Hieb zum WochenendeFitch stuft Spanien herab
Spanien kommt nicht aus den Schlagzeilen: Die Ratingagentur Fitch senkt die Bonitätsnote für das hochverschuldete Land auf "AA+" von zuvor "AAA". Unterdessen kommt es für die Spanier noch dicker: Die Regierung muss die Ausgaben auch 2011 drastisch senken.
Fitch hat zum Wochenausklang noch einmal für Aufregung gesorgt. Die Ratingagentur senkte die Bonitätsnote für das hochverschuldete Spanien auf "AA+" von zuvor "AAA". Vor einem Monat hatte Standard & Poor's das Spanien-Rating auf "AA" von zuvor "AA+" gesenkt.
Obwohl der Verschuldungsgrad und die damit einhergehenden Zinsaufwendungen weiter im "AAA"-Bereich lägen, dürfte der wirtschaftliche Anpassungsprozess in Spanien schwieriger sein und länger dauern als bei anderen Staaten mit der Spitzenbonitätsnote, begründete Fitch die Herabstufung. Dies dürfte die Wachstumsrate des Landes mittelfristig "beträchtlich verringern". Den Ausblick bezeichnete Fitch als "stabil". Darin spiegle sich das sehr starke Kreditprofil Spaniens, das selbst dann noch mit einem "AA+"-Rating im Einklang stehen würde, wenn Spanien seine Defizitziele leicht verfehlen sollte.
Mit der Fitch-Entscheidung werde der Sturm zurück an die Märkte gebracht, sagte der Experte Sterling Smith von Country Hedging. Andere sagten indes, der Schritt von Fitch komme nicht völlig überraschend. Nun sei entscheidend, ob auch die anderen Agenturen Moody's oder S&P Spanien herabstufen. "Dann würden wir wahrscheinlich eine sehr negative Reaktion (der Märkte) haben", sagte der John Praveen von Prudential International Investments Advisers.
Fitch hatte im Frühjahr bereits die Ratings für Griechenland und Portugal gesenkt und damit die Sorgen vor einer Ausweitung der Schuldenkrise in Europa geschürt.
Es wird noch mehr gespart
Unterdessen kündigte Spaniens sozialistische Regierung weitere Einschnitte an. Einen Tag nach der Verabschiedung eines drastischen Sparplans im Parlament beschloss das Kabinett in Madrid die Senkung der Ausgabengrenze für den Haushalt 2011 im Vergleich zu diesem Jahr um 7,7 Prozent auf rund 122,3 Milliarden Euro. "Auch im nächsten Jahr sind große Anstrengungen notwendig", sagte Vize-Regierungschefin Maria Teresa Fernandez de la Vega.
Zugleich korrigierte die Regierung von Ministerpräsident Jose Luis Rodriguez Zapatero ihre Wachstumsprognosen erneut nach unten. 2012 werde die Wirtschaft um 2,5 Prozent und 2013 um 2,7 Prozent zulegen, hieß es. Das sind jeweils 0,4 Prozentpunkte weniger als zunächst prognostiziert. Für das laufende Jahr wird ein Rückgang von 0,3 Prozent erwartet, für 2011 ein Wachstum von 1,3 Prozent.
Die Regierung rechnet außerdem damit, dass die Arbeitslosigkeit dieses Jahr zunimmt, aber bis 2012 auf eine Quote von 17,5 Prozent reduziert werden kann. Derzeit sind rund 4,6 Millionen Menschen in Spanien ohne Job. Das entspricht einer Quote von rund 20 Prozent.
Dünne Mehrheit für Streichorgie
Das spanische Parlament hatte mit nur einer Stimme Mehrheit das Sparpaket der Regierung verabschiedet. Dieses sieht zusätzliche Einsparungen von rund 15 Milliarden Euro bis 2011 vor. Zur Eindämmung der Schuldenkrise werden unter anderem von Juni dieses Jahres an die Beamtengehälter um durchschnittlich fünf Prozent gesenkt. Die Renten werden nächstes Jahr eingefroren. Minister und Bürgermeister bekommen bis zu 15 Prozent weniger Geld. Zudem werden die öffentlichen Investitionen um rund sechs Milliarden Euro gekürzt und 300 Millionen Euro bei der Pflegeversicherung gespart.
Mit den Einschnitten will Spanien seine enorme Neuverschuldung von zuletzt 11,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts bis 2013 auf den zulässigen Höchstwert von 3,0 Prozent drücken.