Wirtschaft
Fiat und Chrysler und GM?
Fiat und Chrysler und GM?(Foto: picture alliance / dpa)

Autoindustrie vor Elefantenhochzeit: Fiat-Chrysler macht GM Avancen

Nachdem der Zusammenschluss mit Chrysler schwarze Zahlen abwirft, plant Fiat-Chrysler-Chef Marchionne seinen nächsten Coup. Objekt der Begierde ist der mehr als doppelt so große Konkurrent GM.

In der internationalen Automobilbranche könnte eine Elefantenhochzeit anstehen. Fiat-Chrysler-Chef Sergio Marchionne lotet mit Hedgefonds und anderen potenziellen Verbündeten die Möglichkeiten aus, Branchenprimus General Motors (GM) zu einer Fusion zu bewegen, wie Insider sagen.

Marchionnes Suche nach Investoren von außerhalb ist nur einer seiner vorerst letzten Schachzüge, um einen Partner für den US-italienischen Autobauer zu finden, der 2014 rund 108 Milliarden US-Dollar Umsatz einfuhr. Doch Kontakte mit aktivistischen Investoren - nur Monate, nachdem GM auf Druck von Hedgefonds einlenkte und Aktien im Wert mehrerer Milliarden Dollar zurückkaufte - müssten erst noch Ergebnisse bringen, so die Insider weiter. Eine ähnliche Strategie auf dem Weg hin zu einer Partnerschaft könne auch mit mindestens einem europäischen Autoproduzenten verfolgt werden.

Fiat-Chrysler als treibende Konsolidierungskraft?

Marchionnes hochgreifende Pläne für eine Konsolidierungswelle in der Branche lassen viele Analysten aufhorchen. Ihnen scheint sein Vorgehen fast schon verzweifelt - angesichts von Fiat-Chryslers schwachen operativen Margen. Obwohl die Firma nunmehr schwarze Zahlen schreibt, könnten ein wirtschaftlicher Abschwung, künftig noch strengere Emissionsvorgaben und Investitionen in neue Technologien auf der Kostenseite massive Risiken in sich bergen.

Marchionne ermutigt der jüngste Erfolg von Aktionärsaktivisten bei GM. Sie könnten sich als treibende Kraft für eine Konsolidierung der zersplitterten Automobilbranche erweisen. Der 62-Jährige argumentiert seit Monaten: Die Überproduktion - vielfach verbunden mit doppelten Kosten für die Fahrzeugkonstruktion - müsse insbesondere in Europa angegangen werden, um die Profitabilität anzukurbeln. Er legte seine Sichtweise bereits mehreren Automobilunternehmen rund um den Globus vor.

GM wehrt sich

Doch Fiat ist mit Margen deutlich unter denen der Rivalen kaum ein attraktiver Fusionspartner. Allein in Nordamerika steht die Marge mit 3,7 Prozent des Umsatzes im ersten Quartal nur bei gerade mal der Hälfte des Werts von GM. Der Erzkonkurrent hegt auch gewisse Animositäten gegen die Italiener. Marchionne hatte GM im Jahr 2005 dazu gezwungen, rund 2 Milliarden Dollar zu überweisen, um sich aus der Verpflichtung herauszukaufen, das gebeutelte Autogeschäft von Fiat übernehmen zu müssen. Dieser Affront führte auch dazu, dass die Unternehmen eine fünf Jahre alte Partnerschaft zur gemeinsamen Fertigung von Motoren und Getrieben auflösten.

GM wehrt sich gegen die aktuellen Avancen Fiat-Chryslers. Der US-Konzern hat deutlichere Größenvorteile und ihm ist die Umstellung auf globale Fahrzeugplattformen gelungen, was Kosten verringert und die Fertigungseffizienz festigt. GM ist bereits seit rund einer Dekade in einem internen Konsolidierungsprozess, der laut Managern effektiv Milliarden Dollar an Kosten einsparte und den Konzern in die Spitzengruppe in Sachen Kapitalrendite führte.

Ein Team von aktivistischen Investoren, angeführt vom Hedgefonds-Manager Harry Wilson, kontaktierte GM-Chefin Mary Barra Anfang des Jahres, damit sie einem rund 8 Milliarden Dollar teuren Aktienrückkauf zustimmte. GM hatte bereits einen kostspieligen Dividendenplan aufgesetzt und wollte seine Aktionäre noch zusätzlich belohnen. Trotzdem lenkte Barra ein und ließ sich auf einen 5-Milliarden-Dollar-Rückkauf ein.

Marchionne sieht GMs Zukunft eher in der Erhöhung der Produktion als in Aktienrückkäufen, so eine eingeweihte Person. Barras Bereitschaft auf die Aktionärsaktivisten zuzugehen, signalisiere zudem, dass sie sich durchaus an einen Verhandlungstisch setzen würde.

Idee ist nicht neu

Analysten sehen jedoch vor allem Probleme. "Fusionen leiden unter Ausführungsrisiken und vielen Beispielen, bei denen sie in der Branche scheiterten", meint Auto-Analyst Adam Jonas von Morgan Stanley. GM habe jedoch kaum Verteidigungsmechanismen, um sich vor einer feindlichen Übernahme zu schützen, bei der die eigenen Anleger ihren Kurzfristinteressen nachgäben.

Marchionnes Partnerschaftsabsichten sind keineswegs einmalig in der Branche. Im Jahr 2006 schloss sich Nissan- und Renault-Chef Carlos Ghosn mit dem Milliardär Kirk Kerkorian zusammen, um eine Expansion ihrer Allianz auf GM vorzuschlagen. Kerkorian hielt einen großen Anteil an GM und drängte zu der Zeit auf deutliche Veränderungen bei dem Konzern. GM-Manager verbrachten die kommenden Wochen damit, ein Zusammengehen mit Nissan-Renault auszuloten. Letztlich gaben sie Kerkorian und Ghosn einen Korb.

Im Jahr 2008, als GM und Chrysler in die Pleite abrutschten, erörterten Manager beider Seiten eine Allianz, damit beide überleben können. Im Endeffekt verwarfen sie aber die Pläne. Barra ist überzeugt davon, dass Riesenfusionen selten funktionieren und ihr Konzern über genügend Größe verfüge, um aufblühen zu können.

Die Top-Managerin wird ihre Argumente auf der GM-Hauptversammlung unterbreiten können. Ihr Ziel ist es, GM im obersten Viertel der Autobauer bei der Kapitalrendite zu etablieren. Mit der Zeit will sie zum teuersten Autokonzern der Welt werden. Momentan sind Volkswagen, Toyota und GM mit jeweils etwa 10 Millionen verkauften Autos im Jahr die weltweit größten Autobauer. Fiat-Chrysler folgt mit seinen 4,7 Millionen abgeschlagen auf Rang sieben. Zudem musste Marchionne die Börsenpläne für die Nobelsportwagen-Tochter Ferrari mehrfach verschieben.

Quelle: n-tv.de

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