Wirtschaft

Untersuchungen in der Tapie-Affäre: France-Télécom-Chef in Polizeigewahrsam

Stéphane Richard, jetziger Vorstandsvorsitzender der France Télécom, ist im Zusammenhang mit der sogenannten Tapie-Affäre von der französischen Polizei in Gewahrsam genommen worden. Ihm wird vorgeworfen, dem Unternehmer Tapie zu seiner Zeit als Bürochef des Finanzministeriums zu Unrecht finanzielle Vorteile gewährt zu haben.

Stéphane Richard muss Rede und Antwort stehen.
Stéphane Richard muss Rede und Antwort stehen.(Foto: Reuters)

Der Vorstandsvorsitzende von France Télécom, Stéphane Richard, ist für eine Befragung im Zusammenhang mit der so genannten Tapie-Affäre in Polizeigewahrsam genommen worden. Die Polizei prüft einen möglichen Missbrauch von öffentlichen Geldern in der Zeit, als Richard noch für das französische Finanzministerium gearbeitet hatte.

Ein Sprecher der Pariser Staatsanwaltschaft sagte, Richard könne während des Verhörs bis zu 48 Stunden in Gewahrsam behalten werden. Die Strafverfolger würden dann entscheiden, ob ein offizielles Verfahren eingeleitet oder ob er freigelassen werde.

"Normale Maßnahme"

Ein Sprecher der France Télécom SA bezeichnete die Ingewahrsamnahme von Richard "als normale Maßnahme bei dieser Art von Untersuchung". Die Aufgaben des Managers übernähmen während der Zeit der Befragung sein Stellvertreter sowie der Finanzvorstand.

Die Befragung von Richard ist die jüngste Entwicklung in dem seit zwei Jahrzehnten andauernden Streit zwischen dem Unternehmer Bernard Tapie und dem französischen Staat. Ausgangspunkt war der Erwerb der Sportartikelfirma Adidas durch Tapie. Beim Verkauf des deutschen Unternehmens vier Jahre später fühlte sich Tapie dann übervorteilt und stritt seitdem für einen Schadensersatz.

Verweis ans Schiedsgericht womöglich illegal

Die Behörden untersuchen, ob Vertreter des Finanzministeriums eine strafbare Handlung begingen, als sie den Streit mit Tapie 2007 an ein Schiedsgericht verwiesen. Das Gericht entschied seinerzeit zugunsten von Tapie und sprach ihm 420 Mio. Euro zu.

Die Sozialisten, die zu jener Zeit in der Opposition waren, kritisierten, dass Tapie vor dem Schiedsgericht höhere Schadensersatzforderungen habe durchsetzen können, als es vor einem normalen Gericht möglich gewesen wäre. Sie bewerteten dies als eine Form des "Dankeschöns" für seine Unterstützung von Nicolas Sarkozy. Der konservative Politiker gewann 2007 die Präsidentschaftswahl.

Zu der Zeit war Richard Bürochef der damaligen Finanzministerin Christine Lagarde. Lagarde, die nun dem Internationalen Währungsfonds vorsteht, war im vergangenen Monat zwei Tage angehört worden. Lagarde hatte 2007 den Fall an das Schiedsgericht verwiesen. Sie wurde deshalb im Mai als wichtige Zeugin gehört. Ein Ermittlungsverfahren wurde nicht eingeleitet.

Hausdurchsuchung bereits im Januar

Die Staatsanwälte untersuchen, ob und falls ja welche Rolle Richard bei der Anrufung des Schiedsgerichts spielte, wie eine mit dem Verhör vertraute Person sagte. Informell sei er bereits befragt worden. Im Januar sei sein Haus durchsucht worden.

Die Ermittler hätten auch andere Personen befragt, die möglicherweise in den Fall verwickelt waren. Zu ihnen zähle der Leiter der Regierungsstelle, die die Zahlung an Tapie vornahm, sowie eine Person des Schiedsgerichts, die mutmaßlich Verbindungen zu Tapie gehabt haben soll. Vergangenen Monat war schon gegen Pierre Estoup, Mitglied des Schiedsgerichts, wegen Betrugsverdachts eine offizielle Ermittlung aufgenommen worden. Gegen andere mögliche Mittäter wird bisher nicht offiziell ermittelt.

Quelle: n-tv.de

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