Wirtschaft
Fiat-Chef Marchionne landet mit der Übernahme von Chrysler einen Coup.
Fiat-Chef Marchionne landet mit der Übernahme von Chrysler einen Coup.(Foto: REUTERS)

Zusammen in eine neue Ära: Fiat + Chrylser = FCA

Der Fiat-Konzern ist über ein Jahrhundert fest mit Turin verbandelt. Doch das ist jetzt Geschichte, die Ehe mit Chrysler offiziell geschlossen. Damit heißt es: neuer Firmensitz, frisches Konzernkürzel und ehrgeizige Ambitionen.

Fiat kehrt seinem Heimatland Italien den Rücken. Das eigentlich Unvorstellbare ist seit heute Wirklichkeit. Denn nun ist die Fusion der traditionsreichen "Fabbrica Italiana Automobili Torino", kurz Fiat, mit dem US-Autobauer Chrysler offiziell vollzogen. Der neue Konzern Fiat Chrysler Automobiles wird seinen Hauptsitz dann nicht mehr in der namensgebenden Stadt im Piemont haben. Der Sitz des neuen Konzerns wird aus steuerlichen Gründen nach London verlegt, das Unternehmen nach niederländischem Recht organisiert. Und die Autowelt muss sich an eine neue Abkürzung gewöhnen: FCA.

Bereits am Freitag nahm der alte Fiat-Konzern nach mehr als 100 Jahren Abschied von der Mailänder Börse. Ab Montag werden dann die neuen FCA-Aktien gehandelt - sowohl an der Wall Street in New York als Zweitnotiz auch auf dem Parkett in Mailand. Ob der selbstbewusste Fiat-Chef Sergio Marchionne den Termin bewusst gewählt hat, ist zwar nicht bekannt - aber das Datum erscheint auf jeden Fall passend: Am Montag wird in den USA der "Columbus Day" gefeiert - in der Erinnerung an die Ankunft von Christoph Kolumbus, italienischer Seefahrer in spanischen Diensten, in der "Neuen Welt", 1492.

Von der Pleite in eine neue Ära

"Natürlich ist das jetzt ein entscheidender Schritt für den Konzern", erläutert Analyst Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler. "Aber in Wirklichkeit ist es schon der zweite oder dritte bedeutende Einschnitt." Man denke nur an die Aufspaltung des Fiat-Konzerns in die Teile Industrie und Automobilbau vor einigen Jahren, so der Branchenkenner.

Marchionne hatte jahrelang auf die transatlantische Ehe seines kränkelnden Fiat-Konzerns mit dem zuvor insolventen US-Autobauer Chrysler hingearbeitet. Anfang 2014 übernahm Fiat dann schließlich Chrysler komplett. Mit der Fusion dürfte der Italo-Kanadier sein Denkmal in der Autobranche sicher haben. Zur Erinnerung: Bei seinem Amtsantritt vor zehn Jahren stand Fiat vor der Pleite, nun startet der Konzern in eine neue Ära.

Richtig ist aber auch: Die amerikanische Tochter Chrysler hatte mit ihren Gewinnen lange das starke Verlustgeschäft des Autobauers in Europa und vor allem im kriselnden Heimatmarkt Italien ausgebügelt. "Die Abrechnung wird sicherlich erst gemacht, wenn es dem US-Automarkt und damit auch Chrysler einmal wieder schlechter geht", prophezeit auch Experte Pieper.

Marchionne geht

Wohin geht also die Fahrt? "Partner in Asien oder globale Riesenfusion", überschrieb Italiens Wirtschaftszeitung "Il Sole 24 Ore" ihren Ausblick für die neue Ehe in der Autowelt. So viel ist klar: Marchionne will den bislang siebtgrößten Autobauer der Welt weiter nach vorn bringen.

Und Fiat Chrysler könnte eine aktive Rolle bei einer möglichen Konsolidierung der Autobranche spielen. Der neue FCA-Konzern stehe jedenfalls bereit, in den nächsten fünf bis zehn Jahren daran mitzuwirken, sagte jüngst Verwaltungsratschef John Elkann, Enkel des legendären Fiat-Patriarchen Gianni Agnelli. Es bleibt abzuwarten, wie der neue Konzern funktioniert. Marchionne selbst hat bereits seinen Abschied für 2018 angekündigt.

Und in der Autowelt ist schon einmal eine Fusion eines europäischen Autobauers mit Chrysler gescheitert: die Ehe Daimler-Chrysler. Dass die neue Beziehung glücklicher wird, dafür könnten vor allem die Töchter sorgen: Marken wie Alfa Romeo, Maserati und Jeep sollen bis 2018 in neuem Glanz erstrahlen und ihre Verkaufszahlen und Gewinne in die Höhe treiben. Jeep dürfte dieses Jahr schon rund dreimal so viele Autos verkaufen wie 2009 - kann auch die lange darbende Tochter Alfa so ein Comeback hinlegen?

Wunder gibt es immer wieder

Bei Marchionne schwingt zumindest eine gute Portion Realismus mit. "Wunder sind möglich", sagte er Anfang Oktober auf dem Pariser Autosalon mit Blick auf die Jeep-Erfolgsgeschichte. "Aber sind sie auch wahrscheinlich?"

Viel Zeit für Sentimentalitäten bleibt den FCA-Oberen jedenfalls nicht. Ende Oktober steht bereits die erste Aufsichtsratssitzung des neuen Konzerns an. Dann geht es mit Sicherheit nicht nur um die Zahlen fürs dritte Quartal.

Quelle: n-tv.de

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