Wirtschaft
(Foto: REUTERS)

Sponsor der Premier-League: Franken treibt Devisenbroker in die Pleite

Von Benjamin Feingold

Die Entscheidung der Schweizer Notenbank, die Untergrenze beim Euro-Frankenkurs aufzugeben, findet sein erstes Opfer: Devisenbroker Alpari UK ist pleite, auch der deutsche Ableger ist betroffen. Weitere Insolvenzen könnten folgen.

Ihr Schriftzug ziert die Trikots von West Ham United, einem bekannten englischen Fußballverein aus der höchsten britischen Liga. Doch damit dürfte bald Schluss sein, denn der Sponsor Alpari UK hat Insolvenz angemeldet. Davon ist der deutsche Ableger Branchenkreisen zufolge in vollem Umfang betroffen. Inwiefern andere Länder wie zum Beispiel Japan betroffen sind, ist derzeit noch unklar.

Der Devisenbroker konnte die Verluste seiner Kunden nach der SNB-Entscheidung nicht mehr stemmen. Das ist bei näherem Hinsehen auch nicht weiter verwunderlich, da viele Anleger Hebel von 100 und mehr reichlich genutzt haben. Was bedeutet das?

Hebel am Maximum

Mit einer Sicherheitsleistung von 0,5 Prozent oder sogar noch weniger können Anleger bei Devisenbrokern auf fallende oder steigende Kurse am Devisenmarkt setzen. Um 100.000 US-Dollar zu bewegen, reichen dann zum Beispiel schon 500 Dollar aus. Wer solche Positionen eingeht, handelt sehr riskant, denn die Hebel betragen 200, bei einer Marge von 0,25 Prozent macht die Hebelwirkung sogar 400 aus. Eine kleine Kursbewegung reicht also, um die Position zu verdoppeln oder einen Totalverlust herbeizuführen. Diese Erfahrung hat zum Beispiel auch schon Uli Hoeneß gemacht.

Bei einer negativen Kursentwicklung von 0,5 Prozent in einem Devisenpaar wäre die hinterlegte Margin von 0,5 Prozent des Devisengegenwertes aufgebraucht - ein Totalverlust entsteht. Die gestrige Kursbewegung von fast 30 Prozent im Euro-Franken in wenigen Minuten löst dann noch größere Verluste aus, denn die Verlustrisiken sind nicht begrenzt. Der Anleger verliert in diesem Fall alles, sprich das gesamte Kapital, das auf dem Margin- und Handelskonto liegt. Und das ist nicht alles. Durch die scharfen Kursbewegungen entstehen weitere Verluste, die dann der Broker tragen muss. Alpari UK konnten die Last ihrer ungedeckten Kundenverluste nicht mehr tragen.

Weitere Pleite?

Für die ganze Branche war es ein schwarzer Tag: Ein anderer englischer Broker, IG, hat Verluste von 30 Millionen Pfund (38 Millionen Euro) erlitten. Bei dem weltweit größten Devisenbroker, FXCM aus den USA, könnte das Minus ebenfalls zu einer Insolvenz führen. Nach eigenen Angaben sind signifikante Verluste entstanden, die das Eigenkapital zu einem Großteil aufgezehrt haben. Derzeit verhandelt das Unternehmen mit den zuständigen Behörden, um die Kapitalanforderungen zu erfüllen. Wohl noch ohne Erfolg, denn die Aktie ist an der Frankfurter Börse um 60 Prozent gefallen.

Quelle: n-tv.de

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