Wirtschaft
Was ist da wirklich drin?
Was ist da wirklich drin?

Schluss mit dem Geheim-Club: Foodwatch will Lebensmittelbuch abschaffen

Was muss in die Kalbsleberwurst rein? Ab wann darf man von Direktsaft sprechen? Das legt die Lebensmittelbuch-Kommission fest. Sehr zum Ärger der Verbraucherorganisation Foodwatch, die endgültig genug von dem industriefreundlichen Gremium hat.

Die Verbraucherorganisation Foodwatch hat eine Abschaffung der sogenannten Lebensmittelbuch-Kommission gefordert. Zukünftig müsse der Gesetzgeber und nicht ein Geheim-Gremium festlegen, wie Lebensmittel zu kennzeichnen seien, zitiert die Nachrichtenagentur AFP aus einem Foodwatch-Brief an Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU). In dem Gremium blockierten Interessenvertreter der Lebensmittelindustrie immer wieder verbraucherfreundliche Regelungen

Die Lebensmittelbuch-Kommission legt sogenannte Verkehrsbezeichnungen für Lebensmittel fest, beispielsweise was unter "Früchtetee" oder "Kalbfleisch-Leberwurst" zu verstehen ist. Zur Zeit darf beispielsweise die "Kalbfleisch-Leberwurst" auch zum Großteil aus Schweinefleisch bestehen und muss keine Kalbsleber enthalten. Sie muss allein mindestens 15 Prozent Kalbsfleisch enthalten.

Foodwatch kritisiert, dass die Verbraucher durch solche Bezeichnungen in die Irre geführt werden. "Im Geheim-Club Lebensmittelbuch-Kommission sitzen Lobbyisten der Ernährungsbranche mit am Tisch und dürfen im Auftrag der Bundesregierung offiziell mitentscheiden, wie Lebensmittel herzustellen und zu kennzeichnen sind", erklärte Foodwatch-Experte Oliver Huizinga. Zukünftig solle ein Bundesministerium die Bezeichnungen und Regelungen festsetzen.

Neben einer Abschaffung der Kommission fordert die Verbraucherschutzorganisation auch, die Erwartung der Käufer als ausschlaggebendes Kriterium festzulegen. Zudem müssten ein transparentes Konsultationsverfahren und erweitertes Verbandsklagerecht geschaffen werden.

Schon seit Jahren kritisiert Foodwatch die Intransparenz der Deutschen Lebensmittelbuch-Kommission und verklagte 2007 die Bundesregierung, um eine Veröffentlichung der Sitzungsprotokolle zu erreichen. Das Verwaltungsgericht Köln wies die Klage 2010 ab.

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Quelle: n-tv.de

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