Wirtschaft
Belastung oder Gewinn? Das fragt sich auch die Wirtschaft.
Belastung oder Gewinn? Das fragt sich auch die Wirtschaft.(Foto: imago/Pixsell)

Ifo-Institut rechnet vor: Flüchtlinge kosten Milliarden

Was bedeutet der Flüchtlingsandrang für die deutsche Wirtschaft? Die Prognosen der Ökonomen laufen weit auseinander. Während einige einen Schub prophezeien, sehen andere, wie das Ifo-Institut, vor allem die Kosten. Horrende Kosten.

Das Münchener ifo-Institut für Wirtschaftsforschung rechnet mit mindestens 10 Milliarden Euro Kosten für die Flüchtlinge. Grundlage der Berechnung ist die Prognose des Bundesinnenministeriums von 800.000 Asylbewerbern im laufenden Jahr. Diese Zahl berücksichtige weder Familiennachzug noch Bildungsmaßnahmen.

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"Die Asylbewerber sind schlecht für den deutschen Arbeitsmarkt vorbereitet", so das ifo-Institut. Der Anteil der Analphabeten sei hoch. Der Anteil der Hochschulabsolventen liege sogar in Syrien als dem entwickeltsten der Länder, aus denen derzeit Menschen fliehen, nur bei sechs Prozent, und die Gleichwertigkeit der Diplome mit deutschen Abschlüssen sei in vielen Fällen nicht gegeben. Damit kommt das Ifo-Institut zur gleichen Einschätzung wie Bayerns Wirtschaftsministerin Ilse Aigner, die an einer raschen Integration der Flüchtlinge in den deutschen Arbeitsmarkt zweifelt: "Die Geschichte vom gut ausgebildeten Flüchtling stimmt nicht", sagte Aigner kürzlich.

Mindestlohn und Hartz IV überprüfen

Das ifo-Institut geht noch einen Schritt weiter und denkt bereits über den Umbau einiger Arbeitsmarktregelungen wie den Mindestlohn nach: "Es steht zu befürchten, dass viele von ihnen bei einem Mindestlohn von 8,50 Euro keine Beschäftigung finden, weil ihre Produktivität schlicht zu gering ist", so die Wirtschaftsforscher. "Daher ist der Mindestlohn generell abzusenken, so dass keine zusätzliche Arbeitslosigkeit entsteht." Das Bundesarbeitsministerium rechnet wegen der Flüchtlinge im kommenden Jahr mit steigenden Arbeitslosenzahlen.

Das ifo-Institut rät auch vor einer Anhebung der Hartz-IV-Regelsätze ab. Sie würde die Anreize der Immigranten, Arbeit aufzunehmen, verringern und zu zusätzlichen fiskalischen Lasten führen.

Insgesamt warnt das Ifo-Institut vor zu hohen Erwartungen an den Beitrag der Flüchtlinge für die deutsche Volkswirtschaft: "Zwar gibt es auf dem Arbeitsmarkt Vorteile, doch werden diese durch erhöhte Arbeitslosigkeit und Nettotransfers an die Immigranten überkompensiert."

Wirtschaft rechnet anders

Damit ist das Ifo-Institut um einiges pessimistischer als andere Forschungsinstitute wie das DIW oder das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft, die in dem Zuzug der Flüchtlinge zumindest langfristig Wachstumspotenzial sehen.

Auch aus der Wirtschaft selbst kommen viele positive Stimmen: Deutschlands Autoindustrie betrachtet die Vielzahl einreisender Flüchtlinge als große Chance, einem schon jetzt erkennbaren Arbeitskräftemangel zu begegnen. "Ich kenne kein einziges Unternehmen in der Autobranche, das Flüchtlinge nicht willkommen heißt", sagte der Vizepräsident des Branchenverbands VDA, Arndt Kirchhoff, der "Automobilwoche". Das gelte insbesondere für mittelständische Unternehmen aus dem Zulieferbereich.

In den kommenden zehn Jahren werde die Industrie rund 130.000 Beschäftigte durch deren Rentenbeginn verlieren, sagte Kirchhoff weiter. "Wir brauchen die Neuankömmlinge also, wir müssen sie nur irgendwie ins System bekommen. Mit Sprachschulungen, Ausbildungsplätzen, zentralen Lehrwerkstätten oder Berufsbildungszentren." Nötig seien vor allem "schnelle, unbürokratische Maßnahmen".

Das sieht man beim Forschungsinstitut DIW ähnlich: "Wie groß der langfristige wirtschaftliche Nutzen für Deutschland sein wird, hängt davon ab, wie gut und wie schnell es uns gelingt, die Flüchtlinge in Deutschland zu integrieren", sagte DIW-Chef Marcel Fratzscher vor einiger Zeit im n-tv.de-Interview.

Quelle: n-tv.de

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