Wirtschaft
Alter Kurs neu verkauft: Die Fed unter Chefin Janet Yellen lässt die Arbeitslosenquote als Richtgröße praktisch fallen.
Alter Kurs neu verkauft: Die Fed unter Chefin Janet Yellen lässt die Arbeitslosenquote als Richtgröße praktisch fallen.(Foto: Reuters)

Strategie- statt Kurswechsel: Fed verschiebt den Fokus

Einmal mehr fährt die US-Notenbank die milliardenschweren Anleihenkäufe zurück. Zudem wird der Zinssatz nicht angetastet. Allerdings wechselt die Fed die Strategie. Das Ende der Politik des billigen Geldes rückt näher.

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Die US-Zentralbank Federal Reserve fährt ihr Programm zum Aufkauf von Staatsanleihen und Hypothekenpapieren weiter zurück. Zwar würden die Anleihekäufe zur Ankurbelung der Wirtschaft erneut reduziert, teilte die Notenbank mit. Mit Zinserhöhungen ist in diesem Jahr aber nicht mehr zu rechnen. Wie zum Beweis strich die Fed einen wichtigen Zielwert aus ihrer neuen geldpolitischen Erklärung, der eine baldige Leitzinsanhebung begründet hätte.

Geldpressen rotieren langsamer

Vorerst drosselt die Fed die Anleihenkäufe um weitere zehn Milliarden auf 55 Milliarden Dollar. Der Beschluss fiel mit einer Gegenstimme.  Es war die erste Sitzung unter der Leitung von Janet Yellen, die das Ruder im Februar von Ben Bernanke übernommen hatte. Zuvor war die 67-jährige Vize-Vorsitzende der Zentralbank.

Im Anschluss an die Sitzung sagte Yellen, dass der Anleihenkauf voraussichtlich bis zum Herbst schrittweise eingestellt werde. Ein erster Anstieg des Leitzinses könnte ungefähr sechs Monate später erfolgen. Das wäre im Frühjahr 2015. Auf einen genauen Zeitpunkt wollte sie sich aber nicht festlegen. Allerdings sei die die Änderung in der Kommunikation "keine Kursänderung", sagte sie.

Märkte ernüchtert

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An den Märkten sorgten die Ausführungen für Ernüchterung. Der Dow-Jones-Index verlor 0,7 Prozent auf 16.222 Punkte und erholte sich damit etwas vom Tagestief, auf das der US-Leitindex während der Fed-Kommentare gefallen war. S&P 500 und Nasdaq-Composite gaben jeweils um 0,6 Prozent nach.

Am Rentenmarkt fielen die Notierungen mit den Fed-Kommentaren deutlich. Am Devisenmarkt rauschte der Euro klar unter die Marke von 1,39 Dollar und kostete im späten US-Geschäft 1,3828 Dollar. Zinserhöhungsfantasien stützten den Greenback. Händler sprachen von der Sorge, die Fed könnte die Zinsen schneller als vom Markt erwartet erhöhen. Immerhin sah eine Mehrheit der Fed-Vertreter den Leitzins Ende 2015 bei ein Prozent oder gar darüber.

Zinssatz wird nicht angetastet

Den Leitzins beließ die Fed auf dem historisch niedrigen Niveau von null bis 0,25 Prozent. Zugleich gab sie den Märkten aber eine neue Orientierungshilfe, wie lange dies noch so bleiben soll: Sie werde erst an eine Erhöhung denken, wenn sich die Inflationsrate in Richtung ihres Zielwertes von zwei Prozent bewege und es Fortschritte Richtung Vollbeschäftigung gebe.

Statt eine konkrete Zielmarke bei der Arbeitslosenquote zu nennen, erklärte die Fed vage, der Entscheidung eine "große Bandbreite an Informationen" zu Grunde zu legen. Bei einem geldpolitischen Kurswechsel werde sie einen "ausgewogenen Ansatz" wählen, versicherte die Notenbank.

Zuletzt hatte die Fed stets signalisiert, den Leitzins auch bei Erreichen der angepeilten Arbeitslosenquote von 6,5 Prozent noch geraume Zeit niedrig halten zu wollen. Im Februar lag die Arbeitslosenquote in den USA bei 6,7 Prozent. Damit ist die wichtige Marke sehr nahe gekommen. Doch die Wirtschaft hat sich nach Ansicht der Fed noch nicht ausreichend erholt.

Fed justiert nach - Markt sucht Erklärung

In ihrer neuen Konjunkturprognose rechnet die Fed mit einem etwas schwächeren Wachstum und engt die Erwartungen nun auf 2,8 bis 3,0 Prozent in diesem Jahr ein. Ende 2013 hatte die obere Spanne der Prognose noch bei 3,2 Prozent gelegen.

Dagegen soll die Arbeitslosenquote auf einen Wert zwischen 6,1 und 6,3 Prozent sinken. Hier hatte die Notenbank zuvor einen Wert zwischen 6,3 und 6,6 Prozent angenommen. Die Inflation könnte demnach in diesem Jahr auf 1,6 Prozent und im kommenden Jahr auf zwei Prozent steigen.

Über mehrere Programme zum Anleihenkauf pumpte die Fed seit Mitte 2008 im Kampf gegen die Folgen der Finanzkrise mehr als drei Billionen Dollar in den Wirtschaftskreislauf. Im Dezember begann die Notenbank dann mit dem Ausstieg aus der extrem lockeren Geldpolitik. Analysten hatten mit der weiteren Drosselung der Anleihenkäufe am Mittwoch gerechnet.

"Der Zinsausblick war etwas schwammiger als erwartet. Anleger, die auf einen Yellen-Effekt zur Stützung der Märkte gesetzt hatten, dürften enttäuscht sein. Die Marktreaktion war ein Reflex", versuchte Portfoliostratege Brian Jacobsen von Wells Fargo Funds Management die Stimmung einzufangen.

"Was nun eine 'qualitative Steuerung' genannt wird, ist für mich eine 'vage Steuerung', die viel weniger wertvoll ist als eine quantitative Vorgabe", sagte Peter Boopckvar, Direktor bei The Lindsey Group und ein ausgewiesener Fed-Kritiker. "Das ist nicht sehr hilfreich."

Quelle: n-tv.de

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