Wirtschaft
Wenn Carl Icahn irgendwo als Aktionär einsteigt, beißt er sich fest.
Wenn Carl Icahn irgendwo als Aktionär einsteigt, beißt er sich fest.

Angriffslustiger denn je: Finanzhai Icahn hat immer noch Biss

Er ist mächtig, unerbittlich und er hat eine gefährlich volle Kriegskasse. Carl Icahn ist mit fast 80 Jahren immer noch so gefürchtet wie eh und je. Aktionäre wie er sorgen für viel Ärger, sie haben aber durchaus auch ihre Berechtigung.

Far Rockaway im New Yorker Stadtteil Queens liegt am schönen Ozeanstrand. Aber der Schein trügt: Die Gegend ist ein Pflaster für harte Jungs. Einer von ihnen ist Carl Icahn. Er ist hier aufgewachsen. Seinen Hedgefonds-Konkurrenten Bill Ackman bezeichnete er als Heulsuse, die früher auf dem Schulhof in Queens verprügelt worden wäre.

Icahn ist ein Cowboy-Investor der alten Schule - und seit den legendären Übernahmeschlachten der 1980er Jahre groß mit dabei. Regisseur Oliver Stone diente er als Vorbild für den skrupellosen Spekulanten "Gordon Gekko" im Hollywood-Blockbuster "Wall Street". Und mit seinen 78 Jahren gehört er noch lange nicht zum alten Eisen. Selten machte der Großinvestor mehr von sich reden als dieser Tage.

Ob Milliardenpoker um amerikanische Billigketten ("Dollar Stores") oder Kasinos in der Osküsten-Glückspielhochburg Atlantic City - sein Hedgefonds hat die Finger überall im Spiel. Icahn scheint angriffslustiger denn je und sitzt auf einer prallen Kriegskasse. Laut "Forbes" ist er 25,7 Milliarden Dollar (20,5 Mrd. Euro) schwer und damit der reichste Mann der Wall Street. Und solange er Geld verdienen kann, scheut er keinen Konflikt.

Bei Ebay durchgesetzt

Zu spüren bekommt das gerade Ebay-Chef John Donahoe. Anfang des Jahres startete der Investor eine Kampagne für die Abspaltung der Bezahltochter PayPal, um bei einem Börsengang abzukassieren. Donahoe versuchte die Attacke beharrlich abzuwehren: "PayPal und Ebay sind gemeinsam am erfolgreichsten", erklärte er immer wieder. Es half alles nichts: Letzte Woche kündigte Ebay an, sich von PayPal zu trennen. Donahoe muss den Chefposten räumen. Ein großer Triumph für Icahn. "Verwaltungsrat und Management handeln verantwortungsvoll - vielleicht etwas zu spät", ließ er verlauten. 

Seine Strategie ist simpel: Icahn legt sich ein Aktienpaket zu und droht mit Aufstand. Ziel ist stets, die kurzfristigen Profite im Sinne der Aktionäre zu steigern, deshalb kann er leicht andere Investoren auf seine Seite ziehen. So gelingt es immer wieder, mit relativ geringen Beteiligungen den Willen durchzusetzen. Für Firmen bedeutet das: Kosten senken, Dividenden erhöhen und Aktien zurückkaufen, um den Kurs anzuheben.

Ein notwendiger Störenfried?

Wie groß Icahns Einfluss ist, offenbarte sich zuletzt auch beim Autovermieter Hertz. Drei Verwaltungsräte wurden gegen Icahn-Vertreter ausgetauscht. Im Gegenzug verzichtete er darauf, eine Aktionärsrevolte anzuzetteln. Aktivistische Investoren wie Icahn sind für Firmen unbequem und ihre Motive umstritten. Aber es gibt viele Experten, die sie für notwendige Störenfriede halten, die den Finger in die richtigen Wunden legen. "Icahn und seine Nachahmer helfen Unternehmen, indem sie wichtige Debatten anstoßen", meint etwa das marktliberale Wirtschaftsmagazin "The Economist".

Quelle: n-tv.de

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