Wirtschaft
(Foto: picture alliance / dpa)

"Habe die Polizei verständigt": GDL-Chef fürchtet um Privatsphäre

Eine Zeitung veröffentlicht die Büronummer des GDL-Chefes Weselsky, ein Online-Angebot beschreibt sein Wohnhaus. Der Gewerkschaftler ärgert sich über die Verletzung seiner Privatsphäre. Ein Medienanwalt spricht gar von "Terror".

Der Lokführerstreik hat ein Gesicht: Claus Weselsky. Der Chef der Gewerkschaft GDL steht im Zentrum der intensiven Berichterstattung, die gelegentlich sehr weit geht.  Die "Bild"-Zeitung veröffentlichte seine Büronummer, "Focus Online" zeigte Fotos von der  Fassade des Mehrfamiliengebäudes, hinter dem Weselsky in einem Haus wohnt.

Video

Weselsky fürchtet deshalb um seine Privatsphäre. Er habe am Abend die Polizei verständigt, "weil es hier in einer unglaublichen, nennen wir es einfach Verletzung meiner Privatsphäre, nicht mehr um die Sache geht",  sagte Weselsky der ARD. Für Personenschutz habe er bislang aber "keine Notwendigkeit gesehen."

Die "Bild"-Zeitung hatte am Mittwoch geschrieben: "Wenn Sie dem Bahnsinnigen selbst die Meinung geigen wollen, das ist seine Telefonnummer..." Damit habe das Blatt eine Grenze überschritten, sagte der Medienanwalt Ralf Höcker dem Branchendienst "Meedia". Zwar sei klar, "dass er nicht persönlich ans Telefon gehen wird. Es ist aber genauso klar, dass diese Nummer für den normalen dienstlichen Gebrauch gedacht ist. Und damit geht einher, dass Herr Weselsky und seine Mitarbeiter in ihrer Arbeit behindert werden." 

"Nichts anderes als Terror"

"Focus Online" veröffentlichte Bilder von der Außenfassade des Mehrfamilien-Altbaus, hinter dem Weselsky wohnt sowie eines Klingelschilds mit der Aufschrift "Fam. Weselsky". Das zentrale Viertel einer ostdeutschen Stadt wurde genannt, die genaue Adresse nicht.

In dem Text hieß es, der GDL-Chef sei "wohl der meistgehasste Deutsche". Ein "Mann aus Weselskys Straße", in der sich "Rechtsanwälte und Psychologen niedergelassen haben",  wurde mit den Worten zitiert: "Zum Glück habe ich in den letzten Tagen keine schlechten Erfahrungen mit der Bahn gemacht. Sonst würde ich jetzt da rüber gehen, klingeln und ihm mal richtig die Meinung sagen." "Focus Online" schreibt von einem "Innenhof mit einem kleinen, rotverklinkerten Häuschen. Der geheime Rückzugsort des GDL-Chefs. Er lebt abgeschieden."  

 "Da muss ich einfach nur lachen. Ich wohne zur Miete in einem Häuschen, das 61 Quadratmeter hat - und wenn das dann ein exklusiver Wohnsitz ist, na bitteschön, dann ist das einfach so", sagte Weselsky in der ARD. "Interessierte Kreise" legten großen Wert darauf, dass die Zugbegleiter und Lokführer nicht erfolgreich seien. "Und das ist eine Dimension, die hätte ich mir am Beginn der Auseinandersetzung nicht vorstellen können."

"Das ist nichts anderes als Terror. Zumal auch die Familie von Herrn Weselsky durchaus in Gefahr gebracht wird. Die GDL legt sich mit Millionen von Bahnfahrern an", sagte Medienanwalt Höcker "Meedia".

"Focus Online" verteidigte gegenüber dem Branchendienst seine Berichterstattung. Weder sei der genaue Wohnsitz gezeigt, noch die Adresse genannt worden. Eine Sprecherin von Axel Springer wies darauf hin, dass sich die Büronummer der GDL auf der Internetseite der Gewerkschaft finde.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen