Wirtschaft
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Bremsklotz Paris: Frankreich lähmt Erholung der Eurozone

Die Konjunktur in der Eurozone erholt sich weiter nur langsam. Vor allem die zweitgrößte Volkswirtschaft bereitet Sorgen. Unternehmer und Verbraucher trauen der französischen Regierung offenbar immer weniger zu, das Ruder rumreißen zu können.

Die Konjunkturerholung in der Euro-Zone kommt nicht recht in Fahrt und verliert im Juni den zweiten Monat in Folge an Schwung. Sorge bereitet vor allem die große Kluft zwischen den beiden größten Volkswirtschaften: Während Deutschland spürbar wächst, verliert Frankreich immer mehr an Boden. Hoffnung kommt aus Übersee. Die chinesische Industrie schaffte erstmals seit Dezember 2013 wieder ein Wachstum, was der Weltkonjunktur auf die Sprünge helfen könnte.

Der Einkaufsmanagerindex für die Privatwirtschaft der Währungsunion fiel auf 52,8 Punkte - blieb aber über der Wachstumsschwelle von 50 Zählern, wie das Markit-Institut mitteilte. Das ist der tiefste Stand seit einem halben Jahr. "Die Euro-Zone ist im zweiten Quartal so stark gewachsen wie seit drei Jahren nicht mehr", sagte Markit-Chefvolkswirt Chris Williamson, der mit einem Plus beim Bruttoinlandsprodukt von 0,4 Prozent rechnet. "Dass das Barometer jedoch zum zweiten Mal hintereinander nachgab, deutet darauf hin, dass dem Aufschwung ein wenig die Puste ausgeht."

Frankreichs Probleme substanzieller Natur

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Das Hauptproblem sei die große Kluft innerhalb der Währungsunion. In Frankreich schrumpften die Geschäfte der Privatwirtschaft im Juni bereits den zweiten Monat in Folge. "Unternehmen und Verbraucher sind nicht überzeugt davon, dass die Regierung das wirtschaftliche Umfeld verbessern kann", sagte Williamson. "Die mangelnde Konkurrenzfähigkeit der französischen Unternehmen scheint auch bei einem schwächeren Euro fortzubestehen und substanziellerer Natur zu sein", sagte auch BayernLB-Experte Stefan Kipar. Zuletzt hatte Frankreich unter anderem über eine Abwertung des Euros nachgedacht, da das Land sich davon eine Ankurbelung der eigenen Wirtschaft erhofft.

Besser läuft es beim östlichen Nachbarn. "Wie bereits seit Jahresbeginn setzte die deutsche Wirtschaft ihr kräftiges Wachstum auch in Juni fort", sagte Markit-Ökonomin Pollyanna De Lima. "Der Auftragseingang blieb hoch, was sich auch im anhaltenden Beschäftigungsaufbau widerspiegelte." Die Industrie gewann sogar etwas an Fahrt. "Die Industriebetriebe profitierten erneut von der starken Exportnachfrage innerhalb Europas", sagte De Lima. Auch aus dem Nahen Osten und Asien seien mehr Bestellungen eingetroffen.

Gute Signale aus den Peripherieländern und Fernost

"Positiv ist festzuhalten, dass sich die Unternehmensstimmung in den Peripherieländern spürbar erholt und somit der Aufschwung auf einer zunehmend breiten Basis steht", sagte BayernLB-Ökonom Kipar. "Die geldpolitische Lockerung der Europäischen Zentralbank scheint ebenfalls erste positive Wirkungen für die Absatzchancen der europäischen Unternehmen zu hinterlassen."

Zudem kann die Eurozone in den kommenden Monaten auf Impulse von außen hoffen: Die chinesische Industrie schaffte im Juni nach sechsmonatiger Pause wieder ein Wachstum. Der von der Bank HSBC erhobene Einkaufsmanagerindex kletterte auf 50,8 Punkte. Auch die Aussichten hellten sich aus Sicht auf: Die Aufträge wuchsen so stark wie seit 15 Monaten nicht mehr. "Die kleinen Hilfsmaßnahmen der Behörden kommen allmählich in der Realwirtschaft an", sagte der China-Chefvolkswirt von HSBC, Qu Hongbin. Die Regierung hat beispielsweise Ausgaben vorgezogen, etwa in die Infrastruktur.

Quelle: n-tv.de

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