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Von dem Überleben des Unternehmens hängen knapp 1000 Jobs ab.
Von dem Überleben des Unternehmens hängen knapp 1000 Jobs ab.(Foto: picture alliance / dpa)

Aktionäre zünden Kursfeuerwerk: Indischer Investor steht für Mifa bereit

Deutschlands größter Fahrradhersteller steckt in Schwierigkeiten: Seit Jahren wird falsch gebucht, in der Bilanz klafft ein Millionenloch. Doch es gibt Hoffnung. Verhandlungen mit einem Investor sind erfolgreich. Es gibt eine Bedingung, aber die Aktionäre feiern jetzt schon.

Der Fahrradhersteller Mifa Mitteldeutsche Fahrradwerke AG könnte künftig knapp zur Hälfte im Besitz des indischen Wettbewerbers Hero Cycles sein. Die schwer gebeutelten Aktionäre des Fahrradherstellers dürfen damit wieder hoffen. Die Nachricht über den Einstieg von Hero Cycles löst am Aktienmarkt ein Kursfeuerwerk aus. Die Mifa-Aktie schießt um fast 40 Prozent nach oben. Hintergrund: Der nach Umsatz weltgrößte Fahrradproduzent wird wie im März vereinbart im Rahmen einer Kapitalerhöhung zunächst bis zu 15 Millionen Euro in das Unternehmen aus Sachsen-Anhalt investieren. Das ist mehr als die aktuelle Marktkapitalisierung von Mifa.

Einen Haken gibt es dabei allerdings: Voraussetzung für die Geldspritze ist, dass die Anleihegläubiger auf einen Teil ihrer Forderungen verzichten, genauer gesagt auf 15 bis 20 Millionen Euro, wie aus einer offiziellen Mitteilung hervorgeht. Und darüber muss auf einer Gläubigerversammlung abgestimmt werden. Allein die Forderung schlägt sich negativ im Kurs der 2018 fälligen Mifa-Anleihe nieder, der um 21 Prozent abstürzt. Die Anleihe notiert nur noch bei 26,7 Prozent ihres Nennwerts. Im Tagestief waren es sogar nur 23,1 Prozent.

Seit Jahresbeginn ist der Anleihekurs um über 70 Prozent eingebrochen. Die im August 2013 ausgegebene Anleihe mit einem Kupon von 7,5 Prozent wurde inzwischen auf Ramschstatus abgestuft. FERI EuroRating Services bewertet sie nur noch mit "CC" nach zuvor "B-". Sie gilt somit als stark ausfallgefährdet.

Widerstand gegen Verzichtspläne

Damit nicht genug: Es rührt sich Widerstand gegen die Verzichtspläne. Die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) hatte sich bereits vor wenigen Tagen zu Wort gemeldet. Für die Anleger sei es wichtig, sich möglichst frühzeitig zu organisieren, um so vereint Interessen im Insolvenzverfahren zu vertreten. Zu prüfen sei unter anderem, inwieweit Anleiheinhabern und auch Aktionären Schadensersatzforderungen gegenüber den verantwortlichen Personen zustünden.

Der deutsche Fahrradhersteller ist schwer angeschlagen. Nach einem Verlust von etwa 15 Millionen Euro 2013 hat der Vorstand die Hoffnung auf ein ausgeglichenes Ergebnis im ersten Quartal jüngst aufgegeben. Zudem räumte er vor wenigen Tagen ein, dass seine Jahresabschlüsse der vergangenen Jahre wesentliche falsche Angaben enthalten. Zusammen mit dem Verlust 2013 werde dies voraussichtlich zu einem Bilanzverlust von rund 28 Millionen Euro zum 31. Dezember 2013 führen. Der Umsatz lag 2013 bei rund 108 Millionen Euro.

Weichenstellungen Richtung Übernahme

Die Finanzspritze der Inder sichert der Mifa zunächst einmal das Überleben. Hero will aber künftig bis zu 47 Prozent an dem deutschen Wettbewerber halten, da im Zuge der Kapitalmaßnahme Altaktionäre Anteile an Hero übertragen werden. Hero glaubt offenbar ähnlich wie der Vorstand an eine Zukunft für Mifa.

Für die Planungen hat sich das Unternehmen externe Hilfe ins Haus geholt. Die Beratungsgesellschaft Ernst & Young erstellt derzeit ein Sanierungsgutachten, auf dessen Basis weitere Maßnahmen zur künftigen Ausrichtung des operativen Geschäfts getroffen werden sollen. Das Gutachten werde voraussichtlich im Juni vorliegen.

Mit Kauf eines Anteils von 47 Prozent wären die Inder nach deutschem Recht zur Abgabe eines Übernahmeangebots verpflichtet. Dies ist allerdings nicht geplant. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) soll die Gesellschaft von dieser Pflicht befreien, wie Mifa mitteilte. Dies sei Bedingung für die geplante Investition, die in Summe über die aktuelle Marktkapitalisierung der Mifa von rund 9,8 Millionen Euro hinausgehen würde.

Wie es im Einzelnen weitergehen soll, will Mifa in den kommenden Wochen auf einer Gläubigerversammlung erörtern. Mifa teilte weiter mit, dass die Hauptversammlung angesichts der verspäteten Veröffentlichung des Jahresabschlusses voraussichtlich auf das dritte Quartal 2014 verschoben werden soll.

Quelle: n-tv.de

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