Wirtschaft
Bei der US-Notenbank Fed ist die Mehrheit der Ausschuss-Mitglieder noch gegen eine frühzeitige Zinserhöhung.
Bei der US-Notenbank Fed ist die Mehrheit der Ausschuss-Mitglieder noch gegen eine frühzeitige Zinserhöhung.(Foto: picture alliance / dpa)

Trotz guter Arbeitsmarktdaten: Fed zögert noch bei Zinserhöhung

Zwar floriert der Arbeitsmarkt in den USA - die US-Notenbank sieht dennoch keinen Anlass für eine Zinserhöhung. Die weitere Entwicklung der Wirtschaft soll zunächst abgewartet werden. Einigkeit herrscht unter den Zentralbankern jedoch nicht.

Trotz der überraschend kräftigen Erholung am Arbeitsmarkt in den Vereinigten Staaten sieht die US-Notenbank Fed vorerst keinen Grund für eine Zinserhöhung. Aber die Diskussion der Währungshüter über den Zeitpunkt einer Zinserhöhung hat bei der jüngsten Sitzung der Federal Reserve am 29. und 30. Juli an Fahrt aufgenommen. Angesichts der Erholung am Arbeitsmarkt und einer anziehenden Inflation sprachen die US-Notenbanker darüber, ob die Zinsen womöglich früher erhöht werden sollten als bislang erwartet. Das geht aus dem Sitzungsprotokoll der Fed hervor.

Die Mehrheit der Mitglieder des für die Zinspolitik verantwortlichen Offenmarkt-Ausschusses war der Auffassung, dass es Fortschritte am US-Arbeitsmarkt gibt. Durch die Verbesserung sei die Lage nun "spürbar näher an dem Zustand", den die Fed als normal ansehe. Sie ist für mittelfristig stabile Preise und die Förderung von Vollbeschäftigung zuständig.

Vollbeschäftigung noch in weiter Ferne

Video

Mit einer Arbeitslosenquote von zuletzt 6,2 Prozent ist das Ziel der Vollbeschäftigung aus Sicht der Fed jedoch noch nicht in greifbarer Nähe. Sie sieht die Ressourcen auf dem Jobmarkt derzeit bei weitem noch nicht ausgeschöpft. Wie aus den Protokoll hervorgeht, erwarten jedoch viele Notenbanker, dass sich diese Einschätzung "schon bald" ändern dürfte.

Einige US-Währungshüter glauben, dass die guten Arbeitsmarkt-Daten einen Schritt hin zu erschwerten Zugängen zu Krediten rechtfertigten. Doch viele Mitglieder zeigten sich davon weniger überzeugt. Die meisten gaben zu erkennen, dass sie die Entscheidung über den richtigen Zeitpunkt für eine Zinserhöhung von weiteren US-Konjunkturdaten abhängig machen - mit dem Schwerpunkt auf die weitere Entwicklung am Arbeitsmarkt und der Teuerungsrate.

Entwicklung der US-Wirtschaft noch unsicher

Sorge bereiten den Notenbankern zum einen die geopolitischen Krisen in der Ukraine und im Nahen Osten. Zum anderen der Umstand, dass der leichte Abschwung der US-Wirtschaft im ersten Quartal Unsicherheit mit Blick auf die weiteren Wachstumsaussichten der US-Konjunktur geschürt haben könnte. Dabei war dieser Abschwung scheinbar nur vorübergehender Natur.

Bei der Sitzung Ende Juli hatte die US-Notenbank ihre milliardenschweren Geldspritzen für die Wirtschaft weiter gedrosselt. Angesichts der zunehmend an Fahrt gewinnenden US-Konjunktur haben die Währungshüter in diesem Jahr bislang bei jeder Sitzung die Käufe von Staats- und Hypothekentiteln um je 10 Milliarden Dollar monatlich gesenkt.

Derzeit beträgt das monatliche Kaufvolumen noch 25 Milliarden Dollar. Voraussichtlich im Oktober werden die Käufe mit einer letzten Drosselung um 15 Milliarden Dollar auslaufen.

Zinserhöhung erst für Mitte 2015 erwartet

Schon seit einiger Zeit stehen deshalb Aussagen zum Zeitpunkt der ersten Zinserhöhung im Zentrum der Aufmerksamkeit der Marktakteure. Seit der Finanzkrise liegt der Leitzins der Federal Reserve praktisch bei null. Bislang rechnen die meisten Experten erst für Mitte 2015 mit einer Anhebung des historisch niedrigen Zinsniveaus von derzeit null bis 0,25 Prozent.

Zudem beraten die Währungshüter schon seit einiger Zeit über eine Ausstiegsstrategie. Es geht vor allem darum, wie die kurzfristigen Zinsen - die in der Regel niedriger sind, da für länger verliehenes Geld auch höhere Zinsen verlangt werden - erhöht werden können. Da die Fed im Zuge der Finanzkrise gewaltige Geldmengen in das Finanzsystem gepumpt hat, gibt es die Befürchtung, dass die alten Mechanismen nicht mehr funktionieren. Daher braucht die Fed neue Instrumente zur Steuerung der kurzfristigen Zinsen.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen