-Sitzung stuften Beobachter als "überraschend falkenhaft" ein. In der Mitteilung zum Zinsbeschluss zeigten sich die US-Währungshüter weniger besorgt darüber, dass eine flaue Weltkonjunktur und volatile Finanzmärkte das Wachstum in den USA bremsen könnten.

Zugleich sprachen die Fed-Mitglieder das nächste Treffen ausdrücklich an: Die US-Notenbank werde dabei analysieren, "ob eine Zinserhöhung angebracht ist". Beobachter werteten dies als klares Signal für eine Zinswende im Dezember - falls sich an der Konjunkturlage und an den Weltmärkten nichts grundlegendes verändert.

Seit einiger Zeit herrschte große Ungewissheit an den Finanzmärkten über den künftigen Kurs der Fed. Im September sorgten schlechte Wirtschaftsdaten für einen Aufschub der lang erwarteten Zinserhöhung. Viele Investoren hatten anschließend die Fed für unterschiedliche Signale ihrer Vertreter kritisiert

Der "richtige" Zinssatz

"Der Ausschuss hat heute seine Sichtweise bekräftigt, dass der derzeitige Zinssatz von 0 bis 0,25 Prozent (...) der richtige ist", teilte die Fed nach der Oktober-Sitzung mit. Die konjunkturellen Daten in den USA hätten sich zwar "auf moderate Weise" verbessert, heißt es in einem Statement, das die Fed im Anschluss an die Beratungen verbreitete. Der Beschluss fiel mit 9 zu 1 Stimmen. Erneut stimmte Jeffrey Lacker, Präsident der Richmond-Fed, für eine geldpolitische Straffung um 25 Basispunkte.

Jüngste Entwicklungen in der Weltwirtschaft und auf den weltweiten Finanzmärkten könnten aber auch zu einer weiteren Zurückhaltung bei wirtschaftlichen Aktivitäten führen, heißt es in dem Schriftstück weiter. Dies würde vermutlich die Inflation in den USA weiter ausbremsen. Die Mitglieder des Offenmarktausschusses seien jedoch zuversichtlich, dass sich die Inflation "mittelfristig" in Richtung des Zwei-Prozent-Zieles bewege.

Anders als die Europäische Zentralbank stellen sich die Entscheidungsträger der US-Notenbank nach ihren Zinssetzung nicht der Fachpresse, um ihre Überlegungen zu erläutern. Immerhin veröffentlicht die Fed nach Sitzungen im Offenmarktausschuss mittlerweile eine kurze Stellungnahme. Aufgrund der Zeitumstellung, die in den USA eine Woche später als in Deutschland erfolgt, erreichte die Entscheidung der Fed die Märkte um kurz nach 19.00 Uhr (MEZ).

(Hinweis für Mobilnutzer: Die Infografik zur Euro/Dollar-Zinsschere finden Sie hier.)

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Quelle: n-tv.de

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