Wirtschaft
(Foto: picture alliance / dpa)

Vorkrisenniveau in Sicht: Frankreich und Spanien bremsen Eurozone

Die EU-Kommission kappt ihre Wachstumsprognose: Vor allem zwei Schwergewichte können die bisherigen Erwartungen wohl nicht erfüllen. Unverändert positiv blicken die Experten dagegen auf Deutschland. Zudem hellt sich die Lage auf dem Arbeitsmarkt auf.

Die wirtschaftliche Erholung in der Eurozone nimmt nur langsam Fahrt auf: Im laufenden Jahr erwartet die EU-Kommission nach wie vor ein Wachstum von 1,2 Prozent. Für das kommende senkte die Kommission ihre Prognose indes leicht um 0,1 auf 1,7 Prozent, wie aus der veröffentlichten Frühjahrs-Konjunkturprognose hervorgeht. Hinter der etwas niedrigeren Prognose für das kommende Jahr verbergen sich vor allem reduzierte Wachstumserwartungen für Frankreich, Spanien und die Niederlande. Im kommenden Jahr könnte der Währungsraum dann auch die Wirtschaftsleistung von vor der Finanzkrise erreichen.

Video

Für die Kommission ist die Ukraine-Krise derzeit das größte Risiko für den weiteren Aufschwung. EU-Kommissar Siim Kallas sagte, dass vor allem EU-Länder mit besonderen Beziehungen zu Russland, wie etwa Zypern, darunter leiden könnten. Kallas wies darauf hin, dass die Krise auch "ernste Auswirkungen" auf Russlands Konjunktur habe. So gingen die Einnahmen aus dem russischen Export von Gas und Öl zurück, der Wert des russischen Rubels sei betroffen und es gebe eine Kapitalflucht. Alle russischen Maßnahmen dagegen könnten auch auf die europäische Wirtschaft durchschlagen, warnte er.

Nummer zwei wächst langsamer

Für Frankreich - zweitgrößte Volkswirtschaft des Euroraums - erwartet die Kommission nach wie vor eine von der Binnennachfrage getriebene Konjunkturerholung, die das BIP um 1,0 und 1,5 Prozent stiegen lassen soll. In ihrer Winter-Prognose hatte die Kommission für 2015 noch 1,7 Prozent Wachstum vorausgesagt. Die sozialistische Regierung in Paris rechnet hingegen für 2015 mit einem Plus beim Bruttoinlandsprodukt (BIP) von 1,7 Prozent.

Zudem wird das land nach Einschätzung der Kommission das Sparziel für 2015 klar verfehlen. Die Behörde sagt dem Land für das kommende Jahr ein Defizit von 3,4 Prozent voraus. Damit würde das Maastricht-Kriterium von drei Prozent erneut nicht erreicht. Frankreich hatte von der EU bereits zwei Jahre Aufschub erhalten und muss das Sparziel somit 2015 wieder einhalten. Die neue Regierung in Paris unter Ministerpräsident Manuel Valls rechnet damit, dass eine Punktlandung gelingt und der Haushaltsfehlbetrag im nächsten Jahr auf glatte drei Prozent gedrückt werden kann. Im laufenden Jahr wird das französische Defizit laut EU-Prognose sogar 3,9 Prozent erreichen.

Dämpfer für Spanien - Lichtblick für Griechenland

Noch deutlicher fällt die Abwärtsrevision der Wachstumserwartungen für Spanien aus. Die Kommission erhöhte ihre BIP-Prognose für das laufende Jahr zwar von 1,0 auf 1,1 Prozent, senkte aber jene für das kommende Jahr von 2,1 auf 1,7 Prozent. Belastet wird die Wirtschaft laut Kommission vor allem von der nach wie vor hohen Verschuldung der Wirtschaftsakteure, dem eingeschränkten Zugang kleiner und mittelgroßer Unternehmen zu Krediten und dem anhaltenden Schrumpfen des Immobiliensektors.

Aufwärts geht es für das Sorgenkind Griechenland: Nach 0,6 Prozent in diesem soll das BIP 2,9 Prozent im kommenden Jahr zulegen. Dann steigen erstmals seit langer Zeit auch die Konsumausgaben der Griechen wieder. bei den Exporten wird ein Plus von 4,1 und 5,8 Prozent erwartet. Wenig Erhebendes prognostiziert die Kommission dagegen für den Arbeitsmarkt: Die Beschäftigung steigt um 0,6 und 2,6 Prozent - die Arbeitslosigkeit sinkt auf 26,0 und 24,0 Prozent. Das strukturelle Defizit beläuft sich in diesem Jahr auf 1,0 Prozent. Im kommenden Jahr soll indes ein Überschuss von 0,4 Prozent erzielt werden. Mit 177,2 und 172 Prozent der Wirtschaftsleistung bleibt die Verschuldung weiter astronomisch hoch.

Reformanstrengungen beibehalten

Unverändert haben sich aus Sicht der EU-Kommission die Wachstumsaussichten für Deutschland und Italien: Die Kommission erwartet für Deutschland BIP-Anstiege von 1,8 und 2,0 Prozent. Für Italien prognostiziert sie Zuwächse von 0,6 und 1,2 Prozent. Deutschlands Wirtschaft wird laut Kommission vor allem von einer robusten Binnennachfrage, darunter den Investitionen, gestützt werden. Italien profitiert von der Außennachfrage.

Für Deutschland rechnet die Kommission mit einem kräftigen Anstieg der Exporte um 5,0 und 5,6 Prozent. Die Einfuhren legen 5,4 und 5,6 Prozent zu. Die Konsumausgaben der Verbraucher erhöhen sich um 1,5 und 1,8 prozent.

Erholung erreicht Arbeitsmarkt

Nach 12,0 Prozent  im vergangenen Jahr sinkt die Arbeitslosenquote den neuen Berechnungen zufolge in diesem Jahr auf 11,8 Prozent. Im kommenden Jahr soll sie dann auf 11,4 Prozent fallen. Im Februar hatte die EU-Kommission noch erwartet, dass die Arbeitslosenquote 12,0  Prozent in diesem und 11,7 Prozent im kommenden Jahr beträgt.

Zugleich schraubte die Kommission allerdings auch ihre Inflationserwartungen für dieses Jahr zurück. Die Teuerungsrate für dieses Jahr soll nun bei 0,8 Prozent liegen, nachdem bislang 1,0 Prozent angenommen worden waren. Für das kommende Jahr werden un statt mit 1,25 nur noch mit 1,2 Prozent gerechnet. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte ihre Prognose für 2014 Anfang März auf 1,0 Prozent reduziert und erwartet für nächstes Jahr 1,3 Prozent Verbraucherpreisauftrieb.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen