Wirtschaft
Die Fernbusfirmen ruinieren sich im Preiskampf. Auf Dauer sind sie keine echte Konkurrenz für die Bahn.
Die Fernbusfirmen ruinieren sich im Preiskampf. Auf Dauer sind sie keine echte Konkurrenz für die Bahn.(Foto: picture alliance / dpa)

Pleitewelle bei Fernbussen rollt: Freie Bahn für die Bahn

Von Hannes Vogel

Der Fernbusmarkt boomt. Doch der Schein trügt: Die ersten Anbieter gehen pleite, die Preise steigen. Auf Dauer werden Busse nicht reichen, um die Bahn zu günstigeren Angeboten zu zwingen. Echter Wettbewerb bleibt auf der Strecke.

Wenn jeden Tag Bahnstreik wäre, ginge es Deutschlands Reisenden besser. Seit sich die Bahn und ihre Gewerkschaften im Dauerstreit verhakt haben, haben Fernbusse in Deutschland Hochkonjunktur. Allein über das Mauerfall-Wochenende im November vervierfachten sich laut dem Marktführer MeinFernbus die Buchungen.

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Seit 2013 dürfen Fernbusse der Bahn Konkurrenz machen. Mehr als 250 Verbindungen gibt es inzwischen, Tausende Busse sausen jede Woche über Deutschlands Autobahnen. Sie sind vor allem eins: konkurrenzlos günstig. Laut einer repräsentativen Studie des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) sind Fernbusse auf 94 Prozent der untersuchten Strecken günstiger als die Bahn. Durchschnittlich kostet eine Fahrt rund 60 Prozent weniger als ein Zugticket, wenn die Reise einen Tag vorher gebucht wird. Für mehr als drei Viertel der Befragten war der Preis der ausschlaggebende Grund, aus den Waggons aus- und in den Bus einzusteigen.

Die rollenden Riesen zwingen den mächtigen Staatsbetrieb zum Umdenken. Erstmals seit 2010 erhöht er im Dezember die Preise für Zweite-Klasse-Tickets auf der Fernstrecke nicht. Der Preisschock zur Weihnachtszeit war für die Bahnkunden alle Jahre wieder gewiss. "Es geht darum, in Zeiten harter Konkurrenz unsere Fahrgäste an uns zu binden", sagt Bahn-Vorstand Ulrich Homburg. Die Umsatzeinbußen durch die Konkurrenz auf den Straßen schätzt die Bahn auf 50 Millionen Euro.

Kampfpreise ruinieren die Fernbusse

Doch der Boom der Fernbusse kann über die Probleme auf dem jungen Markt nicht hinwegtäuschen. Auf Deutschlands Straßen läuft ein ruinöser Preiskampf zwischen den Busanbietern. Und auf Dauer werden ein paar Busse nicht reichen, um die Bahn zu besseren und günstigeren Angeboten zu zwingen.

Vier Firmen dominieren bislang den Markt: MeinFernbus, Flixbus, Postbus - und die Deutsche Bahn, die mit den Töchtern Berlinlinienbus und IC Bus selbst in das neue Geschäft eingestiegen ist. Das Marktpotenzial ist riesig, aber die Gewinnaussichten sind mau: Laut dem Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmer (BDO) hat 2013 wegen der hohen Anfangsinvestitionen keine der Firmen im Fernbusmarkt schwarze Zahlen geschrieben. In diesem Jahr will Meinfernbus aus Berlin erstmals Gewinn machen, genauso wie Flixbus aus München.

Doch der Wettbewerb um die Kunden ist brutal. Er läuft vor allem übers Geld. Anderthalb Jahre nach der Liberalisierung geht den ersten Anbietern die Puste aus: City2city aus Frankfurt stellte das Geschäft ein, Deinbus.de aus Offenbach meldete Insolvenz an. Und der ADAC stieg im November aus dem Gemeinschaftsunternehmen mit der Post aus, weil sich das Geschäft auf dem umkämpften Fernbusmarkt nicht lohnt. "Das sind Einzelfälle, aber es gibt keine Pleitewelle", meint dazu der BDO.

Nur einige Anbieter dürften den Preiskampf langfristig überleben, falls sie genügend Kapital im Rücken haben. Hinter Flixbus steht Daimler, der Postbus trägt seinen Eigentümer schon im Namen. Doch selbst große Investoren bieten keine Überlebensgarantie. Hinter city2city stand National Express: Auch der Busriese aus Großbritannien strich wegen der geringen Preise in Deutschland nach Millionenverlusten die Segel. "Wir gehen davon aus, dass wir das erste, aber sicherlich nicht das letzte Unternehmen sind, das den Betrieb einstellen wird", hieß es.

Die Kampfpreise, mit denen Flixbus und Co. Marktanteile zu erobern versuchen, lassen sich nicht durchhalten, sagt selbst die Bus-Lobby: "Auf Dauer wird es die sehr günstigen Angebote von heute nicht mehr so häufig geben. Der Trend geht zu Normalpreisen", glaubt der BDO. Die Fernbusse werden über kurz oder lang also teurer werden.

Die Politik schützt die Bahn

Eine Alternative zur Bahn werden sie nie sein: 131 Millionen Menschen sind 2013 laut Statistischem Bundesamt in Deutschland mit dem Zug gefahren. Laut BDO hatten die Fernbusse gerade einmal neun Millionen Fahrgäste, in diesem Jahr könnten es doppelt so viele werden. Es gibt einfach nicht genug Sitzplätze, um alle Menschen in Deutschland so von A nach B zu befördern. Und auf weiten Strecken sind Busse wegen der langen Fahrzeiten keine Alternative, höchstens für Menschen mit geringem Einkommen.

Umso wichtiger wäre es, Bedingungen für echten Wettbewerb zwischen Bahn und Bussen zu schaffen. Doch davor scheut die Politik zurück. Zu einer Maut für Busse und PKW kann sie sich nicht durchringen. Und über die Bahn hält sie erst recht ihre schützende Hand: Sie subventioniert das Staatsunternehmen Jahr für Jahr mit Milliarden für den Schienenbau. Die EU-Kommission hat Deutschland wegen der Beihilfen sogar verklagt. Es ist wie mit Banken, Energieversorgern und anderen "systemrelevanten" Großkonzernen: Einen Ausfall der Bahn kann sich Deutschland nicht leisten. Also bekommt sie Staatshilfen.

Deshalb fehlt es an echter Konkurrenz für die Bahn dort, wo sie am nötigsten wäre: nicht nur auf der Straße, sondern auf der Schiene. Interconnex, die erste private Bahnlinie Deutschlands, stellt am 13. Dezember nach zwölf Jahren ihren Betrieb zwischen Leipzig und Rostock ein. Sie wurde doppelt ausgebremst: "Wir können mit den parallel verkehrenden Fernbuslinien, die keine Straßenmaut bezahlen müssen nicht konkurrieren. Zudem gibt es für den InterConnex - im Gegensatz zum öffentlich geförderten Schienennahverkehr - keine finanzielle Unterstützung".

Quelle: n-tv.de

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