Wirtschaft
Die bisherige Höchstmarke stammt aus dem Sommer.
Die bisherige Höchstmarke stammt aus dem Sommer.(Foto: picture alliance / dpa)

So viel Umsatz wie nie zuvor: Firmen verkaufen Waren auf Rekordniveau

Export-Weltmeister Deutschland - diese Zeiten sind vorbei. Dennoch schlägt sich die deutsche Wirtschaft bestens. Im Monat September erreichen die Ausfuhren sogar einen neuen Höchstwert. Für das dritte Quartal wird damit ein BIP-Rückgang unwahrscheinlicher.

Der deutsche Export hat nach dem kräftigen Rückgang im August ein überraschend starkes Comeback hingelegt. Im September addierten sich die Ausfuhren sogar auf einen neuen Rekordwert. Es wurden Waren im Wert von 102,5 Milliarden Euro ausgeführt, wie das Statistische Bundesamt meldete. Der bisherige Höchstwert von 101,1 Milliarden Euro vom Juli 2014 wurde damit übertroffen. "Nach vorläufigen Hinweisen haben die meisten Branchen zum Exportanstieg beitragen", sagte ein Statistiker.

Im August hatten die Exporte den stärksten Einbruch seit Anfang 2009 erlebt. Der damalige Rückgang dürfte aber auch auf der späten Lage der Sommerferien beruht haben. In dieser Zeit arbeiten viele Fabriken und Firmen mit verminderter Kraft. Im September kletterten die Ausfuhren um 5,5 Prozent im Vergleich zum Vormonat, auf Jahressicht lagen die Exporte um 8,5 Prozent höher.

Auch das Importgeschäft zog im September an. Auf Monatssicht stiegen die Einfuhren um 5,4 Prozent, im Jahresabstand lagen sie um 8,4 Prozent höher.

Saisonbereinigt summierten sich die Verkäufe ins Ausland im September auf 97,7 Milliarden Euro, die Importe auf 79,2 Milliarden Euro. Im Resultat ergab sich kalender- und saisonbereinigt ein Außenhandelsüberschuss von 18,5 Milliarden Euro. Marktbeobachter hatten mit einem Aktivsaldo von 18,3 Milliarden Euro gerechnet.

Eurozone hält sich zurück

Die Nachfrage nach Waren "Made in Germany" entwickelte sich vor allem in Ländern außerhalb der Eurozone sehr stark. Die Exporte in die EU-Länder, die wie Großbritannien nicht dem Euroraum angehören, kletterten binnen Jahresfrist um 13,8 Prozent auf 22,2 Milliarden Euro. Die Lieferungen in Drittländer stiegen ebenfalls zweistellig - um 10,5 Prozent auf 43,8 Milliarden Euro. Die Ausfuhren in den Euroraum lagen im September mit 36,5 Milliarden Euro 3,4 Prozent über Vorjahr.

"Insgesamt zeigen die Daten den positiven Effekt der anziehenden Konjunktur in den USA und UK sowie erste Effekte des zuletzt geringeren Außenwertes des Euro", sagte BayernLB-Ökonom Stefan Kipar. Beides zusammen scheine den negativen Russland-Effekt zu überlagern. Nach dem starken Juli und dem Einbruch im August, der nicht zuletzt den späten Ferien samt Werksferien in der Automobilindustrie geschuldet sein dürfte, kann die deutsche Exportwirtschaft insgesamt auf ein erfreuliches drittes Quartal zurückblicken. "Die guten Handelsdaten rufen in Erinnerung, dass Deutschland nach wie vor stark und wettbewerbsfähig ist", sagte Christian Schulz vom Bankhaus Berenberg.

Nach Überzeugung der BayernLB stützt der Außenhandel die deutsche Konjunktur insgesamt: "Die heutigen Handelsdaten stützen unsere Einschätzung, wonach die deutsche Wirtschaft im dritten Quartal nicht geschrumpft ist." Nach dem Minus der Wirtschaftsleistung zuvor dürfe im Sommer unter dem Strich sogar ein kleines Wachstum stehen: "«Eine höhere Dynamik wird allerdings derzeit sowohl durch die Unsicherheit und die Sanktionen im Russland-Konflikt als auch durch die schwache konjunkturelle Entwicklung anderer großer Euroländer verhindert."

Aussichten eher schlecht

Nach vorläufigen Berechnungen der Bundesbank betrug der Überschuss in der Leistungsbilanz im September 22,3 Milliarden Euro. Ökonomen hatten 18,1 Milliarden Euro erwartet. Im gleichen Monat des Vorjahres hatte die deutsche Leistungsbilanz einen Überschuss von 19,0 Milliarden Euro ausgewiesen.

Trotz der wiederbelebten Exporte sind die Aussichten der deutschen Gesamtwirtschaft eher getrübt: In ihrem Herbstgutachten hatte die EU-Kommission in dieser Woche ihre Prognosen für das Wirtschaftswachstum drastisch gesenkt. Für dieses Jahr kappte sie die Wachstumsprognose auf 0,8 von 1,8 Prozent. Für 2015 wurde die Prognose fast halbiert - auf 1,1 von 2,0 Prozent. Erst für 2016 setzt die Kommission wieder ein spürbar höheres Wachstum von 1,8 Prozent an.

Quelle: n-tv.de

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